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Pharmazie : In der Wissenschaftsbehörde

  • -Aktualisiert am

Abwägen zwischen Nutzen und Risiken von Impfstoffen Bild: Helmut Fricke

Das Paul-Ehrlich-Institut ist die älteste Zulassungsbehörde für Arzneimittel auf der Welt. Das klingt vielleicht verstaubt. Doch die Wissenschaftler forschen dort auf höchstem europäischen Niveau.

          Wenn Klaus Cichutek, Vizepräsident des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen bei Frankfurt, von der Arbeit seiner Wissenschaftler berichtet, dann glänzen seine Augen vor Begeisterung. "Wir machen hier einen extrem spannenden Job", sagt er. Doch genau das würde auf den ersten Blick nicht jeder vermuten, der sich über die Aufgaben des Bundesamtes für Sera und Impfstoffe informiert: Als obere Bundesbehörde, angesiedelt beim Bundesgesundheitsministerium, entscheidet das Paul-Ehrlich-Institut über die Zulassung biomedizinischer Arzneimittel für Mensch und Tier. Die 720 Mitarbeiter sollen für einen hohen Standard bei der Qualität, der Wirksamkeit und der Sicherheit der Arzneimittel sorgen. Dafür beschäftigt das Institut vor allem Mediziner, Biologen, Tiermediziner, Biochemiker und Pharmazeuten.

          Geprüft und zugelassen werden am Institut neben Impfstoffen auch Arzneimittel, die Antikörper enthalten, Allergene und Produkte zur Gen- und Zelltherapie. Mit dem Blut-Aids-Skandal und der Auflösung des Bundesgesundheitsamts übernahm das Paul-Ehrlich-Institut 1994 auch die Zuständigkeit für Blut und Blutprodukte.

          Ärzten fehlen experimentelle Kenntnisse

          "Wir brauchen gute Leute", sagt Cichutek, "doch die Arbeit im regulatorischen Bereich einer Behörde klingt für viele eher langweilig." Das begründet der Vizepräsident und Leiter der Abteilung Medizinische Biotechnologie unter anderem auch damit, dass Ärzte, Tierärzte und Naturwissenschaftler in ihrer Ausbildung kaum etwas über die Arbeit seines Hauses erfahren. Einzig Pharmazeuten kämen über die Arzneimittelregularien in Kontakt mit dem Paul-Ehrlich-Institut. Doch denen fehle meist die für die Arbeit am Institut nötigen experimentellen Kenntnisse in der Molekularbiologie, sagt Cichutek.

          Namensgeber Paul Ehrlich war mit Leib und Seele Forscher

          Solche Kenntnisse sind nötig, weil die Begleitung der Entwicklung von Arzneimitteln weit mehr beinhaltet als die Prüfung von Zulassungsanträgen, die auch schon mal 100 Aktenordner umfassen können: "Wir prüfen nicht nur das Papier, sondern auch den Impfstoff selbst. Wer dabei gleichzeitig den Schutz der Patienten gewährleisten und trotzdem sicherstellen will, dass ein neuer Stoff möglichst schnell zu den Patienten kommt, muss mindestens ebenso viel wissen wie die Forscher, die diese Arzneimittel entwickeln", sagt Cichutek. Daher sei die experimentelle Forschung wie auch die Grundlagenforschung Teil des Auftrags des Paul-Ehrlich-Instituts. Bei der prüfungsbegleitenden Forschung habe vor allem die Entwicklung von Alternativmethoden zum Tierversuch einen hohen Stellenwert.

          Bezahlung wie an der Uniklinik

          "Mediziner tauschen bei uns die Arbeit am Menschen gegen die Arbeit für den Menschen", sagt Susanne Stöcker, Pressesprecherin des Instituts. Die Bezahlung entspreche der an Unikliniken, nur Nachtdienste, aber auch deren Vergütung würden entfallen. Zudem sei die Arbeit im Institut deutlich familienfreundlicher. Teamarbeit sei wichtig, aber auch vor Entscheidungen sollten Mitarbeiter nicht zurückschrecken. Denn die Wissenschaftler müssen auch Anträge zur klinischen Prüfung beurteilen, also die Frage, ob Arzneimittel am Menschen angewendet werden dürfen, um deren Wirkung zu erforschen.

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