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Firmenberater nimmt Auszeit : „Ich habe quasi in der Küche gelebt“

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Schweißtreibend: Nach zweieinhalb Stunden muss ein Rezept fertig gekocht sein. Bild: dpa

Entspannung trotz Perfektionismus, Zeitdruck und 14-Stunden-Tag: Unternehmensberater Thomas Schnarr hat sich eine Auszeit genommen – und sich in Frankreich zum Koch ausbilden lassen. Ein Interview.

          Für kurze Zeit das Hobby zum Beruf machen: Das hat Thomas Schnarr verwirklicht. Der Partner der Unternehmensberatung Oliver Wyman in Frankfurt hat sich frei genommen und sich an einer französischen Kochschule ausbilden lassen.

          Herr Schnarr, was für eine Ausbildung haben Sie genau gemacht?

          Ich habe einen sechswöchigen Intensivkurs an einer Kochschule in Paris absolviert, in dem die Basiskenntnisse der französischen Küche vermittelt wurden. Ich habe dort unter anderem gelernt einen Fond herzustellen, einen Fisch zu filetieren und ein Hähnchen auszunehmen. Es wurden auch viele klassische Rezepte vermittelt. Ich war vorher schon begeisterter Hobbykoch, hier wollte ich eine höhere Stufe erreichen.

          Andere Leute legen sich in ihrer Auszeit auf das Sofa, Sie arbeiten weiter. Haben Sie sich trotzdem entspannt?

          Es gibt den schönen Spruch, dass die beste Entspannung ein sanfter Zug in eine andere Richtung ist. Für mich war es extrem hilfreich, in eine ganz andere Welt einzutauchen. Ich habe in diesen Wochen quasi in der Küche gelebt. An manchen Tagen waren wir von acht Uhr morgens bis zehn Uhr abends aktiv. Da habe ich überhaupt nicht an meinen normalen Beruf gedacht. Und jetzt mache ich mit meiner Familie Urlaub in Spanien, das ist eine gute Kombination.

          Was hat Ihnen besonders gut gefallen?

          Ich habe viele Dinge mitgenommen, die mir neue Energie für meinen Arbeitsalltag gegeben haben. Die Lehrer waren sehr motiviert. Viele von ihnen waren Sterneköche mit 20, 30 Jahren Erfahrung, die trotzdem jeden Tag mit einer unglaublichen Freude an ihre Arbeit gegangen sind. Außerdem hat mich der Perfektionismus der französischen Küche inspiriert. Dort hat man den Mut zu sagen: „Diese Zabaione ist nichts geworden, ich fange nochmal von vorne an.“

          Die erste Kochjacke: Unternehmensberater Thomas Schnarr hat früher schon gerne gekocht. In der Kochschule sind ihm Crêpes Suzette am besten gelungen.

          Und was ist Ihnen schwergefallen?

          Ich habe mich mit dem Zeitdruck schwergetan, der in der Küche herrscht. Die Herausforderung ist, dass man jedes Rezept innerhalb von zweieinhalb Stunden nachkochen muss. Danach muss die Küche aufgeräumt werden, damit die nächsten Schüler kochen können. Wenn man sich nicht konzentriert, kommt man leicht in Verzug. Ich habe viel daran gearbeitet, mich nicht zu sehr zu stressen, sondern geduldig und effizient weiterzuarbeiten. Das nehme ich auch für meine Arbeit als Unternehmensberater mit.

          Haben Sie noch etwas in der Ausbildung gelernt, das Ihnen in ihrem Job helfen könnte?

          In der französischen Küche wird jedes Detail beachtet. Wenn ich einen Aspekt vergesse, kann das Gesamtergebnis scheitern. Und es geht nicht nur um den Geschmack oder das Aussehen, sondern um den Gesamteindruck auf den Kunden, der das Gericht am Ende isst. Das lässt sich gut auf die Unternehmensberatung übertragen. Da kommt es nicht nur auf die fachlich richtige Antwort an. Wichtig ist auch, dass sich unser Kunde gut behandelt fühlt. 

          Wollen Sie jetzt nach Ihrer Auszeit ein Restaurant eröffnen?

          Hauptberuflich werde ich nicht kochen, denn im Kochgewerbe zählt Erfahrung eine ganze Menge. Aber vielleicht kann ich ab und zu einen kleinen Cateringauftrag am Wochenende machen. Und ich habe mir vorgenommen, dass ich mal in einem Restaurant in der Küche aushelfe und in der Vorbereitung mitarbeite.

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