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Ratgeber für Führungskräfte : Wie war ich, Coach?

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Trittmann analysierte mit ihm, was es heißt, Führungskraft zu sein, von Inhalten über die Kommunikation bis hin zu Fransens Körperhaltung. Und deckte Schwächen auf, indem sie Feedback aus der Perspektive seiner Vorgesetzten formulierte. „Sie hat mit mir trainiert, wie ich tatsächlich gewirkt habe und wie ich eigentlich wirken will“, resümiert Fransen. So habe er ein Gefühl dafür bekommen, Selbstbewusstsein und Zurückhaltung auszubalancieren und sich vor der Chefetage angemessen zu behaupten. Trittmann betont, dass auf der Suche nach dem richtigen Coach das persönliche Verhältnis den Unterschied mache: „Schon beim Kennenlernen sollten Sie das Gefühl haben, dem Coach vertrauen zu können. Umgekehrt heißt das, dem eigenen ,Störgefühl‘ zu folgen - falls Sie also merken, dass die Chemie nicht stimmt, lassen Sie es.“

DBVC-Chef Rauen nennt als Triebfeder für eine gedeihliche Zusammenarbeit auf Zeit die konstruktive Kritik des Coaches, da nicht wenige Probleme aus mangelnder Rückmeldung entstünden, vor allem bei Führungskräften: „Wer Chef ist, wird selten kritisiert. Doch ohne Kritik ist gutes Führen nicht möglich.“ Zwar müssten Coach und Coachee persönlich harmonieren, der Berater solle jedoch kein Ersatz für einen Freund sein: „Ein guter Sparringspartner muss auch mal zuschlagen können“, sagt er.

Antworten auf alle Fragen nach nur einer Sitzung

Da der Beruf des Coaches hierzulande nicht geschützt ist, ist die Qualität der Beratungsangebote stark unterschiedlich. „Eine Coaching-Ausbildung ist im Grunde eine Form der Weiterbildung“, erklärt Rauen. Gemeinhin haben Coaches hierzulande ein Hochschulstudium absolviert und in ihrer Profession gearbeitet, bevor sie zum Coaching wechseln. Nicht alle dafür erworbenen Zertifikate sind jedoch seriös: Rund 30 Ausbildungen hat der DBVC als professionelle Qualifikation anerkannt. Und auch die Ausbildungsdauer ist höchst unterschiedlich: Bis zu fünf Jahre Fachausbildung können manche Berater vorweisen, laut Rauen sollten es jedoch mindestens 150 Stunden sein. „Fragen Sie in jedem Fall detailliert nach den Qualifikationen und ob der Coach auf Ihr Anliegen spezialisiert ist. Ein Profi wird darüber gerne Auskunft geben und sich nicht in Gemeinplätze flüchten.“

Um Interessenten bei der Auslese des Sparringspartners zu helfen, führt der Bundesverband eine Datenbank mit den Adressen seriöser Coaches, die Mitglied im Berufsverband sind und eine fundierte Ausbildung absolviert haben. Bei einem Honorar von 150 Euro bis 350 Euro für eine Zeitstunde können die Kosten für das Coaching kräftig zu Buche schlagen: Auch wenn manche Fragen zügig geklärt werden können, sind für ein zielgerichtetes Business-Coaching laut Rauen in der Regel sechs bis zwölf Termine von jeweils zwei Stunden notwendig. Bisweilen lassen sich diese Kosten über den Arbeitgeber abrechnen, denn viele Unternehmen haben bereits den wirtschaftlichen Nutzen persönlicher Weiterentwicklung auf dem Radar.

Um Manager in kleinen Teams und in internationalen Konzerne in ihrer Funktion zu stärken, ermuntern sie Mitarbeiter ab einer bestimmten Führungsebene ausdrücklich zum Coaching auf Firmenkosten. Die Lufthansa etwa vermittelt ihren Managern aus einem Pool von rund 30 externen Business-Coaches je nach Anliegen einen passenden Berater: Bis zu zwanzig Stunden Coaching stehen Lufthansa-Mitarbeitern der oberen Führungsebene zur Verfügung.

Auch Chemiker Büsing wandte sich nach dem misslungenen ersten Coaching an seinen Arbeitgeber und absolvierte intern ein sogenanntes 360-Grad-Feedback - eine gängige Technik zur objektiven Einschätzung und Stärkung der Selbstwahrnehmung im beruflichen Umfeld, für das unter anderem die Resonanz von Vorgesetzten und direkten Kollegen gesammelt und ausgewertet wird. Die Ergebnisse besprach Büsing dann mit einem von Merck vermittelten Coach - diesmal mit Erfolg: Nach nur einer Sitzung hatte er Antworten auf seine Fragen gefunden.

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