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Streitgespräch : „Junior, wir müssen reden“

  • -Aktualisiert am

Bodo Schaefer (42 Jahre alt, vorne), Seniorpartner der Unternehmensberatung Capco im Streitgespräch mit Berater Florian Bruse (27 Jahre, hinten). Bild: Edgar Schoepal

Was wollen jüngere Kollegen? Ein Streitgespräch zwischen zwei Beratern, die in ihrer Belegschaft unterschiedliche Generationen vertreten.

          Der Generation Y wird nachgesagt, sie stelle die Älteren ständig in Frage. Finden Sie auch?

          Bodo Schaefer: Ich würde weniger von „Generation Y“ sprechen, eher von „Generation Why-Me“. Wegen der Einstellung: „Wieso sollte ich Gesellenarbeit machen? Ich bin hier, um Meister zu sein!“ Da muss ich sagen: nein, während der ersten Jahre nicht.

          Florian Bruse: Es stimmt, wir wünschen uns schnell große Verantwortung bei Projekten, wollen mitreden und zügig aufsteigen. Der Respekt vor Hierarchien gilt nicht mehr als gegeben.

          Wozu führt das konkret?

          FB: Im Studium lernt man, alles kritisch zu hinterfragen – und im Job kommt die Hierarchiedenke der Älteren dazu. Dann heißt es plötzlich: Ich bin dein Vorgesetzter und habe recht.

          BS: Lehrjahre sind keine Herrenjahre, hieß es mal. Heute erwarten viele, dass die Verantwortung, die sich meine Generation erarbeiten musste, von Beginn an selbstverständlich ist. Das Wertesystem hat sich verschoben, das ist ein Treiber für Konflikte.

          Welche Konflikte sind das?

          BS: Zum Beispiel die Einsicht, dass man sich beweisen muss, bevor der nächste Karriereschritt kommt. Wer sein Handwerk lernt, muss auch mal Hilfsarbeiten erledigen, etwa Protokolle verfassen. Einige sagen: „Warum ich? Dafür habe ich nicht studiert.“

          FB: Da gebe ich dir recht, Basics gehören auf jeden Fall dazu.

          Was ist Ihnen als junger Mitarbeiter im Job wichtig?

          FB: Für mich steht ganz oben die Lernkurve, dann kommt die Karriereperspektive. Und obwohl es oft heißt, die Generation Y lege mehr Wert auf Selbstverwirklichung als auf Geld, zählt natürlich auch das Gehalt.

          BS: Beim Thema Geld argumentiert ihr, wie es gerade passt. Wenn es um die Gehaltserhöhung geht, heißt es: Wir verdienen zu wenig. Wenn ein Bonus ansteht, heißt es: Geld ist nicht alles, was ist mit der Work-Life-Balance? Das ist Rosinenpickerei.

          ... und sehr selbstbewusst.

          BS: Bewerber wissen, wie gefragt sie auf dem Markt sind. Auch deswegen kommt es immer öfter vor, dass jemand einen Vertrag unterschreibt und dann nicht auftaucht. Auf einen festen Job war man früher stolz, heute ist er in unserer Branche kaum etwas wert.

          FB: Gut ist es nicht, aber es stimmt. In Sachen Recruiting legen sich die Arbeitgeber entsprechend ins Zeug, manchmal mit mehrtägigen Events. Da gibt es Bewerber, die denken, das nehme ich alles mit und gehe dann zum Meistbietenden.

          BS: Im Alltag ruhen sich nicht wenige auf ihrer Jobsicherheit aus, nach dem Motto: Was soll’s, regt der Chef sich halt über einen Fehler auf, ich kann ja woanders anfangen. Schließlich ruft jede Woche ein Headhunter an.

          FB: Es fühlt sich tatsächlich leicht an, einen neuen Job zu finden. Das kann aus anfangs noch demütigen Bewerbern eine Diva machen. Da stellt sich beim Arbeitgeber verständlicherweise die Frage nach dem Commitment.

          Andere Einstellung zur Work-Life-Balance: Juniorpartner Florian Bruse (27 Jahre).

          BS: Die Einstellung spiegelt sich auch in kleinen, gravierenden Fehlentscheidungen. Der letzte Brückentag war so ein Beispiel: Statt morgens um sechs in den Zug zu steigen und zum Kunden zu fahren, hat ein junger Kollege für sich entschieden, Homeoffice zu machen. Der Kunde, der näher an meiner Generation ist, fand das gar nicht gut.

          FB: Aber hätte man das früher anders gemacht?

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