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Ökonomen-Schätzung : In Frankreich nimmt sich täglich ein Unternehmer das Leben

Selbstmord, sogar am Arbeitsplatz, ist in Frankreich keine Seltenheit, betont ein Ökonom aus Montpellier. Bild: dpa

Es sei das „Gefühl des Scheiterns“, das viele Selbständige in Frankreich in den Freitod treibe. Das jedenfalls glaubt Ökonom Oliver Torres. In einer Studie schätzt er, dass sich täglich ein bis zwei Menschen aus dieser Berufsgruppe das Leben nehmen.

          Nicht nur die Selbstmorde von Beschäftigten großer Konzerne sorgen in Frankreich immer wieder für Aufsehen. Jetzt hat ein Wirtschaftsprofessor der Universität von Montpellier darauf hingewiesen, dass sich auch zahlreiche Kleinunternehmer und Selbstständige das Leben nehmen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          „Man spricht kaum über das Leiden dieser Berufsgruppe. Als Führungspersönlichkeiten reden sie auch selbst selten darüber. Doch an dem Tag, an dem sie die Kontrolle über ihr Unternehmen verlieren, entwickeln viele das tiefe Gefühl des Scheiterns und der Scham“, sagte Oliver Torres von Universität Montpellier.

          Torres schätzt, dass sich in Frankreich täglich ein bis zwei Unternehmer das Leben nehmen, wie er in der Tageszeitung „Le Parisien“ berichtete. Dies ist eine grobe Schätzung, die von Vergleichszahlen für Japan hergeleitet ist. Offizielle Statistiken existieren nicht.

          Der 5. Februar ist in Frankreich zum Aktionstag zur „Prävention von Selbstmorden“ ausgerufen worden. In den vergangenen Jahren ist es immer wieder zu Selbstmorden von Mitarbeitern großer Konzerne gekommen, häufig am Arbeitsplatz.

          Die Gewerkschaften erklärten, dass Stress und schwierige Arbeitsbedingungen eine wichtige Rolle spielten. Psychologen warnen allerdings vor monokausalen Erklärungen. In Frankreich nehmen sich im Durchschnitt täglich 28 Menschen das Leben. Von 1990 bis 2010 ging die Zahl aber um 8 Prozent zurück.

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