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Künstliche Intelligenz : „15 Prozent unserer Arbeit werden komplett ersetzt“

Bild: FAZ.NET

Welche Aufgaben erledigen künftig kluge Maschinen? Der Cheftechnologe von Accenture spricht im F.A.Z.-Interview darüber, was aus Polizisten, Bäckern und Journalisten wird – und wie er über Zukunftsangst denkt.

          Herr Daugherty, macht intelligente Software mich als Journalisten in ein oder zwei Jahrzehnten überflüssig?

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Das ist eine gute Frage. Ich denke, dass, ähnlich wie das in anderen Berufen der Fall ist, Sie bei der Ausübung ihrer Tätigkeit immer stärker durch Technologie unterstützt werden. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir auf lange Sicht weiterhin Journalisten brauchen werden.

          Wieso?

          Weil sie in der Lage sind, interessante Blickwinkel auf ein Thema zu werfen und mit ihrem menschlichen Gespür für die Geschichten, die Menschen wirklich interessieren, zu kombinieren. Künstliche Intelligenz erstellt zwar bereits Nachrichtenmeldungen, die auf den Finanzergebnissen von Unternehmen und anderen Informationen beruhen, aber letztlich sind das nur neue Formulierungen oder Auslegungen von bereits vorhandenen Daten. Wenn wir aber an den Journalismus als eine Aufgabe denken, die vor allem darin besteht, Themen, Kontext, Aufhänger und menschliche Interessen zu verstehen und zu vermitteln, dann ist das ein Beruf mit einer langfristigen Perspektive. Dennoch wird er sich kontinuierlich durch Technologie verändern.

          Vielen Dank für Ihren Optimismus, aber: Mustererkennung und der Vergleich von historischen mit aktuellen Daten sind doch Bereiche, in denen Computer immer besser werden. Darauf kommt es im Journalismus auch an! Nicht nur, wenn wir Nachrichtenmeldungen schreiben, sondern auch bei Meinungs- und Analyseartikeln. Sollten wir nicht doch etwas besorgter sein?

          Anstatt Angst vor neuen Technologien zu haben, sollten sich die Menschen lieber mit ihnen befassen und verstehen, was sie wirklich bewirken. Für einen Journalisten sind sie Werkzeuge, die ihm helfen, mit der Zeit immer besser zu werden.

          Wie genau?

          Wenn Sie in der Lage sind, KI für die Erkennung bestimmter Muster in den Themenbereichen, mit denen Sie sich beschäftigen, zu nutzen, dann bleibt Ihnen mehr Zeit für die Analyse dieser Muster und was sie für die Menschen genau bedeuten. Wie bei vielen anderen Berufen auch, stellen wir fest, dass die Mustererkennung eine der wichtigsten Anwendungen von maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz ist. Dadurch sind Menschen in der Lage, die Dinge zu tun, bei denen sie mehr bewirken können.

          Die Technologie hilft mir also dabei, meine Umwelt besser zu verstehen und eine interessantere Geschichte zu schreiben?

          Eine Geschichte, die bei den Menschen wirklich Eindruck hinterlässt und sie zum Nachdenken anregt. Das wird meiner Meinung nach das Resultat sein.

          Haben Sie ein Beispiel für so eine Zusammenarbeit von Mensch und Maschine?

          Wir werden in wenigen Wochen die japanische Ausgabe unseres Buches „Human + Machine“ auf den Markt bringen. Die Übertragung ins Japanische erledigte eine KI-Übersetzungsmaschine, danach hat ein menschlicher Übersetzer den Feinschliff vorgenommen. Der Übersetzer sagte uns, dass das eine positive Erfahrung für ihn war, denn er konnte sich voll auf die eigentliche Bedeutung des Textes, die den Lesern vermittelt werden soll, konzentrieren. Dafür blieb ihm nun mehr Zeit. Einen ähnlichen Ansatz werden wir sicher auch im Journalismus sehen.

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