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Lampenfieber : Die Angst vor dem großen Auftritt

  • -Aktualisiert am

Bild: Cyprian Koscielniak

Jeder kennt es, doch kaum jemand spricht darüber: Lampenfieber. In einer Bonner Klinik wird Bühnenmusikern geholfen, mit ihrer Furcht umzugehen.

          Das musikalische Märchen wurde zur Horrorgeschichte. Als der Klarinettist erfuhr, dass sein Ensemble „Peter und der Wolf“ ins Programm genommen hatte, blieb kein Hauch jener Leichtigkeit, mit der die musikalische Katze in der Komposition den Baum hinaufeilt - für die Klarinette ein anspruchsvoller Auftritt im Rampenlicht. Die Gedanken des Musikers verengten sich auf diesen Moment, schon Monate im Voraus trat Schweiß auf die Hände, der Puls stieg. Es herrschte Angst vor dem Versagen, trotz aller Routine. Statt Vorfreude kam krankhaftes Lampenfieber auf, und an die Katze aus dem Stück erinnerte nur der Fluchtinstinkt.

          Die Panik des Klarinettisten war ein Fall für Déirdre Mahkorn. Die 40 Jahre alte Oberärztin sieht auf dem Bonner Venusberg die Schattenseiten der Hochkultur. Verelendung, Krankheit und Sucht - Worte, die sonst nicht im Zusammenhang mit schwarz befrackten Sinfonikern oder glitzernd kostümierten Sopranistinnen fallen. Und doch ist die krankhafte Angst Teil ihres Lebens. Manche melden sich aus Furcht vor ein paar Takten krank, fallen für Monate aus und rutschen ins erwerbslose Elend. Um zu helfen, schuf Mahkorn Ende 2010 in Bonn das deutschlandweit erste psychiatrische Angebot einer Uniklinik speziell für Berufsmusiker mit schwerem Lampenfieber. „Das Thema ist vielerorts tabu. Deswegen wollen wir helfen“, sagt Mahkorn. Der Bedarf steigt. Ein enormer Konkurrenzdruck herrscht in der klassischen Musikszene. Orchester schließen, aus Asien drängen Spitzen-Nachwuchskräfte auf den Weltmarkt, 500 Bewerber kämpfen um eine Stelle - heiße Zeiten für die Psyche.

          Alkohol oder Tabletten gegen die Angst

          Bühnenangst wird für immer mehr Berufsmusiker zur Last. Viele Musiker kämpfen mit Alkohol gegen das Problem oder schlucken Tabletten. Auf diesen Missstand stieß die Bonner Oberärztin durch persönliche Kontakte. Sie selbst ist gelernte Sängerin, spielt Klavier und kennt viele Musiker. Sie schuf ein medizinisch-psychologisches Angebot, sprach darüber in einem Radio-Interview - und wurde überhäuft mit Anfragen. Der Bonner Ansatz ist neu, weil der Fokus allein auf klinischer Therapie von Lampenfieber liegt. Mahkorn warnt vor verschlungenen Wegen: „Weil das Problem so groß ist, tummeln sich auch viele selbsternannte Coaches, die ihr eigenes Weltbild als Therapie ausleben.“ Das Ambiente der Bonner Lampenfieberambulanz erinnert nicht gerade an Konzertsäle. Die Patienten nehmen Platz auf Metallsesseln mit Lederpolstern vor einem Schreibtisch, darauf ein Monitor, ein Kalender und Fachbücher. Hinter der Medizinerin steht ein nüchternes Bücherregal, ein bisschen Farbe kommt allein durch zwei Kindergemälde ins Spiel. Schon etwa 150 Patienten haben hier ihre Leidensgeschichten erzählt. Inzwischen kommen Musiker aus Süddeutschland und den Niederlanden angereist. Auch für Prominente gilt die ärztliche Diskretion. Von den Patienten will auch niemand offen über sein Leiden sprechen.

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