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Management : „Wer öfter fragt, hat motiviertere Mitarbeiter“

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Niels Van Quaquebeke lehrt Führung und Organizational Behavior an der Kühne Logistics University in Hamburg. Bild: Dennis Williamson

Ein Chef muss nicht mehr alle Antworten parat haben. Die richtigen Fragen zu stellen schafft mehr Loyalität. Einen Fehler sollte er dabei aber vermeiden, sagt der Managementprofessor Niels Van Quaquebeke im Interview.

          Herr Van Quaquebeke, Sie sagen, dass Chefs ihre Mitarbeiter motivieren, wenn Sie ihnen Fragen stellen. Wie kommen Sie darauf?

          Menschen haben drei psychologische Grundbedürfnisse: Zusammengehörigkeit, Kompetenz und Autonomie. Erst wenn diese befriedigt sind, kann so etwas wie intrinsische Motivation entstehen. Mein Ko-Autor Will Felps und ich haben uns daher angeschaut, wie die klassische Managementkommunikation auf diese Bedürfnisse eingeht. Wir haben festgestellt, dass sich die Fachliteratur zumeist mit besonderen Ansprachen und großen Gesten beschäftigt. Dabei sendet der Redner aber nur. Besonders verbunden, autonom oder kompetent fühlen sich Mitarbeiter dadurch selten. Chefs, die Fragen stellen, kommen dagegen den Grundbedürfnissen viel mehr entgegen. Eine ernstgemeinte Frage stelle ich ihnen zum Beispiel nur, wenn ich vermute, dass sie auch in der Lage sind, eine vernünftige Antwort darauf zu geben. Und ich gestehe ihnen damit auch automatisch das Recht zu, die Kommunikation zu gestalten.

          Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, sich mit der Bedeutung von Fragen für die Personalführung zu beschäftigen?

          Ich habe in meiner Forschung zu Respekt am Arbeitsplatz immer wieder festgestellt, dass Fragen von Mitarbeitern meist als eine sehr respektvolle Art der Kommunikation empfunden werden. Will Felps hat sich mit der Bedeutung von negativen Mitarbeitern, sogenannten Bad Apples, für Teams beschäftigt. Er kam bei Rollenspielen mit Studenten zum Ergebnis, dass solche Personen nur durch beharrliches Fragen in ihrem schlechten Einfluss auf ein Team zu knacken waren. Da lag es nahe, die Bedeutung von Fragen zu untersuchen.

          Wirken Fragen pauschal positiv?

          Nein. Um den gewünschten positiven Effekt zu erzielen, sollten möglichst offene Fragen gestellt werden. Also eher: „Wie sehen Sie das Projekt?“ statt „Sehen Sie das Projekt positiv oder negativ?“ Denn durch offene Fragen werden auch die angesprochenen psychologischen Bedürfnisse stärker erfüllt. Sie empfinden etwa mehr Autonomie, wenn sie sich bei der Antwort frei fühlen.

          Dann muss der Fragensteller aber in Kauf nehmen, dass die Antwort richtig Arbeit macht, wenn der Mitarbeiter sein Herz ausschüttet.

          Das stimmt. Aber es lohnt sich. Vor allem muss man zeigen, dass man zuhört. Denn das Zuhören ist das Zünglein an der Waage. Wenn der Chef eine Frage stellt und dann bei der Antwort auf dem Smartphone herumspielt oder aus dem Fenster schaut, dann geht der Schuss nach hinten los. Dann pervertiere ich den Zweck der Frage. Das ist so, als würde ich sie zu einer Party einladen, und wenn sie kommen, schlage ich ihnen die Tür vor der Nase zu. Erst erweckt man Erwartungen, und dann werden diese brutal enttäuscht.

          Welche Rolle spielen die Inhalte? Lieber nach Privatem erkundigen oder die Meinung zu dienstlichen Themen einholen?

          Eigentlich ist der Inhalt zweitrangig. Eine offene Frage gibt ja eben nicht die Antwort vor. Auf die Frage, wie es ihnen geht, können sie entweder erzählen, was in ihrer Familie gerade passiert ist oder dass es in ihrem Projektteam nicht gut läuft. Darüber entscheiden sie. Generell lässt sich aber vermuten, dass persönliche Fragen eher das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken, während Meinungsfragen im dienstlichen Umfeld stärker an das Kompetenzgefühl rühren. Beide Arten sind allerdings gleichermaßen gut fürs Autonomieerleben des Adressaten.

          Büßt ein Chef, der dauernd seine Mitarbeiter fragt, nicht an Kompetenz ein?

           Studien zeigen, dass sich Führungskräfte in der Tat solche Sorgen machen. Die gefragten Mitarbeiter sehen das meist aber nicht so, sondern fühlen sich eher wertgeschätzt.

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