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Personalmangel in Kitas : Familienministerin will kostenlose Erzieher-Ausbildung

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Keine Vergütung in der Ausbildung: Arbeit als Erzieherin Bild: dpa

Mehr Bedarf und wachsende Ansprüche der Eltern: Es gibt viel zu wenige Kita-Erzieher. Die Familienministerin will nun das Schulgeld für die Erzieher-Ausbildung abschaffen. Aber ist die Ausbildung eigentlich wirklich so teuer?

          Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) fordert nach der Abschaffung des Schulgelds für Pflegeberufe nun auch eine kostenlose Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher. „Wir müssen soziale Berufe aufwerten“, sagte Giffey. „Ein wichtiger Schritt dazu ist: Schulgeld abschaffen und eine Ausbildungsvergütung einführen.“

          Das Familienministerium werde deshalb im nächsten Jahr eine Fachkräfteoffensive für Erzieher starten. Giffey sprach vor rund 160 Absolventen der Fachschule SPI Berlin, die ihre Zeugnisse als staatlich geprüfte Erzieher und Altenpfleger erhielten.

          Die Forderung der Familienministerin ist nicht ganz neu. Weil die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für unter drei Jahre alte Kinder immer weiter nach oben geht, hatten Ende Juli schon die Städte Abhilfe verlangt. Städtetagspräsident Markus Lewe hatte schon damals eine flächendeckend schulgeldfreie Ausbildung für Erzieher gefordert.

          Der Hintergrund: Nach Hochrechnungen von Forschern könnten bis zum Jahr 2025 bis zu 270.000 neue Erzieher in deutschen Kitas gebraucht werden - aufgrund des wachsenden Bedarfs, der höheren Qualitätsansprüche der Eltern und aufgrund natürlicher Fluktuation. Wie stark der Bedarf insbesondere für die Kleinkindbetreuung nach oben geht, zeigen diese Zahlen: Während im Jahr 2007 noch insgesamt 321.000 Kinder im Alter bis drei Jahre tagsüber außer Haus betreut wurden, waren es zehn Jahre später 762.000 Kinder. Das ist ein Anstieg um 137 Prozent.

          Umstritten ist, ob das Schulgeld tatsächlich die größte Hürde ist, die junge Menschen davon abhält, eine Erzieher-Laufbahn einzuschlagen. Nicht alle Fachschulen nehmen Gebühren, oftmals wird auch nur ein Büchergeld und Gelder für Materialien und Klassenfahrten verlangt. Allerdings: Anders als in den allermeisten anderen Ausbildungsberufen gibt es für angehende Kindergärtner und Kindergärtnerinnen während der Zeit der schulischen Ausbildung keine Ausbildungsvergütung - was im Vergleich zu Alternativkarrieren einen echten finanziellen Nachteil bedeutet. Der zweite Teil von Giffeys Forderung, eine Ausbildungsvergütung einzuführen, wäre daher für alle Interessenten an diesem Beruf relevant.

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