https://www.faz.net/-gyl-7m3gd

Nervige Telefonkonferenzen : Sorry – aus der Leitung geflogen

Technische Probleme können den Teilnehmern schon mal die Telefonkonferenz vermiesen. Bild: picture alliance / dpa Themendie

Telefonkonferenzen kosten Zeit und Nerven. Einer fliegt ständig aus der Leitung, eine Frau spielt Solitär, ein Hund bellt. Kein Wunder, dass Arbeitnehmer dieses Video lieben, das in diesen Wochen durchs Netz geistert.

          Eine Telefonkonferenz, wie sie in der Unternehmenswelt gang und gäbe ist. Fünf Beteiligte, ein Moderator, die Geschäftsstrategie ist das Thema. Dann geht alles schief. Die Konferenzteilnehmer reden durcheinander, schneiden sich das Wort ab. Einer fliegt ständig aus der Leitung, eine Frau spielt nebenher Solitär, im Hintergrund bellt ein Hund, der bei einem der Gäste unter dem Schreibtisch sitzt. Das Chaos wächst, als ein Echo die Leitung stört, und bald verlässt der erste Teilnehmer die Gruppenschalte, um die Happy Hour in einer Bar nicht zu verpassen. Ein Fazit der Konferenz gibt es nicht; am Ende einigt man sich darauf, eine Teilnehmerin ein Papier verfassen zu lassen, das die Inhalte liefert, über die man eigentlich hatte sprechen wollen.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Die Szene stammt aus einem Internetvideo. Auf der ganzen Welt sehen derzeit Geschäftsleute dem Comedy-Duo Tripp und Tyler aus Atlanta dabei zu, wie sie mit dem geschilderten Sketch die Ineffizienz von Telefonkonferenzen auf die Schippe nehmen. „Es ist einfach so viel Wahres dran“, befindet der Arbeitspsychologie-Professor Cornelius König. In der Tat würden viele Geschäftsleute verkennen, dass eine Telefonkonferenz anspruchsvoller sei als ein persönliches Treffen. Weil sich die Teilnehmer nicht sehen können, sind alle Möglichkeiten der nichtverbalen Kommunikation ausgeschaltet. „Man kann kein Handzeichen geben, nicht nicken oder den Kopf schütteln. Nicht mal die Augen verdrehen kann man, oder wenn, dann sieht es keiner.“

          Deshalb sei für diese Form der geschäftlichen Besprechung eine besonders sorgfältige Vorbereitung nötig, sagt auch der Führungskräftetrainer Ingo Krawiec, der Manager dabei unterstützt, mehr Ordnung in ihre Besprechungen zu bringen. „Der Moderator muss das Gespräch stärker steuern als in einer Face-to-face-Konferenz. Er muss den Leuten namentlich das Wort erteilen, die Agenda klar definieren, Redezeiten begrenzen.“ Zudem erfordere ein Gruppentelefonat viel Disziplin. „Dass jemand nebenher Computer spielt – das kann auch in normalen Konferenzen passieren“, sagt Krawiec. „Dass aber jemand seinen Hund mit in den Besprechungsraum bringen würde, bezweifle ich.“

          Der Psychologe Cornelius König glaubt, dass in deutschen Büroetagen generell zu viele unnötige Gruppentelefonate stattfinden. „Dass die Technik da ist, verleitet dazu, sie zu stark zu nutzen. Man ist auch versucht, zu viele Teilnehmer hinzuzubitten.“ Dosiert genutzt, sei die Telefonkonferenztechnik zuweilen aber auch ein Segen, „weil sie uns komplizierte Umwege erspart, wenn mehrere Menschen über größere Distanzen miteinander reden müssen“, sagt König. „Es gilt eben: weniger ist mehr.“

          Den ironischen Online-Sketch der Comedians Tripp und Tyler hat übrigens ein amerikanischer Organisator eines großen Führungskräfte-Events in Auftrag gegeben und bezahlt. Wenn es nach den Klickzahlen geht, stößt dessen Videoaufklärung in Sachen effiziente Telefonkonferenz auf großen Anklang: Fast fünf Millionen Menschen haben sich den Clip schon angesehen.

          Weitere Themen

          Deutschlands Schüler schlafen zu wenig

          Studie : Deutschlands Schüler schlafen zu wenig

          Junge Menschen bleiben abends gerne lange wach. Eine Studie verrät, zu welch später Uhrzeit Schüler meist einschlafen. Und auch, was der Grund für diesen ungesunden Trend ist.

          Topmeldungen

          Brexit-Votum in London : Die Niederlage von Westminster

          So hat eine britische Regierung in der Moderne noch nicht verloren. Schon gar nicht in einer Sache, die von solch existentieller Bedeutung ist, wie der Brexit-Deal. Man kann gespannt sein, wie es weitergeht. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.