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Macht im Berufsleben : „Spiele den Deppen, um die Deppen zu überlisten“

  • -Aktualisiert am

Geschickt Gerüchte streuen oder streuen lassen

Um sowenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten, sollte man die eigenen Absichten und Ziele für sich behalten. Denn wenn die anderen nicht ahnten, was man vorhat, könnten sie auch nicht zu einem Gegenschlag ausholen. Deshalb empfiehlt der Coach, weniger zu sagen, als man weiß. Denn je mehr man rede, um so durchschnittlicher und machtloser wirke man. Strategen bedienten sich deshalb kryptischer Floskeln und Andeutungen.

Ein kluger Machttaktiker läßt sich eben nicht in die eigenen Karten schauen, schaut anderen jedoch - oft mit Hilfe seiner Seilschaft - ständig ins Blatt. „So kann man Angriffe schon im Keim ersticken“, erklärt Zielke. Und gleichzeitig den Gegner schwächen. Zum Beispiel, indem man geschickt Gerüchte streut oder streuen läßt. „Der Stratege sieht dann gelassen zu, wie die Öffentlichkeit den Feind richtet.“

Seilschaften aufbauen

Gelingt es nicht, einen möglichen Angriff schon im Vorfeld abzuschmettern, dann müssen einflußreiche Verbündete her, die sich ganz demonstrativ auf die Seite des Angeschossenen stellen. Eine starke Seilschaft ist dafür das A und O. Aber wie baut man eine solche auf? „Zunächst einmal sollte man die Unglücklichen und Glücklosen meiden“, rät Zielke. Denn diese zögen das Unglück nach sich und brächten es auch über ihre Gefolgsleute.

Erfolgreiche hingegen zögen Erfolgreiche an. Um für die Erfolgreichen und Beliebten attraktiv zu sein, muß man ihnen aber auch etwas bieten. Wer die Kunst der Selbstinszenierung beherrsche, habe es leichter, sagt Zielke. Dazu gehört auch, daß alles immer ganz leicht, selbstverständlich und mühelos aussehen muß. Damit verströme man eine Aura der Sicherheit und Souveränität. „Niemals offen zugeben, daß man etwas nicht beherrscht.“ Erfolgreiche packen Herausforderungen mutig an. Denn Zweifeln und Zögern behindert die Arbeit und kostet Zeit. Und: Wer bewundert schon den Feigling? Wer Hilfe brauche, solle an den Eigennutz der anderen appellieren und sich immer fragen: „Was bringt es ihnen, wenn sie mich unterstützen.“ Denn Dankbarkeit sei den meisten Menschen fremd.

„Man muß sich wirkungsvoll selbst inszenieren“

Eine Spielregel auf dem Weg zur Macht ist deshalb die Stromlinienförmigkeit. Statt Ecken und Kanten zu zeigen, gelte es, anpassungsfähig und ständig in Bewegung zu bleiben. „Am besten schützt man sich, indem man so geschmeidig und formlos wie Wasser ist“, sagt Zielke. Denn wer sich gegen den Strom der Zeit stelle, werde in der Regel von der Masse bestraft. Zu dieser Stromlinienförmigkeit gehört auch, keine Position zu ergreifen. Wer sich aber auf keine Seite oder Sache festlege, mache sich auch keinen zum Feind. Das macht nach allen Seiten offen. Zum Beispiel bei Firmenfusionen gelingt es so, unbeschadet von der Verliererseite auf die Siegerseite zu wechseln.

Wer endlich den Gipfel der Macht erreicht hat, für den gilt es, nicht gleich wieder abzustürzen. Denn dort oben ist die Luft dünn, und die Luft reicht nur für wenige. Aber wie erhält man die Macht? „Man muß sich wirkungsvoll selbst inszenieren“, sagt Zielke. Dazu gehöre die eherne Regel: Laß die anderen zu dir kommen, und laß sie warten. Das wirkt wichtig. Genauso, wie sich rar zu machen. Wer als Chef durch Abwesenheit glänzt, fördert den Nimbus, Wichtigeres zu tun zu haben. Je mehr man von einer Person hört oder sieht, desto alltäglicher wird sie.

„Machtspiele machen nicht jedem Spaß“

Um dennoch mitzubekommen, was die Untergebenen so denken und tun, braucht man Spione. Wenn der Chef dann aber auf der Bildfläche erscheine, sollte sein Auftritt glänzend sein. „Eindringliche Bilder und ausdrucksstarke Gesten schaffen eine Aura der Macht, der man sich nur schwer entziehen kann“, sagt Zielke. Auch optische Attraktionen und strahlende Symbole verfehlten ihre Wirkung nicht.

Klingt alles ziemlich schwierig. „Für Machtspiele ist ja auch nicht jeder geeignet, und sie machen auch nicht jedem Spaß.“ So manch einer könne ein solches Verhalten auch nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Es kommt eben auf den Typen an. Für manche wirkt die Macht eben wie ein Magnet.

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