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Karriere : Weibliche Chefs haben es schwer

Einsam an der Spitze Bild: Foto Franz Pfluegl

Nicht nur schaffen wenige Frauen den Sprung in die Chefetage. Sie verdienen auch weniger und haben seltener Kinder als die männlichen Kollegen. Eine neue Studie zeigt, dass sich die Zahlen seit dem Jahr 2000 kaum verbessert haben.

          Weibliche Chefs haben es in vielerlei Hinsicht schwerer als ihre männlichen Kollegen. Wie aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hervorgeht, nimmt ihre Präsenz in der Unternehmensführung nicht nur mit jeder Ebene und zunehmender Unternehmensgröße ab. In Einheiten mit mehr als 500 Mitarbeitern liegt der Frauenanteil in der obersten Ebene bei 4 Prozent. Damit habe sich die Quote im Vergleich zur Erhebung aus dem Jahr 2000 kaum erhöht, sagte Corinna Kleinert, eine der Autoren.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Eklatantes Missverhältnis

          Im Bankgewerbe und bei Versicherern sind sogar nur 2,5 Prozent der Vorstandssitze mit Frauen besetzt, zeigt eine zeigtlich veröffentlichte Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Bei großen Banken und Sparkassen beträgt der Frauenanteil in Aufsichtsräten 15 Prozent, bei Versicherern elf Prozent.

          „Damit besteht ein eklatantes Missverhältnis zwischen dem hohen Anteil weiblicher Beschäftigter in der Finanzbranche insgesamt und ihrer Repräsentanz in den Top-Entscheidungsgremien“, schrieb das DIW. Dass in den meisten Aufsichts- oder Verwaltungsräten eine Frau vertreten ist, gehe überwiegend auf die Entsendung durch Arbeitnehmervertretungen zurück.

          Teilzeit als Karrierefalle

          Die IAB-Forscher haben außerdem festgestellt, dass Frauen auch beim Einkommen gegenüber Männern deutlich schlechter gestellt sind. Ein Grund dafür sei, dass sich Frauen nur selten für technische Berufe entscheiden, die in der Regel überdurchschnittlich vergütet werden. Außerdem arbeiten sie weniger Wochenstunden als Männer.

          Die Autorinnen kommen zu dem Ergebnis, dass für Frauen in Führungspositionen Familie und Beruf weitaus schwieriger zu vereinbaren sind als für Männer. Während die Partnerinnen von männlichen Chefs größtenteils teilzeitbeschäftigt oder nicht erwerbstätig seien, gingen im umgekehrten Fall die Partner weiblicher Führungskräfte in der Regel einer Vollzeitbeschäftigung nach.

          Als Konsequenz lebe nur jede dritte Chefin in einer Familie mit Kindern. Bei Männern dagegen sei der Anteil mit 53 Prozent deutlich höher. Die IAB-Forscher fordern deshalb Unternehmen und Gesetzgeber auf, flexiblere Arbeitsbedingungen zu schaffen. „Bessere Möglichkeiten der Kinderbetreuung könnten eine längere Unterbrechung im Job verhindern und damit die Karrierechancen von Frauen deutlich erhöhen.“

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