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„Manager ohne Grenzen“ : Raus in die Welt

Tobias Nicke trifft bei seinem Einsatz für „Manager ohne Grenzen“ den Bürgermeister eines abgelegenen Dorfes in Nepal.

Ob sich ein Manager mal nicht wohlgefühlt hat bei seinem Einsatz? Stiftungschefin Prölß sagt: „Eine Frau kam mit dem Thema Korruption nicht zurecht. Wir können unsere Normen aber nicht eins zu eins auf andere Kulturen übertragen.“ Die Controllerin habe einen Pfarrer beraten, der eine Backpacker-Unterkunft führte. „Er hat Geld aus der Kasse genommen, um einem Kind zu helfen, das einen Unfall hatte. Bei uns wäre sowas unvorstellbar, aber dort ist das selbstverständlich. Der Pfarrer hat sich in die Ecke gedrängt gefühlt und wir haben unserer Managerin geraten, ihre Einsatzzeit zu reduzieren. Das hat sie gemacht.“ Prölß’ wichtigstes Projekt ist im Moment die Suche nach Unternehmen in Deutschland, die ihre Mitarbeiter regelmäßig für „Manager ohne Grenzen“ freistellen und die Kosten übernehmen. Finanziell geht es vor allem um das Vorbereitungsseminar und die Flüge. Für Verpflegung, Unterkunft und den Transport zum Arbeitsplatz müssen die Unternehmen vor Ort aufkommen. Einen Erfolg feierte Prölß im Dezember: Hugo Boss erklärte offiziell, Angestellte zu unterstützen, wenn sie bei „Manager ohne Grenzen“ mitmachen wollen. Prölß sagt: „Wir könnten unendlich viele Manager einsetzen.“ Das liegt auch daran, dass den Partnern zum Teil über viele Jahre immer wieder Manager geschickt werden, die bei gerade aktuellen Herausforderungen helfen sollen. Im Moment gründet „Manager ohne Grenzen“ Niederlassungen in den Einsatzländern; mit lokalen Mitarbeitern soll die längerfristige Begleitung der Unternehmen optimiert werden.

Tobias Nicke war dafür gerade drei Monate in Nepal. Er ist 31 Jahre alt, eigentlich Strategieberater bei dem Spezialchemiekonzern Lanxess in Köln; im Sommer legte er ein halbes Sabbatjahr ein. In Kathmandu beriet er eine kleine Firma. Er sollte aber auch prüfen, wie man eine Niederlassung der Stiftung in Nepal aufbauen könnte. „Jedes Land braucht eine individuelle Lösung“, sagt Nicke. Er reiste durch Nepal, besuchte abgelegene Dörfer und sprach mit Bürgermeistern. „Ein Problem ist, dass alle jungen Menschen nach Kathmandu wollen, weil es dort Bildung und Arbeit gibt“, sagt er. „Es wäre aber besser, in den Dörfern etwas aufzubauen und sei es nur einen kleinen Laden, in dem jemand Kiwis verkauft.“

Solche Vorhaben kämen auch besser an als die Mammutprojekte mächtiger NGOs, deren Budgets oft größer als die der lokalen Behörden seien. Unternehmensgründer könnten sich auch darum kümmern, die seit dem Erdbeben 2015 völlig zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen. „In vielen Dörfern leben die Menschen nach wie vor in Wellblechhütten mit schlechter Stromversorgung und ohne fließendes Wasser, höchstens aus ein paar selbstverlegten Rohren.“

Solche Bedürfnisse zu benennen und den Kontakt zu Unternehmen, Behörden und Menschen vor Ort zu halten – das sollen im Idealfall künftig lokale Mitarbeiter in den Niederlassungen der Stiftung machen. Auch die Effizienz der Managereinsätze soll durch die Vor- und Nachbereitung von Mitarbeitern vor Ort verbessert werden. Was Nicke sein Einsatz persönlich bedeutet hat, von dem er erst Mitte Dezember zurückkam? „Wenn man diese Armut gesehen hat, ist man sehr dankbar für das Leben, das man hier hat“, sagt er. Das sei aber nicht alles: „Ich bin oft mit dem schlechten Ruf konfrontiert, den man in Deutschland als BWL-Student oder Manager hat. Viele denken, wir sind Egoisten, denen es nur ums Geld geht. Man kann mit unserem Handwerkszeug aber auch ganz konkret Menschen helfen und etwas Sinnvolles voranbringen. Ich bin dankbarer dafür, was ich gelernt habe und in meinem Job bewirken kann.“ Genau wie Prange und Hiebaum will sich Nicke weiter bei „Manager ohne Grenzen“ engagieren. Er sagt: „Alle paar Jahre würde ich gerne auf einen Einsatz gehen.“

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