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Neue Studie : Rente mit 63 erhöht Personalsorgen der Mittelständler

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Viele Mittelständler fürchten schon seit längerem Personalengpässe in der Zukunft. Eine neue Studie zeigt jetzt: Die Rente mit 63 könnte die Probleme dort noch schlimmer machen.

          Als „Sünde an den jungen Menschen in Deutschland“ hat jüngst der Fresenius-Chef Ulf M. Schneider die abschlagsfreie „Rente mit 63“ bezeichnet. Jetzt erhalten die Kritiker unter den Unternehmensmanagern Rückendeckung durch neue Studienergebnisse. Die befassen sich mit den Auswirkungen auf den Mittelstand und zeigen: Mittelständler in Deutschland werden stark von der neuen Regelung getroffen.

          In voraussichtlich 80 Prozent der mittelständischen Betriebe werde die “Rente mit 63“ in Anspruch genommen werden, prognostiziert die Umfrage der Baumann Unternehmensberatung. In rund jedem fünften Unternehmen könnten sogar mehr als zehn Prozent der Belegschaft früher als erwartet in den Ruhestand gehen, heißt es in der Studie, für die 201 mittelständische Betriebe aus fünf Branchen befragt wurden: IT-Industrie, Automobilindustrie, Banken und Versicherungen, Maschinen- und Anlagenbau, sowie Transport und Verkehr.

          Damit dürfte sich der Fachkräftemangel in den kommenden Jahren weiter zuspitzen, vermutet die Unternehmensberatung. Die hat allerdings auch ein Eigeninteresse an solcherlei Prognosen, ist sie doch auf die Suche nach Fach- und Führungskräften spezialisiert. Schon heute führten Engpässe auf dem Arbeitsmarkt zu Umsatzeinbußen, wird in der Studie behauptet: Jedes zehnte Unternehmen habe schon Aufträge ablehnen müssen, weil das Personal fehlt. Für die Zukunft erwartet jeder vierte Mittelständler, nicht mehr genügend qualifizierte Mitarbeiter zur Bearbeitung aller Kundenanfragen zu haben – im Maschinen- und Anlagenbau befürchtet dies der Befragung zufolge sogar jedes dritte Unternehmen.

          Dem Ende Januar vom Bundeskabinett verabschiedeten Gesetzentwurf zur „Rente mit 63“ zufolge sollen Versicherte, für die 45 Jahre lang Sozialbeiträge entrichtet wurden, künftig ohne Rentenabschläge schon mit 63 Jahren in den Ruhestand gehen können. Dabei werden nach bisherigem Stand auch Jahre mitgezählt, in denen Versicherte arbeitslos waren und Arbeitslosengeld I bezogen haben. Schon in der vergangenen Woche hatten mittelständische Unternehmen den Weg an die Öffentlichkeit gesucht, um auf negative Folgen der Rente mit 63 für ihre Personalplanung aufmerksam zu machen: Jenseits der Mehrkosten durch höhere Sozialabgaben haben sie das Problem, dass längst verabredete Nachfolgeregelungen, mit denen ältere Fachkräfte in zwei bis drei Jahren ersetzt werden sollten, nun plötzlich mit der vorgezogenen Rente hinfällig werden.

          Die Hälfte hat Probleme bei der Stellenbesetzung

          Gegenwärtig berichten der Baumann-Studie zufolge gut 50 Prozent der befragten mittelständischen Betriebe über Schwierigkeiten bei der Besetzung freier Stellen, mittelfristig rechnen mehr als 70 Prozent mit Problemen. Sorgen bereitet den Mittelständlern demnach vor allem der Mangel an Spezialisten, beispielsweise Ingenieuren und Technikern, es fehlten aber auch Facharbeiter in Metall- und Elektroberufen. Von den Unternehmen, die heute schon Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung haben, finden 90 Prozent nur schwer Fachkräfte, während gut jedes zweite Unternehmen Probleme bei der Besetzung vakanter Führungspositionen hat. In der Vorausschau gehen von den Mittelständlern mit Personalproblemen sogar 96 Prozent von Engpässen im Fachkräftebereich aus. Vergleichsweise entspannt bleibt die Situation auf Ebene der angelernten Kräfte. Künftig rechnen nur acht Prozent der Betriebe mit einem Mangel an Hilfsarbeitern.

          Während gegenwärtig die meisten Mittelständler mit Personalengpässen in der Automobilbranche (68 Prozent) tätig sind, zeichnet sich eine Schwerpunktverlagerung ab: Für die kommenden Jahren fürchten vor allem Unternehmen aus der IT- und Telekommunikationsbranche einen Mangel. Auch im Finanzsektor werden die Besetzungsprobleme voraussichtlich zunehmen.

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