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Kündigung fehlerhaft : Wenn Arbeitnehmer zu unrecht gefeuert werden

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Dass Kündigungen schriftlich erfolgen müssen, wissen die meisten. Doch oft machen Arbeitgeber Fehler. Bild: Picture-Alliance

Eine Kündigung ist für viele Beschäftigte ein schmerzhafter Karriere-Rückschlag. Doch wann darf der Chef mich überhaupt feuern – und kann ich die Kündigung anfechten?

          Kündigungen sind selten schön, sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber. Zumal für beide Seiten zahlreiche Gesetze, Regeln und Formalia zu beachten sind. Dabei verhalten Arbeitgeber sich oft falsch.

          Zulässig sind ausschließlich schriftliche Kündigungen auf Papier. Die müssen zudem vom Chef oder einem gesetzlichem Vertreter unterschrieben werden. Passiert das nicht, ist die Kündigung unwirksam. Auch wenn viele Unternehmen in ihren Geschäftsabläufen zunehmend auf Papier verzichten, darf ein Arbeitgeber also nicht per E-Mail oder gar per Whatsapp kündigen. Auch handschriftliche oder mündliche Kündigungen sind ungültig und somit vom Arbeitnehmer anfechtbar. Einen Grund muss eine Kündigung übrigens nicht enthalten.

          Das heißt nicht, dass alle Chefs diese Regeln beherzigen. Wie oft fehlerhafte Kündigungen vorkommen, zeigt jetzt eine Studie. Das Ergebnis: Mindestens zwölf Prozent der Kündigungen wiesen eindeutige Fehler auf. Entweder weil gegen die vorgeschriebene Form des Kündigungsschreibens verstoßen wurde oder der Arbeitgeber den besonderen Kündigungsschutz missachtet hatte. Letzteres betraf sieben Prozent der untersuchten Kündigungen. Fünf Prozent waren allein aufgrund von Formfehlern anfechtbar. Für die Studie der Kanzlei Ratis und dem Unternehmen One Logic wurden im vergangenen Jahr 785 Kündigungsfälle – alle von Arbeitnehmern mit Rechtsschutzversicherung – untersucht.

          Die Frist einhalten

          Für korrekte Kündigungen gelten noch viele weitere Regeln. Der Chef muss für eine ordentliche Kündigung die arbeits- oder tarifvertragliche Frist einhalten. Die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Kündigungsfristen steigen mit der Dauer des Arbeitsverhältnisses. So kann einem Arbeitnehmer etwa während der Probezeit zu jedem beliebigen Tag mit einem Vorlauf von zwei Wochen gekündigt werden. Dauert das Arbeitsverhältnis bis zu zwei Jahre an, beträgt die Kündigungsfrist vier Wochen. Ist der Arbeitnehmer zwei, fünf, acht oder sogar zehn Jahre bei einem Arbeitgeber beschäftigt, steigt die Kündigungsfrist stetig weiter. Bis zur Dauer des Arbeitsverhältnisses von 20 Jahren – dann beträgt die Kündigungsfrist ganze sieben Monate.

          Ist ein Arbeitnehmer mindestens sechs Monate bei einem Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern beschäftigt, gilt für ihn der allgemeine Kündigungsschutz. Die Kündigung muss nun „sozial gerechtfertigt“ sein. Das kann aus drei Gründen geschehen: betriebsbedingt, verhaltensbedingt oder personenbedingt.

          Eine betriebsbedingte Kündigung bezieht sich immer auf eine Entscheidung des Arbeitgebers, Arbeitsplätze abzubauen oder den Betrieb stillzulegen. Verhaltensbedingt kann einem Arbeitnehmer gekündigt werden, wenn er gegen die Regeln seines Arbeitsvertrags verstößt und entsprechend Abmahnungen erhalten hat. Personenbedingte Kündigungen begründen sich etwa auf langandauernde Krankheit, den Entzug der Arbeitserlaubnis bei Ausländern oder etwa den Führerscheinverlust bei Kraftfahrern.

          Eine Kündigung kann auch außerordentlich beziehungsweise fristlos, also ohne Kündigungsfrist, erfolgen. Aber nur, wenn ein gewichtiger Grund vorliegt, etwa Arbeitsverweigerung, Verletzung der Treuepflicht und Beleidigungen oder gar Handgreiflichkeiten gegenüber dem Arbeitgeber. Laut der Kündigungsstudie haben im vergangen Jahr 14 Prozent der Befragten eine fristlose Kündigung erhalten.

          Wer genießt besonderen Kündigungsschutz?

          Bestimmte Personengruppen haben im Arbeitsrecht einen besonderen Schutzstatus. Das heißt, diese Personen können nicht einfach so rausfliegen, vielmehr ist das bei ihnen nur sehr schwer möglich und in manchen Fällen ganz ausgeschlossen.

          Schutzbedürftig sind etwa Menschen mit Behinderungen – diese Gruppe macht mehr als drei Viertel aller schutzbedürftigen Arbeitnehmer aus – sowie Schwangere oder Betriebsratsmitglieder.

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