https://www.faz.net/-gyl-8nhmk

Nachwuchssuche : Begehrte Fracht im IT-Shuttle

Findet flache Hierarchien gut: Johannes Schweer Bild: Jan Roeder

Messen waren gestern: Gesuchte Programmierer werden per Bus von einem Arbeitgeber zum andern kutschiert. Um den Nachwuchs buhlen Start-ups wie Konzerne. Wir sind mit durch München gefahren.

          Novembernebelgrau verhangen erheben sich weit in der Ferne die Münchner Hausberge. Die Alpen-Aussicht hoch über den Dächern der Stadt könnte an diesem verregneten Tag erfreulicher ausfallen. Umso prachtvoller sind dafür die beruflichen Perspektiven, die sich den 26 Informationstechnologie-Studenten im 19. Stockwerk des Software-Entwicklers Netcentric bieten. Die Gruppe ist am Hauptbahnhof zu einer Job-Tour für Informatiker gestartet und schaut hinter die Kulissen der Digitalwirtschaft. „Hack & Jump“ nennt sich die Veranstaltung windschnittig. Die 100 Teilnehmer werden, verteilt auf vier Busse, von zehn bis 18 Uhr zu vier imposanten Bürogebäuden chauffiert.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Dort stellen sich dann jeweils vier Unternehmen bei ihnen vor, warten mit geballten Informationen, Latte macchiato und Gelegenheit zu informellen Kennenlerngesprächen auf. Angereichert mit derlei Wissen, geht es weiter zum nächsten Standort. Komfortabler lassen sich potentielle Arbeitgeber wohl kaum kontaktieren. Die Bewerbung für die IT-Tour sei ein Kinderspiel gewesen, sagt ein Student. „Mit zwei Klicks war das erledigt!“ Die Kosten übernehmen die 15 Unternehmen.

          Vorfahrt für den Nachwuchs: Julia aus Wien moderiert.

          Organisiert wird die Veranstaltung zum dritten Mal in München von der Agentur „young targets“. Die reagiert mit diesem schrillen, in sieben Städten angebotenen Recruiting-Event auf einen leergefegten Markt. Zurzeit gibt es in Deutschland rund 51.000 offene Stellen für IT-Spezialisten, das entspricht einem Anstieg um fast 20 Prozent, verglichen mit dem Vorjahr, meldet der Digitalverband Bitkom. Für die repräsentative Umfrage wurden mehr als 1500 Geschäftsführer und Personalverantwortliche von Unternehmen aller Branchen befragt. Mitarbeiter würden händeringend gesucht, betont Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder: „Wir brauchen Digitalexperten, vom Software-Entwickler über den IT-Sicherheitsspezialisten bis zum IT-Berater, um die digitale Transformation in Deutschland erfolgreich gestalten zu können.“

          Die Situation für die heiß umworbenen Bewerber komfortabel zu nennen ist also noch untertrieben. Entsprechend entspannt finden sich die jungen Leute bei der Abfahrt am Nordausgang des Münchner Hauptbahnhofs ein. Es schüttet zwar wie aus Eimern, aber die Stimmung ist hervorragend. Alexander Weiß ist im Masterstudium BWL an der TU München, das heißt, er studiert eine Mischung aus Betriebswirtschaft und Elektrotechnik und findet es „interessant, mal zu Bewerbern gefahren zu werden“.

          „Ich kann mich in jede erdenkliche Richtung entwickeln“

          Der 26-Jährige kann sich gut vorstellen, später einmal im Vertrieb zu arbeiten: „Wir entwickeln nichts, aber verstehen, wie ein Produkt funktioniert, verstehen, was Ingenieure tun, und haben das Hintergrundwissen für deren Technik-Sprech.“ Nüchtern und selbstbewusst merkt der zukünftige Wirtschaftsingenieur an: „Damit sind wir eher auf Augenhöhe als ein Feld-Wald-und-Wiesen-BWLer. Jedenfalls bietet das Studium, noch dazu auf Englisch, eine gute Ausgangsbasis.“

          Weitere Themen

          Statistik ohne Qual

          „Professorin des Jahres“ : Statistik ohne Qual

          Das Fach, das Corinna Baum unterrichtet, erfreut sich unter Studenten keiner großen Beliebtheit. Umso erstaunlicher, dass es der Dozentin gelungen ist, zur „Professorin des Jahres“ gewählt worden zu sein.

          Topmeldungen

          Donald Trump : Ein heraufziehender Sturm

          Donald Trump gerät erstmals ins Visier einer amerikanischen Bundesanwaltschaft. Der Präsident bereitet sich auf den Wahlkampf 2020 vor und entlässt auch deshalb wieder einen sogenannten Erwachsenen in der Regierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.