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Manager und Gesundheit : Laufen am Limit

  • -Aktualisiert am

Wer geht jetzt schon Powerpoint-Charts durch? Bild: Brian Mcentire - Fotolia

Joggen bedeutet für Manager oft Leistungsdruck: Sie setzen sich zu schnell zu großen Belastungen aus. Muß es denn ein Marathon sein? Zu großer Ehrgeiz schadet. Das läßt sich vom Laufen für den Job lernen.

          „Es gibt nur noch wenige Manager, die nicht laufen“, sagt Thomas Wessinghage, Lauftrainer und Ärztlicher Direktor der Reha-Klinik Damp. Für die körperliche und mentale Fitneß ist Laufen ideal, zumal es für den Menschen eine der natürlichsten Bewegungsarten ist. Schon die tschechische Lauflegende Emil Zátopek erklärte: „Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft.“

          Laufen kann jeder und die Sportart bietet gerade den Vielbeschäftigten den Vorteil, überall und jederzeit trainieren zu können. „Manager reisen sehr viel und ich genieße es, zum Beispiel in New York oder London zu laufen, dann sehe ich auch was von der Stadt“, erläutert Hanns-Peter Cohn, Vorstandsvorsitzender des Schweizer Möbelherstellers Vitra. Cohn rät aber zur Vorsicht: „Wenn die Priorität beim Laufen Ausgleich und Entspannung ist, dann sollte man sich weder unter Leistungsdruck setzen noch an anderen messen“. Cohn weiß wovon er spricht, er hat bereits an zwölf Marathons teilgenommen und ist seit mehr als 40 Jahren begeisterter Läufer.

          Laufen ist Prävention

          „Laufen ist vermutlich die geeignetste Sportart für gestreßte Manager, da sie keine Infrastruktur verlangt, sich auf Laufschuhe und -kleidung beschränkt und man nicht auf Partner oder Mitspieler angewiesen ist“, erklärt Wessinghage. Zudem sei Laufen eine gute Prävention.

          So beuge das Training Herzinfarkt, Schlaganfall und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes vor. Auch werde die Gefahr gemindert, an Depression, Burn out, psychosomatischen Symptomen sowie Krebs und sogar Alzheimer zu erkranken. Aber auch die emotionale Stabilisierung und die Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit sowie der relevanten Risikofaktoren wie Blutfettwerte und Bluthochdruck würden durch das Laufen positiv beeinflußt.

          Inspiration und Erholung

          Für René Obermann, dem neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom, bedeutet Laufen Entspannung und Inspiration. „Ich kann dabei gut Dinge des Tages verarbeiten oder mich auf kommende Themen vorbereiten“, erklärt er. „Sicher nicht, indem man vor dem geistigen Auge Powerpoint-Charts durchgeht, aber indem man sich nochmal in die Situation versetzt und überlegt, was könnte ich beim nächsten Mal anders machen. Mir sind dabei schon eine Menge guter Ideen gekommen.“ Daß dies nicht automatisch so ist, hat „Tagesthemen“-Moderator Tom Buhrow erfahren. „Ich habe oft erlebt, daß ich gelaufen bin und danach noch verbissener war als vorher, weil ich nur an Probleme dachte und eigentlich nicht weiter gekommen bin.“ Um sich davon zu lösen, wendet er einen Trick an: „Ich denke mir dann eine Farbe aus und wenn die Gedanken wieder kommen, denke ich einfach nur an die Farbe.“

          Winfried Banzer, Professor am Sportwissenschaftlichen Institut der Universität Frankfurt, sieht allerdings auch Gefahren. Einerseits könne Laufen Streß abbauen und eine metal klärende und entspannende Wirkung haben. „Die andere Seite der Medaille ist aber, daß viele Manager dazu neigen, sich beim Laufen unter Leistungsdruck zu setzen, sie powern nach dem langen Arbeitstag auch noch beim Sport, alles läuft am Limit. Wenn ein Manager das Laufen genauso wie den Job betreibt, halte ich das für kontraproduktiv“, betont Banzer. Er rät außerdem dringend dazu, sich vorab sportmedizinisch untersuchen und beraten zu lassen. Ergibt dieser Test keine Risikofaktoren, dann könne Laufen, sinnvoll betrieben, durchaus geeignet sein.

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