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Ausgeruht am Arbeitsplatz : Schlaf, Kollege, schlaf!

Ein guter Nachtschlaf ist auch gut für die Arbeitsleistung. In Amerika setzt sich diese Erkenntnis offenbar immer mehr durch. Bild: dpa

Geld verdienen im Schlaf? Das geht wirklich! Ein amerikanischer Krankenversicherer macht’s jetzt vor und zahlt den Mitarbeitern Prämien dafür, dass sie nachts genug schlafen.

          Weil der Chef den Mitarbeitern Boni dafür zahlt, dass sie nachts ausreichend schlafen, macht ein amerikanischer Krankenversicherer gerade Schlagzeilen. Das Unternehmen heißt Aetna und der Vorstandschef Mark Bertolini. 25 Dollar zahlt er denjenigen Kollegen, die nachweisen können, dass sie 20 Nächte in Folge sieben Stunden oder länger geschlafen haben. Bis zu 500 Dollar im Jahr gebe es insgesamt an Schlaf-Boni, sagte Bertolini dem amerikanischen Fernsehsender CNBC. Nachweisen können die Mitarbeiter ihre Schlafstunden über Fitness-Tracker; die Daten, die sie etwa über elektronische Fitness-Armbänder sammeln, müssen sie dem Unternehmen zur Verfügung stellen, um den Bonus zu bekommen.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Schlaf sei „wirklich wichtig“, sagte Bertolini im Interview mit CNBC. „Am Arbeitsplatz präsent zu sein und bessere Entscheidungen zu treffen hat viel mit Grundlagen zu tun.“ Mitarbeiter könnten nicht gut vorbereitet sein, „wenn sie im Halbschlaf sind“, so lässt sich der Firmenchef zitieren. Ein besserer Nachtschlaf könne sogar zu höheren Unternehmensgewinnen führen.

          Zu wenig Schlaf führt auch unter deutschen Arbeitnehmern in der Tat immer wieder zu Problemen. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin klagen 37,6 Prozent der männlichen und sogar 41,8 Prozent der weiblichen Erwerbstätigen über Müdigkeit und allgemeine Erschöpfung am Arbeitsplatz. Etwas mehr als 6 Prozent der Männer und fast 13 Prozent der Frauen sind deshalb sogar in ärztlicher Behandlung. Schlafmediziner glauben, dass Übermüdung ein Problem ist, das in der heutigen Arbeitswelt immer relevanter wird. Schlafmediziner Dieter Kunz, Chefarzt der Klinik für Schlaf- und Chronomedizin am St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin, sagte er der F.A.Z. im vergangenen Herbst: „Die Anforderungen steigen und damit der Stress. Und die Arbeitswege werden immer länger, was oft zu früherem Aufstehen führt.“

          Schlechter Schlaf hat Folgen für Gesundheit und Arbeit

          Bis zu 15 Prozent der Deutschen schlafen chronisch unerholt, so steht es in mehreren Studien. Kurze Nächte oder viele Schlaf-Unterbrechungen führen dazu. Manche Menschen schlafen - oft wegen eines Jobs im Schichtdienst - auch zu einer falschen Zeit, die nicht ihrem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus entspricht. Das habe Folgen für die Gesundheit, glaubt Schlafmediziner Kunz. Einzelne schlechte Nächte könne das menschliche Gehirn durchaus gut verkraften. „Problematisch wird es, wenn man regelmäßig unerholt schläft.“ Das Immunsystem leide dann und auch die Wahrscheinlichkeit für Diabetes und Übergewicht steige. Wer zu wenig schläft, liefere auch bei der Arbeit schlechtere Leistungen ab sagte der Mediziner. Das Gehirn werde durch den Schlafmangel unflexibel und träge, Gedanken können sich nicht mehr so gut und so schnell wie üblich miteinander vernetzen. Die Kreativität und die Problemlösungskompetenz leiden.

          Gesundheitsförderungsmaßnahmen in deutschen Unternehmen setzen derzeit jedoch noch eher an anderen Punkten an - etwa bei der Förderung von guter Ernährung. Die Inititaive Neue Qualität der Arbeit (Inqa) berichtet zudem auch von „Fitness-Challenges“ in denen Mitarbeiter unter Einsatz von Fitness-Trackern gegeneinander angetreten seien und sich auch mit Mitarbeitern anderer Unternehmen gemessen hätten. Das Ganze bezieht sich aber eher auf sportliche Fitness, nicht so sehr auf das Schlafverhalten. Einige wenige Firmen gibt es zudem, die auf das Mittagsschläfchen im Büro schwören und es mit Ruheräumen gezielt fördern. Flächendeckend ist das aber längst nicht der Fall.

          Auch in Amerika nicht. Trotzdem erlebt das Thema Schlaf dort gerade einen regelrechten Hype. Der muffelige Chef, der mit Ringen unter den Augen morgens zur Arbeit erscheint und sich brüstet, die Nacht durchgearbeitet zu haben, ist neuerdings nicht mehr schick. Ausgeruht zu sein liegt mehr im Trend - nicht zuletzt dank des neuen Buches von Huffington-Post-Chefin Arianna Huffington namens „The Sleep Revolution“. Darin führt sie viele Beispiele prominenter Personen aus der Unternehmenswelt an, die sich rühmen, viel und ausgeruht zu schlafen: Darunter sind etwa der Microsoft-Chef Satya Nadella, der Amazon-CEO Jeff Bezos und Eric Schmidt, Chef des Google-Mutterkonzerns Alphabet.

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