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Make-up im Büro : Sexy oder dezent?

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Fünf Minuten länger kalkuliert die Make-up-Beraterin Sandra Brammer für ihr Schminkprogramm, das Businessfrauen bei ihr erlernen können. Dann aber stimmt auch die Grundierung - „das Wichtigste“, wie die Düsseldorferin sagt. Brammer ist Beauty-Coach und berät Frauen aus allen Branchen, insbesondere solche, die mit Kunden oder Presse zu tun haben. Nach Brammers Beobachtungen haben die Deutschen oft drei Vorbehalte gegenüber Make-up: Es dauert zu lange, es hält zu kurz, und es ist zu sexy. Ihre Antwort ist ein schnelles, lang haltbares, nicht abfärbendes Make-up.

Dem Bedürfnis, nicht zu sehr auffallen zu wollen, kommt Brammer auch entgegen – obwohl sie den Einwand, Make-up sei zu sexy für den Berufsalltag, für Unsinn hält. „Viele Frauen haben leider Angst davor, im Job sexy zu wirken, weil sie denken, sie würden dann nicht mehr ernst genommen.“ Wen sie aber von roten Lippen nicht überzeugen kann, der findet bei ihr die ganze Palette der Nude- und Erdtöne, die signalisieren: Ich bin gepflegt, aber man darf es nicht zu sehr sehen.

Perfekte Nägel

Wer durch New York spaziert, kommt oft an mehr Nagelstudios vorbei als an Starbucks-Filialen. Die enorme Dichte dieser Salons ist ein Indikator dafür, welchen Stellenwert das äußere Erscheinungsbild für New Yorkerinnen hat. Bethany Nagy ist eine regelmäßige Kundin, sie geht alle zwei Wochen zur Maniküre. Für sie gehören perfekte Nägel zum professionellen Auftritt im Büro – als eines von vielen Elementen.

Die 40 Jahre alte Frau ist Kreativdirektorin in der Werbeabteilung des chinesischen Handelshauses Li & Fung. Sich äußerlich gut zu präsentieren heißt nach ihrer Überzeugung auch, selbstbewusst aufzutreten: „Viele Frauen bewegen sich wie ich in einem von Männern dominierten Arbeitsumfeld, wo eine Extraportion Selbstvertrauen nicht schadet. Deshalb ist es eine gute Investition, auch einmal 1000 Dollar für ein Kostüm von Gucci auszugeben.“

Eine New Yorkerin geht regelmäßig  zur Maniküre. Auch Berhany Nagy legt Wert auf perfekte Nägel.

Nagys letzte größere Anschaffung waren Ferragamo-Schuhe für 700 Dollar. Das berufliche Erscheinungsbild von Frauen sollte geschliffen und edel sein, sagt sie, aber bloß nicht zu schrill. Das gilt auch für Make-up: Nagy geht nie ungeschminkt ins Büro, versucht aber, es nicht mit Farbe zu übertreiben.

Wie wichtig Frauen ihr Erscheinungsbild im Job ist, erlebt auch John Barrett jeden Tag. In seinem Schönheitssalon im Nobelkaufhaus Bergdorf Goodman sind berufstätige Frauen wichtiger Teil der Kundschaft. Sie zahlen hier für einen Haarschnitt bis zu 500 Dollar und noch einmal so viel für Farbe. Barrett sagt, zu ihm kommen auch Frauen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen und nicht viel Geld haben: „Die sehen den Besuch hier als Investition.“

Schick und locker auf dem Roller

Die Französin ist zuallererst eine Individualistin. Sie hasst den uniformen Look und will sich von der Masse vor allem durch Accessoires wie einen Schal mit Farbtupfer, originellen Schmuck oder eine zierende Handtasche abheben. Perfekt bis ins letzte Detail zu sein ist nicht das Ziel. Eher suchen Französinnen einen ganz persönlichen Stil, der immer viel Feminines enthält. So sieht man sie etwa auf dem Motorroller mit Jeans und Helm, aber auch mit hohen Absätzen morgens ins Büro fahren.

Fouzia Mecheroub mag es chic und dabei lässig. Wie viele Pariserinnen setzt sie auf Schminke, die man kaum sieht.

„Chic décontracté“, chic und dabei lässig, nennt das Fouzia Mecheroub. Die in Lyon geborene Französin algerischer Abstammung ist Event-Managerin und organisiert rund um den Globus für Unternehmen große Veranstaltungen. Abgesehen von manchen Arbeitsumfeldern, etwa in der Finanzwelt oder in stark von Ingenieuren geprägten Branchen, müsse die Französin ihr Frausein nicht verstecken, sagt die 45 Jahre alte Geschäftsfrau. „Ein bisschen sexy zu sein, würde ihr niemand vorwerfen.“

Was das Make-up angeht, so setzt die französische Berufstätige eher auf dezent-natürlich, „maquillage nude“, wie die Französinnen sagen, nicht kräftig aufgetragen wie bei mancher Amerikanerin, sondern so geschminkt, dass man es kaum sehe, die Wirkung sich aber doch entfalte. Eine Grundregel betont Mecheroub dabei: Die Chefin oder eine Kundin äußerlich zu übertrumpfen sei nicht ratsam.

Autoren in Reihenfolge der Länderberichte: Carsten Germis, Caroline Freisfeld, Roland Lindner und Christian Schubert

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