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Kein Job fürs ganze Leben : Jüngere wechseln ihren Arbeitgeber rasch

Der erste Job ist nicht zwingend der Job fürs Leben: Jungarbeitnehmerin in einer Uhrenwerkstatt. Bild: dapd

Die erste Stelle soll direkt die richtige sein - fürs ganze Leben. Mit dieser Vorstellung starteten einst die heute Älteren ins Berufsleben. Das hat sich völlig geändert; die Jüngeren haben sich diese Illusion längst abgeschminkt.

          Jüngere Arbeitnehmer haben sich den Gedanken abgeschminkt, dass ihr erster Arbeitgeber sie durch ihr gesamtes Berufsleben begleiten wird. Der Arbeitsmarkt ist in den vergangenen Jahren flexibler geworden und das wirkt sich vor allem auf die Beschäftigungsverhältnisse von Berufseinsteigern aus, wie eine neue Studie herausgefunden hat. Demnach hat sich das durchschnittliche Arbeitsverhältnis von Personen unter 30 Jahren um 22 Prozent verkürzt. Waren die Geburtenjahrgänge 1960/61 noch 834 Tage bei einem Arbeitgeber beschäftigt, kam die Kohorte 1978/79 nur auf 652 Tage. Betrachtet man dagegen alle Altersklassen zusammen, ist die durchschnittliche Beschäftigungsdauer mit zehn Jahren über die Zeit stabil geblieben.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Auch unter den jungen Erwachsenen gibt es enorme Unterschiede. Während die Hochschulabsolventen nicht nur die mit Abstand längste Beschäftigungsdauer aufweisen und auch den geringsten Rückgang im Generationenvergleich (von 1620 auf 1556 Tage), trafen die Veränderungen die Geringqualifizierten am stärksten. Kamen Personen ohne Abschluss der Jahrgänge 1960/61 noch auf 710 Tage, waren es in der Gruppe 1978/79 gerade einmal noch 408 Tage.

          „Unsere Ergebnisse sind ein Hinweis darauf, dass eine Verlagerung oder Umverteilung von Beschäftigungsrisiken hin zu jüngeren Beschäftigten stattgefunden hat“, sagte Thomas Rhein, einer der beiden Studienautoren vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der F.A.Z. Ein Grund für die Entwicklung seien gesetzliche Änderungen wie die Erleichterung von Befristungen zu Beginn des Jahrhunderts. Während 1998 rund 13,5 Prozent der Arbeitnehmer zwischen 20 und 29 Jahren einen befristeten Arbeitsvertrag hatten, waren es zehn Jahre später schon 22 Prozent. Viele Arbeitgeber nutzten das Instrument der Befristung wie eine verlängerte Probezeit, sagte Rhein. Dafür spricht, dass laut IAB rund die Hälfte der mit einem Auslaufdatum versehenen Arbeitsverträge im Anschluss entfristet werden.

          Gering qualifizierte Arbeitnehmer bleiben oft nur recht kurz bei einem Arbeitgeber.

          Die Entwicklung gebe Anlass zu gewisser Sorge, sagte Rhein, „aber sie sind noch kein Anlass, um großartig Alarm zu schlagen“. Schließlich weise Deutschland trotz im internationalen Vergleich noch immer die geringste Jugendarbeitslosigkeit auf. Außerdem geben die Autoren zu bedenken, dass der Untersuchungszeitraum einige schwierige Phasen am Arbeitsmarkt umfasst, wie etwa die hohe Arbeitslosigkeit nach der Ölpreiskrise, nach der Wiedervereinigung oder nach dem Zusammenbruch des neuen Marktes um die Jahrtausendwende. Deshalb sei offen, ob sich der Trend angesichts des zuletzt robusten Arbeitsmarktes und des demographischen Wandels fortsetze.

          Über einen weiteren Wandel in der Arbeitswelt berichtet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Nach dessen neuesten Ergebnissen arbeiten in Deutschland immer weniger Menschen von zu Hause aus, obwohl dies in der Debatte über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie immer wieder gefordert wird. Laut DIW gingen im Jahr 2012 rund 4,7 Millionen Deutsche ihrer Arbeit überwiegend oder gelegentlich in den eigenen vier Wänden nach. Das waren 800.000 Menschen weniger als im Jahr 2008. Die Heimarbeit sank demnach nicht nur flächendeckend, sondern auch unabhängig von Beruf, Geschlecht oder Familienstand.

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