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Luftfahrt : Frauen stürmen die Cockpits

Mädchen im Zentrum: Die Easyjet-Rekrutierungskampagne ist eine Parodie auf einen Hollywood-Klassiker. Bild: Easy-Jet

Ob Easyjet oder Deutsche Lufthansa: Fliegendes Personal wird verzweifelt gesucht. Klar, dass Airlines jetzt die Frauen für sich entdecken und für Gleichberechtigung trommeln.

          Der Flug nach San Francisco ist jetzt am Gate 23 zum Einsteigen bereit“, heißt es. Die Passagiere am Flughafen huschen nervös umher. Es ist ein aufgeregtes Kommen und Gehen. Und dann hört man das Klacken vieler Absätze. Die komplette Crew einer Fluggesellschaft läuft am Gate vorbei, und für einen kurzen Moment richten die Passagiere ihre Blicke von ihren Smartphones und den Anzeigetafeln auf die Besatzung.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Vorneweg läuft die Cockpit-Crew, angeführt von einer Kapitänin. Erkennbar an den vier goldenen Streifen ihrer Uniform und an der Pilotenmütze. Sie trägt einen Pferdeschwanz und rot lackierte Fingernägel. Einen kurzen Moment ist es ruhig, dann geht das Treiben weiter.

          Dass Frauen die Passagierjets großer Fluggesellschaften lenken, ist keine Seltenheit mehr. Die Regel ist es aber auch nicht. Nach Angaben der International Society of Women Airline Pilots sind derzeit nur 6 Prozent aller Piloten weiblich, was einige Gesellschaften nun zu ändern versuchen. So etwa die britische Fluggesellschaft Easyjet, die sich vorgenommen hat, den Anteil der neu eingetretenen Pilotinnen bis 2020 auf 20 Prozent zu steigern – gegenwärtig liegt der Anteil noch bei 13 Prozent. In diesem Zusammenhang wirbt die Fluggesellschaft aus dem Londoner Vorort Luton, die in Deutschland seit der Pleite von Air Berlin vor allem in Berlin stark expandiert, neuerdings mit einem Werbespot, der mit den Stereotypen der Flugbranche geschickt spielt und dabei eine Schlüsselszene aus dem Hollywood-Streifen „Catch Me If You Can“ parodiert.

          Gezielt Mädchen und Frauen für den Beruf begeistern

          In dem Film spielt Leonardo Di Caprio den Hochstapler und Scheckbetrüger Frank Abagnale, der vorgibt, ein Pan-Am-Pilot zu sein. Dafür organisiert er sich eine Pilotenuniform und ein paar gutaussehende Frauen, die die Flugbegleiterinnen spielen. Mit diesen im Arm, läuft er so cool und selbstbewusst über den Flughafen, dass ihn am Ende niemand in seiner Rolle als Pilot in Frage stellt.

          Easyjet knüpft daran an und stellt dabei die Rollenverteilung in der Branche süffisant in Frage. In dem Spot wird daher Di Caprio durch die neunjährige Hannah Revie, die die Tochter einer Pilotin ist, samt Uniform und Pilotenbrille ersetzt. Die Rolle der Flugbegleiter übernehmen stattdessen sechs Jungs, die wiederum die neunjährige in ihre Mitte nehmen. Die Fluggesellschaft versucht mit diesem Beitrag die Klischees in ihrer Berufswelt zu korrigieren. „Es gibt schlicht keine sichtbaren Vorbilder für weibliche Piloten“, moniert Marnie Munns, Flugkapitänin bei Easyjet. Die couragierte Britin unterstützt daher die 2015 ins Leben gerufene Amy Johnson Initiative – benannt nach der britischen Pilotin, die als erste Frau alleine einen Flug von England nach Australien absolvierte.

          Die aktuelle Kampagne von Easyjet will gezielt Mädchen und Frauen für den Beruf der Pilotin begeistern. Dazu gehört unter anderem die Aufklärungsarbeit an den Schulen. „Eine Lehrerin sagte mal zu mir: ,Toll, dass du über den Beruf sprichst. Die Jungs werden es lieben.‘ Ich habe sie dann gefragt, warum denn nur die Jungs, warum nicht auch die Mädchen?“, erinnert sich Munns.

          Kooperative Führung überzeugt

          Mehr Aufklärung scheint auch deshalb nötig, weil der Beruf der Pilotin entmystifiziert werden muss. „Viele glauben, sie müssen gute Naturwissenschaftler oder besonders herausragende Mathematiker sein, um das Cockpit zu übernehmen.“ Solide Grundkenntnisse seien zwar hilfreich und wichtig, sagt Munns, aber nicht auf jenem hohen Level, den viele hier unterstellen. Andere Eigenschaften seien mindestens ebenso stark gefragt, wie zum Beispiel ein überzeugender Führungsstil oder gutes Zeitmanagement.

          Ähnliche Erfahrungen machen auch andere Fluggesellschaften. Flugkapitänin Andrea Amberge, eine der ersten Pilotinnen der Deutschen Lufthansa, sagt, dass weibliche Cockpitführer unter Kollegen des fliegenden Personals gut ankämen – auch deshalb, weil sie einen kooperativeren Führungsstil hätten: „Frauen sind manchmal empathischer als Männer“, sagt sie und fügt hinzu, dass ein anderer Kommunikationsstil in bestimmten Situationen hilfreich sein könne.

          Amberge zählt bei den Lufthanseaten zu den Pilotinnen mit dem größten Erfahrungsschatz. Nur zwei andere Kolleginnen können das noch überbieten: Nicola Lisy und Evi Hetzmannseder, die schon vor 30 Jahren als erste Pilotinnen für die Lufthansa abhoben. Seitdem stieg der Anteil der Frauen in den Cockpits der Lufthansa-Flotte unter den 10 000 Pilotinnen und Piloten der Lufthansa Group auf 6 Prozent. Dieser Wert soll sich möglichst rasch erhöhen, lautet das Ziel des europäischen Branchenführers. Gegenwärtig sind bereits 15 Prozent aller neu ausgebildeten Flugschüler weiblich.

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