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Private Fitnesstrainer : Kampf dem inneren Schweinehund

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Der 36 Jahre alte studierte Sportwissenschaftler gründete im Jahre 1998 mit seinem Partner Michael Schmelzer den Club Sportif. Laut Schmelzer eine Art Rundumservice zur Verbesserung der Lebensqualität. „Unsere Klienten arbeiten 70 bis 80 Stunden in der Woche und sind in ihrem Beruf hochprofessionell. Sie haben den Wunsch, diese Professionalität in ihr Privatleben zu übertragen und ihren optimalen Lebensstil zu finden“, sagt Schmelzer. Er bezeichnet sich und Hansen daher als „Lifestyle-Coaches“. Je nach Ziel des Kunden wird aus dem Netzwerk des Clubs ein Trainer eingesetzt und in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern von Ernährung bis Yoga ein individueller Trainingsplan erstellt. Zwischen 110 und 150 Euro kostet eine Trainingsstunde beim Club Sportif. Für einen Durchschnittsverdiener – bei einem üblichen Trainingsaufwand von zwei Stunden wöchentlich – kaum zu bezahlen.

Dennoch hält der Markt für jedermanns Geldbeutel einen Personal Trainer bereit. Oder zumindest einen, der sich so nennt. Für knapp 30 Euro bieten Fitness-Studios ein 90- Minuten-Personal-Training in Kleingruppen an. Eginhard Kieß ärgert sich über solche Angebote. „Wie kann denn ein Training in Kleingruppen ‚personal‘ sein?“, fragt er sich. Er wehrt sich dagegen, dass Personal Training zu einer Massenware verkommt, und propagiert deshalb: „Wer im Premiumbereich ein individuelles Training anbietet, kann nicht mehr als drei bis vier Kunden täglich betreuen. Und wenn er davon anständig leben und in die Rentenkasse einbezahlen will, muss er mindestens 90 bis 100 Euro je Stunde verlangen.“ Die Verbände halten ein Stundenhonorar von 50 bis 80 Euro für angemessen und auch damit einen Preis, der einen Monatsbeitrag in einem schicken Fitness-Studio deckt. Dennoch verbuchen Personal Trainer einen regen Zulauf.

„Die Jungs quälen mich manchmal“

Georg Pressner hat seinen Personal Trainer Jan Hansen vor allem für die Bekämpfung des inneren Schweinehundes gebucht. „Die Jungs quälen mich manchmal, so intensiv würde ich alleine niemals trainieren“, sagt er. Ebenso wichtig war es Pressner, nach zwanzig sportlosen Jahren unter professioneller Anleitung wieder einzusteigen. Ähnliches bestätigt Cyrus Rahman, der Betreiber des Internetportals für Personal-Fitnesstrainer: „Muskeln wie Arnold wollen die wenigsten aufbauen. Über die Hälfte kommt nach längerer Sportabstinenz mit Rückenschmerzen und will nur sicher trainieren.“

Einen anderen Grund nennt Michael Kutzner, Personal Trainer in Sinsheim bei Baden-Baden. Er beschäftigt sich vor allem mit der Wirkung des Sports auf die geistige Fitness im Arbeitsalltag und die Psyche. Er hat mehrere Bücher zum Thema geschrieben und behauptet, durch ein wohldosiertes Trainingsprogramm könne man psychische Belastungen abfedern und einem Burn-out entgegenwirken. „Vor allem der Ausdauersport ist ein Mittel zur Entspannung. Der Stress wird durch die Bewegung kompensiert und somit die Konzentrationsfähigkeit gesteigert“, nennt Kutzner ein Beispiel.

Obwohl Personal Training inzwischen in einer breiteren Schicht Interesse findet, gibt es ein typisches Kundenprofil: Männer wie Frauen, zwischen 30 und 60 Jahre alt, hohes Einkommen, hohes Arbeitspensum, und viele merken, „dass sie auf eine Klippe zusteuern und besser umdrehen sollten“, wie es Georg Pressner ausdrückt. Hansens ältester Kunde indes ist 92 Jahre alt. Er zählt vor allem auf die Motivation des Personal Trainers. Und nutzt das Training als Ausgleich für den Arbeitsalltag.

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