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Geschmackssache : Wenn Arbeitgeber die Mittagspause verplanen

  • -Aktualisiert am

Ausbrechen aus dem Arbeitsalltag

Der Hamburger Versandhändler Otto geht noch einen Schritt weiter. Seit vergangenem Jahr wird die Kantine zur großen Bühne umfunktioniert. „Wir wollen den Mitarbeitern die Möglichkeit geben, in der Mittagspause aus dem Arbeitsalltag auszubrechen“, sagt Sprecherin Isabella Grindel. Ein bunt zusammengewürfeltes Programm solle dabei die nötige Inspiration vermitteln und eine Umgebung schaffen, um Mitarbeiter aus anderen Bereichen kennenzulernen. Das aktuelle Angebot von Otto umfasst Filmvorführungen ebenso wie Konzerte.

An einem Tag werden Poetry Slammer eingeladen, am nächsten legt ein DJ Musik auf und die Mitarbeiter können tanzen. Geplant ist zudem ein sogenannter Lab Day, an dem während der Mittagspause die neuesten technischen Innovationen gezeigt, getestet und diskutiert werden können. „Das neue Pausenkonzept wird sehr gut angenommen“, berichtet Grindel. An jeder Veranstaltung nehmen im Schnitt etwa 200 Mitarbeiter teil. „Wir werden die Unterhaltungsangebote daher auch weiterhin anbieten“, heißt es in Hamburg.

Kantinenkonzepte wie bei Otto stellen aber noch die Ausnahme in deutschen Unternehmen dar. Oft macht sich daher die Belegschaft selbst für eine kreative Nutzung von Mittagspausen stark. Als vor Jahren ein Mitarbeiter des Pharmaherstellers Boehringer Ingelheim bei einem Wechsel auf einen Auslandsposten Kontakte zu neuen Kollegen knüpfen musste, machte ihn diese Not erfinderisch. Um ohne großen Aufwand mit den Personen in diversen Abteilungen in Kontakt zu kommen, hatte er eine digitale Plattform programmiert, die später hausintern unter dem Namen „Lunch Roulette“ Karriere machen sollte.

Wenn Hierarchie keine Rolle mehr spielt

Auf dieser Terminbörse im Intranet kann man sich anmelden und ein gewünschtes Datum eintragen. Die Software würfelt den Nutzer daraufhin zufällig mit einem anderen Teilnehmer zusammen. Und schon hat man für den besagten Tag ein Mittagessen-Date. Nachdem das Projekt in der amerikanischen Tochtergesellschaft vom Start weg gut anlief, wurde es 2013 auch an den deutschen Standorten eingeführt. „Lunch Roulette ist die ideale Plattform, die Mitarbeiter aus verschiedenen Unternehmensbereichen zusammenbringt“, sagt Julia Löffelsend von Boehringer.

Über das Lunch Roulette seien bislang insgesamt 1000 Mittagessen organisiert worden. Wer über diese Plattform vermittelt wird, stellt zudem fest, dass Hierarchien in der Kantine keine Rolle mehr spielen. Da speist der Marketing-Manager mit dem Informatiker, der Pressesprecher mit dem Leiter des Rechnungswesens oder manchmal sogar der Vorstandsvorsitzende mit dem Trainee.

Ein ähnliches Erlebnis wie die Belegschaft von Boehringer hatten auch die drei Freunde Stefan Melbinger, Christoph Drebes und Mathew Murray. Sie wurden in drei verschiedenen Abteilungen von einer Tochtergesellschaft des spanischen Telefónica-Konzerns in München angestellt. Schnell fiel ihnen auf, wie spärlich das Unternehmen intern vernetzt war. Kaum Austausch zwischen den Abteilungen, dafür teilweise starke Vorurteile gegenüber anderen Firmeneinheiten. „Viele denken etwa, in der IT-Abteilung sitzen nur Nerds“, ärgert sich Melbinger, der selbst Informatiker ist.

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