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Krank im Büro : Der eingebildete Gesunde

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Die von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie aus Frankfurt hat noch weitere typische Konstellationen hervorgebracht. Es gibt Betriebe, die sich schlicht dagegen sperren, in irgendeiner Form für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter herangezogen zu werden. Prävention ist kein Thema, Krankheit gilt als Ergebnis persönlichen Fehlverhaltens. Ein anderer Typ ist der Familienbetrieb in der Autozulieferindustrie. Die Zustände werden als "Opferfürsorge" beschrieben. Die Personaldecke ist ausgedünnt, am Rande der Existenz ist das vorerst nicht zu ändern. Die Beschäftigten versuchen Fehlzeiten zu vermeiden, der Personalchef schickt Mitarbeiter "fürsorglich" nach Hause, die krank an die Werkbank kommen - eine gemeinschaftliche Herangehensweise. Schließlich, in einer vierten Kategorie, führen die Vorgesetzten mit häufiger erkrankten Mitarbeitern scheinbar fürsorgliche "Fehlzeitengespräche" - die aber der Kontrolle dienen und subtil Druck aufbauen.

Belastbare statistische Zahlen können die Frankfurter Forscher nach ihren Gesprächen mit Betriebsräten, Ärzten und Personalmanagern noch nicht nennen. Doch eines wird schon deutlich: Krankfeiern - neudeutsch: Absentismus - war gestern. Präsentismus - das zwanghafte Verhalten, auch krank arbeiten zu gehen - ist heute das Thema. Dabei rechnet es sich auch für die Unternehmen, wenn ihre Mitarbeiter Zeit bekommen, ihre Krankheit auszukurieren. Eine Untersuchung hat das 2006 am Beispiel der 12 000 Mitarbeiter des amerikanischen Konzerns Dow Chemical nachgewiesen.

Zehnmal teurer als krank im Bett

Professor Badura referiert die Ergebnisse: Krankheitskosten hätten 10 Prozent der Personalkosten ausgemacht; 661 Dollar pro Jahr und Kopf habe das Unternehmen für die aufgewendet, die krank zu Hause blieben, etwa für Lohnfortzahlungen; 2278 Dollar seien für medizinische Behandlungen angefallen. Stattliche 6721 Dollar pro Kopf und Jahr seien für die errechnet worden, die angeschlagen an den Arbeitsplatz kamen - zehnmal so viel wie für die Bettlägerigen. Der simple Grund: mangelnde Leistungsfähigkeit. Jancik kennt einen Fall aus der Wehrtechnik-Industrie, in dem wegen der verspäteten Fertigstellung eines 200-Euro-Werkstückes dem Kunden ein Drei-Millionen-Euro-Auftrag erst Monate später in Rechnung gestellt werden konnte. Auch Badura schließt daraus: "Das Starren auf Fehlzeiten ist nicht im Sinne der Unternehmen." Dennoch: Mit der Beratung zum Gesundheitsmanagement lässt sich kaum Geld verdienen, hat Jancik erfahren. "Führungskräfte interessieren sich nicht für Risiken, die erst in einigen Jahren auf sie zukommen." Zahlen wie die in Amerika würden in Deutschland oft gar nicht erst systematisch erhoben. Seine Beobachtung: Personal werde nicht von der ersten Führungsriege geführt. Instrumente des HR-Controlling würden dort oft nicht beherrscht. So lässt sich nicht managen, was sich nicht messen lässt.

Nehmen nun im Aufschwung Fehlzeiten in den Firmen wieder zu, weil die Verlustangst nachlässt? Wohl kaum. Soziologe Voswinkel ist überzeugt, dass es sich nicht um ein konjunkturelles Phänomen handelt. Er sagt voraus: "So wie die Arbeitswelt sich verändert hat, haben wir es mit einem stabilen Phänomen zu tun." Es hat auch damit zu tun, dass viele Unternehmen ihre Krankheitskosten auf die Gesellschaft abwälzen. Ausgebrannte und ältere Mitarbeiter feuern sie einfach.

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