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Management : Faulenzen in der Gruppe

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. - Tresckow

Teams prägen die unternehmerische Praxis. Doch sie weisen auch Schattenseiten auf. Hierzu gehört das soziale Faulenzen. Einzelne Mitglieder senken ihre Leistung und verstecken sich hinter der ihrer Kollegen.

          Das Wort "Drückeberger" hat in unserer Sprache keinen guten Klang. Meist wird es Arbeitsunwilligen oder vermeintlichen Simulanten ans Revers geheftet. Faulenzen am Arbeitsplatz, Leistungszurückhaltung oder die Nutzung von Arbeitszeit zu privaten Zwecken sind jedoch weit verbreitet. Nicht so bekannt ist die allgemeine menschliche Tendenz, sich in Gruppen weniger anzustrengen. Sobald der Einzelne nicht mehr allein für sich arbeitet, sondern mit und für andere innerhalb eines Teams, sinkt für gewöhnlich sein Leistungsniveau.

          Schon vor hundert Jahren konnte der französische Agraringenieur Max Ringelmann in einem Experiment mit Studenten nachweisen, dass Einzelpersonen im Gruppenzusammenhang eine niedrigere Leistung an den Tag legen. Die Teilnehmer sollten in dieser Versuchsreihe an einem Tau ziehen, allein und als Gruppe. Je größer dabei die Gruppe wurde, desto weniger Kraft wandten die Teilnehmer auf. Dieser Effekt der Leistungsdegression wird seitdem als Ringelmann-Effekt bezeichnet.

          Amerikaner prägten „Social Loafing“

          Die amerikanischen Psychologen Bibb Latané, Kipling Williams und Stephen Harkins haben für dieses Phänomen 1979 den Begriff des "Social Loafing" geprägt, was zu Deutsch so viel heißt wie Bummeln oder Faulenzen in der Gruppe. Der Einzelne segelt im Wind, den andere erzeugen. Dahinter muss nicht immer eine böse Absicht im Sinne eines Trittbrettfahrerverhaltens stecken. Allein der Umstand, zu glauben, die eigene Leistung sei nicht messbar und gehe in der Gesamtleistung der Gruppe auf oder unter, kann eine unbewusste individuelle Leistungsminderung zur Folge haben.

          Da Teams in heutigen Betrieben eine allgegenwärtige Form der Zusammenarbeit darstellen und dabei in ganz unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz kommen, ist es dringend geboten, danach zu fragen, ob diese Arbeitsform stets vorteilhaft ist; Teamarbeit sollte also nicht unkritisch und blauäugig als gegenüber der Einzelarbeit überlegen eingestuft werden. Vielmehr ist in einer nüchternen Analyse zu klären, wie sich Teamarbeit so gestalten lässt, dass eine Leistungsverschlechterung gegenüber Einzelarbeit vermieden werden kann. Die vorwiegend sozialpsychologisch ausgerichtete Teamforschung hat hierbei bestimmte Faktoren identifiziert, die das Auftreten von Social Loafing begünstigen.

          Je größer die Gruppe, desto kleiner die Leistung

          Noch auf Ringelmann gehen die beiden Faktoren "Gruppengröße" und "Art der Aufgabe" zurück. Je größer die Gruppe wird, desto tendenziell wahrscheinlicher wird eine Absenkung der individuellen Leistung. Dies hängt schlicht damit zusammen, dass Einzelbeiträge relativ zur Gesamtleistung an Bedeutung verlieren. Zugleich sinkt der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe, da weniger Kontakte zwischen den Teammitgliedern möglich sind und überdies ein geringerer Konformitätsdruck als in Kleingruppen besteht, wo die wechselseitige Leistungsüberwachung natürlich ausgeprägter ist. Insgesamt sollten Teams daher so klein wie möglich gehalten werden, das heißt etwa fünf bis zehn Mitglieder umfassen. Die optimale Gruppengröße hängt aber auch vom jeweiligen Schwierigkeitsgrad und von der Ähnlichkeit der bearbeiteten Teilaufgaben ab.

          Eine an Bedeutung zunehmende Herausforderung stellt die Zusammenarbeit über Distanz in virtuellen Teams dar. Hier erfolgt eine rein technologiebasierte Koordination von Arbeitsleistungen. Nur durch eindeutige Zielvereinbarungen lässt sich sicherstellen, dass die Teammitglieder die von ihnen erwarteten Beiträge fristgerecht erbringen, denn die direkte Kontrolle erscheint wesentlich schwieriger als bei räumlicher Nähe. Vermutlich eignen sich für die standortverteilte Kooperation daher vor allem Aufgaben, in denen zu Beginn klar abgrenzbare Aufgabenpakete geschnürt werden können, die erst am Ende der Zusammenarbeit zu einer Gesamtlösung zusammengeführt werden müssen.

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