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Nachhaltige Banken : Banker mal anders

Jahresversammlung der GLS Bank im Grünen Bild: Frank Rogner

Nachhaltigkeitsbanken wollen keine Gewinne maximinieren, sondern Gutes tun und Geld damit verdienen. Die Mitarbeiter bringen viel Idealismus mit - der im üblichen Bankgeschäft oft zu kurz kommt.

          Volker Burger sieht so aus, wie man sich einen Banker vorstellt. Nicht den im Nadelstreifenanzug, aber vielleicht den, der in einer Sparkassenfiliale arbeitet: dunkler Anzug, lila Hemd, raspelkurze Haare. Wenn er von seiner Zeit bei einer großen deutschen Bank erzählt, für die er früher im Kreditgeschäft tätig war, dann will er seinen wahren Namen nicht in der Zeitung lesen. „Da wird Freitagabend einer alten Frau ein Bausparvertrag angedreht, weil die wöchentlichen Zielvorgaben der Filiale noch nicht erfüllt wurden. Das waren Exzesse.“ Cross selling nennt er das. Querverkäufe. Bankkunden werde eine Versicherung verkauft, ein Bausparvertrag oder ein Fonds. Völlig egal, ob der Kunde das brauche. Hauptsache, die Vorgaben der Filiale würden erfüllt.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Das frustriert auf Dauer nicht nur die Kunden, sondern auch die Mitarbeiter. Vor einigen Jahren wechselte Volker Burger zu einer nachhaltigen Bank. Die wollen alles anders machen: Sie wollen ökologisch sein, sozial und menschlich. Daher verleihen sie das Geld ihrer Kunden als Kredite nur an solche Unternehmen oder Initiativen, die diesen Prinzipien entsprechen. Das klingt oft idealistisch und manchmal ein wenig postmateriell. Burger verdient nun 10 Prozent weniger, bekommt keine Boni und keinen Dienstwagen. Dafür, meint er, habe seine Arbeit nun einen gesellschaftlichen Mehrwert.

          Die Suche nach dem Sinn

          Mehr Wert für die Gesellschaft wollen in Deutschland mittlerweile vier nachhaltige Banken bilden: die Triodos Bank mit Sitz in Frankfurt, die genossenschaftliche GLS Bank aus Bochum, die Ethikbank aus Eisenach und die Umweltbank aus Nürnberg. Wer sich bei diesen alternativen Banken umhört, trifft frühere Mitarbeiter konventioneller Banken und lernt viel über das dortige Bankwesen. Und er erfährt von der Suche nach dem Sinn im Geldgeschäft - und über den Unsinn, der dort angeblich betrieben wird.

          “Bei meinem früheren Arbeitsplatz ging es nicht so sehr um das genossenschaftliche Prinzip, sondern viel, viel mehr ums Geld“, erzählt Mirko Schulte, der früher, bevor er zur GLS Bank kam, bei einer Volksbank gearbeitet hat. Jetzt sitzt er an einem Holztisch im Hauptsitz der Bank in Bochum, trägt einen Pullover und wirkt entspannt. Schulte ist 30 Jahre alt und in der Kreditabteilung für die Baufinanzierung tätig. Dort, sagt er, stünde der Kreditnehmer im Fokus - und nicht nur das Geld. Neben ihm sitzt Uwe Knauer, 46 Jahre alt und Branchenkoordinator im Bereich Gesundheit. Knauer vergibt Kredite etwa für Pflegeheime. Er hat zwölf Jahre bei einem anderen Institut gearbeitet und sah sich als „klassischen Banker“. Doch bei seinem früheren Arbeitgeber sei immer nur der Kredit im Vordergrund gestanden. Hier wird der sonst so ruhige Mann laut. Selbst bei den Sparkassen gebe es den Druck, bestimmte Zielvorgaben bis hin zu Tageszielen zu erfüllen. Bei der GLS Bank dagegen würden Ziele als Team formuliert. Und: „Wenn ein Ziel nicht erreicht wird, dann wird keinem der Kopf abgerissen.“

          Mitglieder bei der GSL-Jahresversammlung

          Dafür gibt es auch keinen Grund, denn die Geschäfte laufen blendend. Nachhaltige Banken sind in Deutschland zwar immer noch Nischenanbieter, doch seit einigen Jahren wachsen sie kräftig. Die GLS Bank, die den deutschen Markt dominiert, hat mittlerweile 128 000 Kunden, das sind rund 27 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Bilanzsumme wuchs um über 20 Prozent auf heute 2,4 Milliarden Euro. Marktführerin in nachhaltigem Banking in Europa ist die niederländische Triodos Bank. Sie hat rund 363 000 Kunden und ein Bilanzvolumen von 4,2 Milliarden Euro. Im Jahr 2009 wurde eine gleichnamige Tochterbank auf dem deutschen Markt gegründet. Bisher bietet sie kein Girokonto an und konnte erst knapp 3000 Kunden gewinnen. So viele Kunden kommen zurzeit monatlich zur GLS Bank. „Ich muss bei den Kunden nicht um ihr Geld anfragen, sondern die interessieren sich für unsere Angebote“, sagt Michael Orth. Er ist 24 Jahre alt und Teamleiter von zwölf Mitarbeitern in der telefonischen Kundenberatung.

          Kein verlockendes Angebot

          Die Kunden kommen gerne, dabei ist das Angebot der GLS Bank auf den ersten Blick nicht unbedingt verlockend: Die Zinsen für das Girokonto bewegen sich im Marktmittel und sind damit deutlich niedriger, als bei manch anderen Banken. Das Girokonto kostet zwei Euro monatlich. Doch was die Kunden anzieht, ist die Verwendung: Das Geld der Anleger geht zu einem großen Teil als Kredite an Projekte etwa im Pflege- und Gesundheitsbereich, in der Bildung, der ökologischen Landwirtschaft und in den regenerativen Energien. Im Internet können sich die Kunden die einzelnen Kreditbereiche anschauen und überlegen, wohin ihr Geld investiert werden soll.

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