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Lehrlings-Zufriedenheit : Azubis mögen die Berufsschule nicht

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Lieber am Auto schrauben, als die Schulbank drücken: So denken anscheinend viele Lehrlinge. Bild: dpa

Deutschlands Lehrlinge loben ihre Ausbildung - wenn es um die betriebliche Komponente geht. An der Berufsschule haben sie dagegen einiges auszusetzen. Nicht zuletzt an den Lehrern.

          Die duale Ausbildung in Deutschland ist viel gelobt. Und sie hat offensichtlich eine klare Stärke: die betriebliche Komponente. Das sehen auch die Auzubildenden selbst so, wie aus einer aktuellen Befragung der TH Köln unter 1350 Azubis aus Handel, Industrie und Dienstleistungsbranche hervorgeht. Drei Viertel der Befragten (73 Prozent) sind demnach zufrieden oder sehr zufrieden mit der betrieblichen Ausbildung. Dagegen klafft anscheinend eine große Lücke zwischen Betrieb und Schule: Nur 44 Prozent und damit weniger als die Hälfte der Lehrlinge zeigen sich zufrieden mit der Berufsschule.

          Was den Betrieb angeht, sind viele Azubis guter Dinge: Sie loben die Stimmung der Lehrlinge untereinander und den Praxisbezug. Die Auszubildenen haben auch wenig zu bemängeln, wenn es um die Erreichbarkeit der Ausbildungsleiter geht, um die persönliche Betreuung oder die Ausstattung des Arbeitsplatzes.

          Unmotivierte Lehrer, unpassende Inhalte

          Verbesserungswürdig finden viele Lehrlinge allerdings ihre Bezahlung: 55 Prozent sind damit zufrieden, 20 Prozent sind ausdrücklich unzufrieden. Die Azubi-Gehälter wurden dabei in der Industrie und in Konzernen seltener bemängelt als anderswo.

          Was die Berufsschulen angeht, finden viele Azubis, dass die Unterrichtsinhalte zu wenig mit dem zu tun hätten, was am Arbeitsplatz gebraucht wird. Auch werde nicht immer das gelehrt, was für das erfolgreiche Bestehen der Prüfung erforderlich sei. Bemängelt haben die Lehrlinge auch, dass der Lernstoff nicht immer auf dem aktuellen Stand sei und die Lehrkräfte zuweilen unmotiviert. Punkten konnten die Berufsschullehrer bei den Azubis hingegen mit ihrem großen Fachwissen.

          Neues Beschwerde-Management

          Erst Anfang dieser Woche war bekannt geworden, dass es künftig ein neues Beschwerdemanagement für unzufriedene Azubis geben soll: Bei Problemen in der Lehre sollen Azubis künftig rascher einen Ansprechpartner finden und Unterstützung bekommen. Das neue Beschwerde-Management soll zunächst in mehreren Pilotregionen erprobt werden, sagte der Ausbildungsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Markus Kiss. Viele junge Leute wüssten bisher gar nicht, dass sie sich bei Schwierigkeiten etwa mit dem Ausbilder, mit Kollegen oder mit dem Ausbildungsplan an die Ausbildungsberater der Kammern wenden könnten.

          Unter anderem sei geplant, den Informationsfluss bei Schwierigkeiten zu verbessern und alle Beteiligten wie Berufsschulen, Betriebsräte sowie die Ausbildungsberater und die Arbeitgeber einzubinden, sagte Kiss. Ziel des Beschwerde-Managements sei es auch, Eskalationen zu vermeiden.

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