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Verdrängung von Arbeitsplätzen : Der digitale Doktor

  • -Aktualisiert am

Die Entwicklung trifft auch Branchen, die man üblicherweise kaum mit der Digitalisierung in Verbindung bringt. Bild: Illustration Nina Hewelt

Computer verdrängen immer mehr Menschen von ihren Arbeitsplätzen. Selbst vor Ärzten, Anwälten und Wirtschaftsprüfern machen sie nicht halt. Könnten diese Berufe verschwinden?

          Bereits 1997 konnte erstmals ein Computer einen amtierenden Schachweltmeister schlagen. Am Anfang dieses Jahres triumphierte der Rechner mit dem Sieg der Google-Software „Deep Mind“ im „Go“-Spiel auch in einem der ältesten und komplexesten Spiele, die die Menschheit je entwickelt hat. Es war die Destruktion eines zwei Jahrtausende alten Mythos mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz, die aus den eigenen Fehlern lernt und mit jeder Niederlage noch besser wird. Ist der Vormarsch intelligenter Systeme also überhaupt noch aufzuhalten?

          Schon jetzt steht fest, dass künstlich intelligente Systeme Einzug in beinahe alle Wirtschaftszweige halten. Viele Berufsbilder stehen deshalb schon heute vor einschneidenden Veränderungen, darunter auch solche, bei denen man am wenigsten daran denkt: Wirtschaftsprüfer, Anwälte oder Ärzte.

          Zu Beginn der Diskussion um die Folgen der Digitalisierung standen besonders einfache, repetitive Arbeiten im Fokus. Tätigkeiten mit hohem Routineanteil werden in Zukunft von Computern oder Maschinen übernommen, so der Grundtenor der Experten. Beispielsweise einfache Verwaltungsaufgaben in Unternehmen oder die Fließbandarbeit in der Fertigung.

          Geistig anspruchsvolle Arbeit werde dagegen in absehbarer Zeit exklusiv dem Menschen zustehen, hieß es immer. Spätestens seit dem Erfolg von künstlicher Intelligenz in konkreten Anwendungen ist klar: Der Einsatzbereich von Maschinen ist viel breiter. Denn in vielen Fällen sind diese schlichtweg exakter und effizienter als der menschliche Verstand. Deswegen geraten nun auch zunehmend die höher qualifizierten Berufsbilder „mit weißem Kragen“ ins Visier der Digitalisierung.

          Enormes Potential

          Verschwinden werden diese Berufe nicht. Aber das Potential künstlich intelligenter Systeme ist enorm und wird von Jahr zu Jahr größer. Innerhalb der Berufe werden die Karten neu gemischt: Software kann in der Zukunft einen erheblichen Teil vieler Tätigkeiten übernehmen.

          Einer, der selbst die Grundlage für die Digitalisierung hochqualifizierter Tätigkeiten legt, ist der Unternehmer und Professor Rainer Thome. Seine Würzburger Firma IBIS AG ist seit mehr als zwanzig Jahren in der betrieblichen Informationsverarbeitung tätig. Vor etwa drei Jahren meldete sich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC bei der kleinen Forschungsboutique mit 35 Mitarbeitern. Der Grund: Schon seit vielen Jahren wird in Würzburg an der Entwicklung intelligenter Systeme geforscht.

          So hat das Unternehmen wertvolles Wissen angesammelt, das nun die Digitalisierung der Wirtschaftsprüfungssparte des Konzerns vorantreibt: „Bei der Prüfung von Unternehmen ergeben sich durch den Einsatz moderner Technologien neue Möglichkeiten. Dank der Digitalisierung können Geschäftsvorfälle nahezu vollständig analysiert werden - und zwar in kürzerer Zeit als bei herkömmlichen Prüfungstechniken“, sagt Petra Justenhoven, Vorstand und Leiterin des Bereichs Wirtschaftsprüfung in Deutschland.

          „Zigtausende von Regeln“

          An Thomes IBIS AG hält PWC inzwischen 25 Prozent. Die Forschungsfirma hat sich auf SAP spezialisiert - den deutschen Marktführer für sogenannte ERP-Systeme. Das sind Programme, die Unternehmen helfen, den Einsatz ihrer Ressourcen möglichst effizient zu steuern. Gemeinsam haben PWC und IBIS eine Software entwickelt, die die unternehmensspezifische Ausgestaltung und die Inhalte von SAP-Systemen automatisiert analysiert.

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