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Geschmackssache : Wenn Arbeitgeber die Mittagspause verplanen

  • -Aktualisiert am

Mit einem Unbekannten Kaffee trinken

Das Trio entwickelte ein mit Lunch Roulette vergleichbares Programm. Daraus reifte eine Geschäftsidee, die zunächst nur bei Telefónica zum Einsatz kam, inzwischen aber auch von anderen großen Unternehmen angewendet wird. Die „Mystery Lunches“, bei denen die Lunchpartner nach dem Zufallsprinzip kombiniert werden, scheinen zumindest in der Belegschaft von Telefonica großen Anklang zu finden: Knapp 9000 Mittagessen sind seit der Gründung vor gut einem Jahr hausintern vermittelt worden. Damit es auch bei regelmäßiger Teilnahme nicht langweilig wird, stellt der Algorithmus im Hintergrund sicher, dass man immer neue Abteilungen und immer neue Kollegen kennenlernt.

„Wir können den Algorithmus natürlich auch auf die besonderen Ansprüche der Kunden anpassen“, erklärt Melbinger. „Wir experimentieren mit neuen Anwendungsmöglichkeiten.“ Wenn etwa neue Projekte anstehen, könne die Software gute Unterstützung leisten, indem sie die beteiligten Mitarbeiter über einen organisierten Kantinenbesuch frühzeitig miteinander ins Gespräch bringt. Ähnliches gilt, wenn etwa zwei Geschäftseinheiten zusammengelegt werden sollen. „Innerhalb kürzester Zeit und unter hohem Druck mussten die Kollegen lernen zusammenzuarbeiten“, erinnert sich der Österreicher.

Um den Prozess der Integration zu unterstützen, hätten sich die betroffenen Mitarbeiter für einen „Mystery Coffee“ anmelden können, bei dem sie sich mit Kollegen aus der anderen Einheit auf einen Kaffee trafen. So lernten sich die zukünftigen Kollegen deutlich schneller kennen und schätzen. „Auch im Rahmen von standortübergreifenden Projekten kommen wir zum Einsatz“, sagt Melbinger. Da die Standorte über ganz Deutschland verteilt sind, seien hier keine Mittagessen, sondern „Mystery Skype Dates“ im Gespräch - um schon einmal eine Vorstellung zu bekommen, mit wem man es künftig häufiger zu tun haben wird.

Nicht jedem schmeckt es

Melbinger kann sich weitere Anwendungsmöglichkeiten vorstellen. „Es ist auch ein spannendes Konzept für Nichtregierungsorganisationen oder Universitäten.“ Zum Beispiel könnten sich so auch verschiedene Institutionen in einer Stadt bei einer Mahlzeit oder einem Treffen im Café austauschen. Studenten unterschiedlicher Fachbereiche mit den jeweiligen Professoren zusammenzubringen hätte aus ihrer Sicht ebenfalls Potential.

Ob Initiativen wie Lunch Roulette und „Mystery Lunch“ brisante Themen im Unternehmen entschärfen oder Ängste vor komplexen Vorhaben ausräumen können, ist indessen fraglich. Zumal es vielleicht auch nicht jedem Mitarbeiter schmeckt, wenn sich der Arbeitgeber auch noch mehr oder weniger aktiv in die Planung der eigenen Mittagspause einmischt. In den beschriebenen Fällen halten sich mögliche Kritiker zumindest in der Öffentlichkeit zurück.

Kommunikationsfachmann Hamm ist jedenfalls von den Vorteilen des Lunch-Ansatzes überzeugt. Dabei reicht eine kleine Starthilfe aus der Personalabteilung, um Mitarbeiter dazu zu bringen, sich zu öffnen und mit unbekannten Kollegen aus dem Hause zu speisen. Denn um das auf eigene Faust zu organisieren, fehlt vielen Mitarbeitern häufig schlicht der Mut.

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