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Zuzug aus Rumänien : Der Aufstieg der Einwanderin

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Hat große Pläne für die Zukunft: Anca Popa in ihrer Düsseldorfer Wohnung. Bild: Schoepal, Edgar

Seit einem Jahr dürfen Rumänen ohne Auflagen nach Deutschland ziehen. Anca Popa ist eine von ihnen. Hier will sie Karriere machen. Es wird ihr sehr wahrscheinlich gelingen.

          Anca Popa sitzt am Esstisch ihrer Wohnung in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs und macht Pläne. Gut zwei Monate ist die 30 Jahre alte Rumänin jetzt in Deutschland. Und sie hat viel vor: „Im Januar mache ich erst mal meine erste Deutschprüfung, dann überarbeite ich meinen Lebenslauf, und dann suche ich einen Job.“ Popa ist eine von 130.000. So viele Rumänen und Bulgaren, schätzt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, sind nach Deutschland eingewandert, seit zum 1. Januar 2014 die Personenfreizügigkeit auf die beiden osteuropäischen Länder ausgedehnt wurde. Das sind beinahe doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Mittlerweile deutet viel darauf hin, dass es vor allem den Rumänen überdurchschnittlich gut gelingt, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

          Doch als im Januar die letzten Schranken fielen, ging das nicht ohne Debatte ab. Wenn Anca Popa vor einem Jahr schon Deutsch gekonnt hätte, dann hätte sie vielleicht in einem Café in Bukarest eine deutsche Zeitung durchgeblättert und gelesen: über die CSU-Kampagne „Wer betrügt, der fliegt“, die suggerierte, osteuropäische Einwanderer hätten hauptsächlich vor, das Sozialsystem zu missbrauchen; über Armutseinwanderung, Bettler in deutschen Einkaufspassagen und Politiker, die wegen der Personenfreizügigkeit für Rumänen und Bulgaren den Zusammenbruch der Städte beschworen.

          Aber vor einem Jahr konnte Anca Popa noch kein Deutsch. Deswegen ist die Debatte über die Einwanderung weitgehend an ihr vorbeigegangen. „Ich habe überhaupt nicht darüber nachgedacht, wie ich hier aufgenommen werde“, sagt sie, „mein Plan war ganz simpel: herziehen, Deutsch lernen, einen guten Job finden.“ Mit dem Deutschlernen ist Popa schon auf einem guten Weg. Jeden Vormittag geht sie vier Stunden zum Sprachunterricht, nachmittags macht sie Hausaufgaben. Mit der Arbeitssuche will sie im nächsten Jahr beginnen; sie träumt von einer Stelle in einer Werbeagentur.

          Zigeuner, die nur betteln und stehlen

          Natürlich weiß Popa mittlerweile, welche Vorurteile in Deutschland über ihre Landsleute kursieren: „Einige denken, wir seien alle Zigeuner, die nichts können außer betteln und stehlen.“ Nichts zu machen, sagt sie und streicht ihr Kleid glatt, „außer zeigen, dass das auf mich nicht zutrifft“. Überhaupt: Auf die Roma, die einen Teil der rumänischen Einwanderer ausmachen, ist sie nicht gut zu sprechen: „Ein paar kenne ich, die machen ehrliche Arbeit. Aber es sind wenige.“ Die Deutschen findet sie dagegen sehr nett. „Es hat noch niemand das Gesicht verzogen, wenn ich gesagt habe, wo ich herkomme“, sagt sie. Dann kräuselt sie die Lippen und überlegt kurz: „Und wenn das doch mal passiert, werde ich schon damit klarkommen.“

          Es fällt leicht, das zu glauben, wenn man ihr zuhört. Alles an Popa strahlt Zielstrebigkeit aus: von den flüssigen englischen Sätzen, mit denen sie ihre Geschichte erzählt, über das sorgfältige Make-up und das adrette bunte Kleid. In ihrem bisherigen Leben folgte ein Schritt schlüssig auf den anderen. Und sie wollte schon immer vorne mit dabei sein. „Es ist ein Glück, dass der Kommunismus vorbei ist“, sagt sie, „sonst hätte ich vielleicht mitgemacht. Die Zielstrebigkeit, sagt Popa, hat sie von ihren Eltern.

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