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Macht im Berufsleben : „Spiele den Deppen, um die Deppen zu überlisten“

  • -Aktualisiert am

Für Machtspiele ist nicht jeder bereit Bild: F.A.Z.-Tresckow

Dominanz ist im heutigen Berufsleben eine bedeutende Eigenschaft. Auf dem Weg dorthin werden häufig ethische und moralische Hürden überschritten. Und es gibt viele ungeschriebene Regeln, die nicht jeder anwenden will.

          Die Macht - für den einen bloß ein Wort, für den anderen ein Magnet mit einer ungeheuren Anziehungskraft. „Entscheidend für den Willen zur Macht ist der Dominanzfaktor, den der einzelne mitbringt“, sagt Christian Zielke, Führungskräfte-Coach und Professor für Personalmanagement an der Fachhochschule Gießen-Friedberg. Außerdem müsse derjenige, der nach Macht strebe, gewisse Spielregeln befolgen und dabei auch in Kauf nehmen, ethische und moralische Hürden zu überschreiten. Nach dem Motto: „Schein-Sein-Schwein.“

          Wie hoch der Dominanzfaktor einer Person ist, kann man testen. Wer Entschlossenheit, Hartnäckigkeit, Willensstärke, Aggressivität und Ruhelosigkeit zu seinen ausgeprägten Charaktereigenschaften zählt, der hat in der Regel auch einen hohen Dominanzfaktor. Macht zieht ihn magnetisch an.

          Querdenker werden schnell abgeschossen

          „Dominante Persönlichkeiten wollen andere besiegen, Hindernisse durch Zielstrebigkeit überwinden und ihr Umfeld formen“, sagt der Führungskräfte-Coach Oscar Winzen. Diese dominanten Typen, in Fachkreisen kurz D-ler genannt, strebten nach Erfolg. Sie werden Winzen zufolge angetrieben von dem starken Willen, sich mit anderen zu messen, sich durchzusetzen und respektiert zu werden. Für sie stünden Aufgaben und deren Bewältigung im Vordergrund. Menschliche Beziehungen träten dahinter eher zurück. „D-ler lassen sich nur ungern vorschreiben, wie sie eine Aufgabe zu erledigen haben. Sie wollen immer die Kontrolle behalten“, sagt Winzen. Unterordnung sei ihre Sache nicht.

          Wie schon der französische Romanschriftsteller Honore de Balzac sagte, besteht alle Macht des Menschen aus einer Mischung von Zeit und Geduld. Für dominante Menschen keine leichte Herausforderung. Denn Warten entspricht ihrem Wesen nicht. Langfristiges Planen eigentlich auch nicht. „Sollte es aber“, rät Zielke. Und dabei alle möglichen Folgen, Hindernisse und Schicksalsschläge antizipieren. „Wer alles bis zum Schluß plant, kann nicht von Zufällen überrascht werden.“

          „Eigene Talente nicht allzusehr zur Schau stellen“

          Auch bei manch anderer Spielregel auf dem Weg zum Gipfel werden Machthungrige ganz schön schlucken müssen. „Aber wer Macht will, muß bereit sein zu kämpfen und muß wissen, mit welchen Waffen er einerseits selbst ausgerüstet ist und welche andererseits auf dem gewählten Schauplatz von Nutzen sind“, erklärt Christine Bauer-Jelinek, die als Wirtschaftscoach und Psychotherapeutin arbeitet. „Wer weiterkommen will, muß strategisch vorgehen.“

          Für Machtgierige bedeutet das, nicht allzu stark aufzutreten. „Spiele den Deppen, um die Deppen zu überlisten“, sagt Zielke. Denn wer fühlt sich schon in der Gegenwart von jemandem wohl, der ihn ständig seine Überlegenheit spüren läßt? Gerade Vorgesetzte schätzten ein solch selbstbewußtes Verhalten nicht. „Wer den Chef für sich einnehmen möchte, darf seine eigenen Talente nicht allzusehr zur Schau stellen.“ Mitarbeiter, die sich allzu offensiv nach vorne drängelten, trieben den Vorgesetzten in die Enge. „Auch Querdenker und Neinsager werden oft schon abgeschossen, bevor sie den Gipfel erreicht haben.“

          Keine unnötigen Feinde machen

          „Nie in die Fußstapfen eines großen Mannes treten“, so lautet eine weitere Regel. Denn wer eine große Person überstrahlen möchte, muß doppelt hart arbeiten. Viel effektiver sei es, sich ein unverwechselbares Profil maßzuschneidern und damit die eigene Marktnische zu erobern. Damit ist es jedoch noch nicht getan. Ganz wichtig sei es, die eigene Person zu einer Marke zu stilisieren, die für ganz bestimmte Qualitäten steht. Denn nur wer anders ist, hinterläßt Fußspuren und wirbelt Staub auf.

          Nicht unterschätzen dürfte man auf dem Weg nach oben auch die Kollegen. Denn diese können Steine in den Weg rollen, diesen aber auch freischaufeln. Einmal den Falschen verärgert, kann das schlimme Konsequenzen haben: „Denn manche Menschen hegen für den Rest ihres Lebens Rachegelüste, wenn sie sich selbst schlecht behandelt gefühlt haben“, sagt Zielke. Und warteten nur auf einen geeigneten Zeitpunkt für den Vergeltungsschlag. Deshalb lautet die Devise für Gipfelstürmer: Sich keine unnötigen Feinde machen.

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