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Make-up im Büro : Sexy oder dezent?

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Hauptsache „kawaii“: Mayumi Mori schminkt sich nach dem Schönheitsideal der Japaner. Süß und attraktiv. Bild: Carsten Germis

Wasser und Seife oder Puder und Kajal – was wirkt angemessen, was übertrieben? Geschäftsfrauen aus Japan, Deutschland, New York und Paris zeigen, wie sie im Büro auftreten.

          In Australien legen die Frauen bei der Arbeit keinen großen Wert auf ihr Aussehen“, erzählt Mayumi Mori ihren Freundinnen Junko und Hiroko morgens im Café. Ein halbes Jahr hat die Japanerin dort gearbeitet. Ungeschminkt ins Büro? „Das wäre in Japan nicht möglich“, sagt Hiroko. Die 36 Jahre alte Frau ist Chefsekretärin in einem Bauplanungsbüro.

          Eine gute halbe Stunde braucht sie morgens vor dem Spiegel. Sie lacht. „Manchmal auch länger.“ Die Kunden ihres Unternehmens sind zumeist Männer in den besten Jahren. „Die achten darauf“, sagt sie und lacht schon wieder. „Aber ich mache das nicht für die Kunden. Ich fühle mich selbst auch wohler, wenn ich nett aussehe.“ Bis zu 30 000 Yen gibt Hiroko im Monat für Kosmetika aus – über 200 Euro.

          Tatsächlich achten wohl nirgends Frauen so sehr auf gutes Make-up wie in Japan. „Kawaii“ zu sein ist wichtig. Süß aussehen. „Natürlich haben Frauen, die das beherzigen, es leichter“, meint Mayumi, die Film- und Medienstars betreut. Junko, mit 45 die Älteste der drei und in einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt, sagt, dass Frauen ihrem Gegenüber Respekt zeigten, wenn sie auf ihr Äußeres achten.

          Kawaii, süß, kindlich und attraktiv zu sein – diesem ästhetischen Konzept mögen die drei aber nicht folgen. „Das ist mir ein bisschen zu viel“, sagt Mayumi. Dass sie mit ihren 37 Jahren dem japanischen Ideal unter ihren Freundinnen am nächsten kommt, scheint sie aber auch zu wissen. „Ich fühle mich einfach wohl, wenn ich mich hübsch mache“, sagt sie - und wie zur Bestätigung geht sie mit den Händen durch ihre Haare, um zu sehen, ob die Frisur noch sitzt.

          Keine Zeit

          Eine kleine Ad-hoc-Umfrage zwischen den Frankfurter Bürotürmen zeigt: Es strömen viele ungeschminkte Frauen aus den Türmen in die Mittagspause, und sie haben keine Zeit für Make-up. Das ist die häufigste Antwort auf die Frage, warum sie auf Kosmetik verzichten.

          Generell scheint Make-up kein Thema zu sein, über das sich die Frankfurter Bürodamen gerne unterhalten. Nur widerwillig lässt sich eine von ihnen zum Gespräch überreden. Die Juristin aus der Rechtsabteilung eines großen Logistikkonzerns ist seit 20 Jahren im Beruf und hat nie sonderlich viel auf Schminke gegeben. Auch große Ohrringe oder eine teure Uhr zu tragen, das wäre früher für sie undenkbar gewesen – nicht zuletzt aus Unbehagen den Kollegen gegenüber. Heute blickt sie milder auf das Thema Schmücken, hat Spaß an eleganter Kleidung und ein Faible für Schmuck entwickelt. Aber Make-up und hohe Hacken seien immer noch nichts für sie.

          Offener geht die Frankfurterin Inga Conrady mit dem Thema um. „Natürlich schminke ich mich. Ich bin ein eitler Mensch“, sagt die Mitarbeiterin einer Bank. Hinter einer schwarzumrandeten Brille hat Conrady auch ihre Augen schwarz umrandet und die Wimpern getuscht. Dazu trägt sie einen dunklen Lippenstift in rötlichem Braun. „Ich bin nicht so ein Wasser-und-Seife-Typ, und deshalb schminke ich mich, wenn ich aus dem Haus gehe.“ Schlecht fühle sie sich damit nie, weder vor den Kollegen noch vor Kunden.

          Inga Corady ist kein Wasser und Seife-Typ. Viele deutsche Frauen halten sich mit Make-up aber zurück. Sie wollen nicht, dass ihr Aussehen von der Leistung ablenkt.

          Das gelte auch für andere Outfitfragen, sagt die bekennende Rockträgerin und Liebhaberin hochhackiger Schuhe. „Es ist einfach eine Frage des Selbstvertrauens, ob es einen kümmert, was die anderen denken.“ Ihre Entspanntheit in Stilfragen mag auch daran liegen, dass Inga Conrady sich schminkt, seitdem sie 18 Jahre alt war, und die Smokey Eyes deshalb keine große Sache mehr für sie sind. Das gilt auch in zeitlicher Hinsicht. Fünf Minuten braucht Conrady für die Kosmetik und erledigt das bisweilen während des Frühstücks, das sie mit Sohn und Ehemann einnimmt, bevor sie zur Arbeit fährt.

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