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Ratgeber für Führungskräfte : Wie war ich, Coach?

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Beobachten, beraten: Was Boris Becker bei seinem Schützling Novak Djokovic, bieten immer mehr freie Trainer auch für Führungskräfte an. Bild: dpa

Die globale Arbeitswelt ist komplex. Und damit schwer alleine in den Griff zu bekommen. Sogenannte Business-Coaches bieten Hilfe an. Doch nicht alle sind seriös.

          Als Arne Büsing Rat bei der Planung seiner beruflichen Zukunft suchte, vereinbarte er einen Termin mit einem Business-Coach. Der Mann, zu dem er Kontakt über eine Bekannte erhalten hatte, schien sympathisch, das Angebot passend. Büsing, Führungskraft beim Chemie- und Pharmakonzern Merck und mit Coaching-Angeboten bislang nicht vertraut, verließ sich darauf, dass der vermeintliche Profi ihn fachgerecht beraten und leiten würde. Obwohl es ihn skeptisch machte, dass der Berater beim ersten Gespräch seine Methode nicht erläutern wollte und stattdessen sagte, er wolle „einfach erst einmal anfangen“.

          Beim nächsten Termin beantwortete Büsing viele Fragen: über sein Berufsleben, private Beziehungen, seine Herkunft. Es folgte sogar eine Familienaufstellung. Die Sitzung ähnelte mehr einem therapeutischen Gespräch als dem sogenannten systemischen Coaching, das sich an psychisch Gesunde wendet und deren berufliche Themen behandelt und sich von psychologischer Beratung klar abgrenzt. „Die Fragen waren interessant, aber das Gespräch wirkte ziellos“, sagt Büsing. „Ich wurde gar nicht gefragt, was ich mit der Beratung eigentlich erreichen will.“

          Zum dritten Termin kam der Coach eineinhalb Stunden zu spät. Die Gesprächsinhalte kamen Büsing zudem beliebig vor. Er fragte nach, welche Strategie der Berater verfolge, und erntete Kritik für seinen „zu hohen Anspruch“. Erst nach zehn bis zwölf Terminen ließe sich über ein handfestes Ergebnis sprechen, wurde ihm beschieden. „Ein Dutzend Sitzungen mit offenem Ausgang bei 150 Euro Stundensatz erschienen mir einfach falsch“, erinnert sich der Chemiker. Dann erhielt er eine Rechnung, auf der auch die wegen Verspätung verkürzte Sitzung voll berechnet wurde. Büsing zahlte, aber beendete danach die Zusammenarbeit.

          Vorsicht vor schnellen Entscheidungen

          Sein Erlebnis ist kein Einzelfall. „Der größte Fehler auf der Suche nach einem Coach ist eine vorschnelle Entscheidung“, sagt Christopher Rauen, Chef des Deutschen Bundesverbandes Coaching (DBVC). Weil der hierzulande noch junge Beruf des Coaches in der Phase der Professionalisierung stecke, sei die sorgfältige Auslese ein Muss - denn der erfahrene Experte soll seinem Klienten, dem Coachee, innerhalb kurzer Zeit fundierte Antworten zu drängenden Fragen im Berufsalltag liefern: Das kann Konflikte mit Kollegen betreffen oder eine Motivationsblockade, Stressbewältigung, Zukunftspläne oder den Aufstieg zur Führungskraft.

          Rauen empfiehlt, mindestens drei Coaches zu kontaktieren und jeweils ein erstes Sondierungsgespräch zu führen. Dieses sollte kostenlos oder zumindest kostenneutral sein, also auf spätere Sitzungen anrechenbar. Dränge ein Anbieter auf eine Vertragsunterzeichnung oder eine Anzahl verbindlicher Termine, spreche das gegen seine Seriosität. Einen Grund für die hohe Nachfrage nach Business-Coachings sieht Rauen in dem Bedürfnis nach Durchblick in der sich rasant verändernden Arbeitswelt, in der komplett vernetzte Unternehmen global miteinander konkurrieren.

          Vor allem für die Jüngeren sei darum „Metakompetenz“ von Bedeutung: „Diese Generation weiß, dass ohne Reflexion und Fähigkeit zur Selbststeuerung beruflicher Erfolg kaum möglich ist: Kein Gehirn kann die Komplexität der globalisierten und digitalisierten Arbeitswelt allein erfassen.“ Sich Beratung zu holen, das gelte nicht mehr als Schwäche, sondern als wertvolles und notwendiges Instrument für die berufliche Entwicklung.

          Dem eigenen Störgefühl folgen

          Mehr Glück als Chemiker Büsing bei der Suche nach einem kritischen Begleiter auf Zeit hatte der Frankfurter Rechtsanwalt Jens Fransen. Auf einem Seminar lernte er Bettina Trittmann kennen, die Coaching speziell für juristische Führungskräfte anbietet. Ihre Fachkompetenz überzeugte ihn, denn Trittmann war vor ihrer Karriere als Beraterin lange in Kanzleien und als Richterin tätig gewesen. Für Fransen ein eindeutiges Pro: „Ich suchte jemanden, der die Strukturen und Fallstricke in der Kanzlei kennt.“ Mit ihrer Hilfe bereitete sich der Rechtsanwalt auf den Wechsel als Partner in seiner Großkanzlei vor.

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