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Junior Professional Officers : Raus in die Welt

Anne Wittenberg Bild: Linda Dreisen

In internationalen Organisationen Karriere machen - das hört sich spannend an. Aber wie kommt man überhaupt dorthin? Fünf Beispiele aus Genf.

          Das Zentrum der französischsprachigen Schweiz zählt zu den teuersten Städten der Welt, die Seelage und der nahe Mont Blanc bescheren der Region einen hohen Freizeitwert. Die nach Zürich mit 200.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt des Landes beherbergt neben den bekanntesten Uhrenherstellern auch rund 25 internationale Organisationen. Vor allem ist sie neben New York, Wien und Nairobi Sitz der Vereinten Nationen und Standort für die Büros zahlreicher Unterorganisationen. Damit deutsches Personal vor Ort angemessen vertreten ist, hat die Bundesregierung mit vielen Organisationen „Abkommen zur Förderung von deutschen Nachwuchskräften“ geschlossen. Was auf deutsch etwas technokratisch Beigeordnete Sachverständige heißt, ist international bekannt unter der Abkürzung JPO: Junior Professional Officers. Im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums wählt das „Büro Führungskräfte zu Internationalen Organisationen“ (BFIO) nach einem mehrstufigen Verfahren die Kandidaten aus, die den Organisationen vorgeschlagen werden. Gefragt sind Akademiker aus fast allen Bereichen, von Juristen über Sozial- und Politikwissenschaftler sowie Ökonomen bis hin zu Naturwissenschaftlern und Ingenieuren. Gefordert werden unter anderem verhandlungssichere Kenntnisse in Englisch sowie in einer der anderen Amtssprachen der Vereinten Nationen (Französisch, Spanisch, Arabisch, Russisch, Chinesisch), von deutschen Bewerbern auch Berufserfahrung. Außerdem gilt eine Altersgrenze von 32 Jahren. Die Bezahlung läuft über das UN-Vergütungssystem, das Grundgehalt beträgt 44.500 Dollar (rund 30.000 Euro); hinzu kommen standortabhängige Zulagen. Für ein teures Pflaster wie Genf kann somit nahezu das Doppelte herauskommen. Der Vertrag läuft über ein Jahr, eine Verlängerung um ein weiteres ist möglich.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Am liebsten Südsudan
          Ausgerechnet Sudan. Genauer gesagt: Südsudan. „Das ist ein ganz neues Land und sehr spannend“, sagt Anne Wittenberg, „da würde ich sehr gerne hingehen.“ Die Bewerbung hat sie eingereicht. Wenn alles klappt, dann kann die 32-Jährige im Herbst ihre Koffer packen und im jüngsten Staat Afrikas ihre neue Stelle antreten. In einem Land, in dem fast alles neu aufgebaut werden muss. Auch die Vereinten Nationen, rund um den Globus präsent, betreten dort Neuland. Wittenberg will raus und sie muss auch raus. Seit zwei Jahren macht sie in Genf Öffentlichkeitarbeit für UNFPA, das Bevölkerungsprogramm der Vereinten Nationen. Um ihre Chancen auf eine anschließende Festanstellung zu erhöhen, muss sie im dritten Jahr die beschauliche Schweiz verlassen und „raus ins Feld“, wie das in der Organisation heißt. Dass sie raus will, hat die im fränkischen Lauf aufgewachsene Frau schon während ihres Soziologiestudiums gemerkt. Sie nahm teil an einer Konferenz in Brüssel, „und damit war mein Berufswunsch klar“. Sie sammelte anschließend Erfahrungen durch ein Praktikum im Büro einer Europa-Parlamentarierin, das sie nach dem Abschluss fünf Jahre lang leitete.

          „Nach Brüssel wollte ich eine Stufe weitergehen und die logische Konsequenz waren für mich die Vereinten Nationen“, erzählt sie. Frauen- und Entwicklungsthemen haben sie früh interessiert, da lag der Wechsel zu UNFPA nahe. Es bringt sie in Rage, dass 99 Prozent der Müttersterblichkeit auf Entwicklungsländer entfallen und dass ein notwendiger Kaiserschnitt vielerorts wegen der fehlenden medizinischen Versorgung immer noch einem Todesurteil für die Mutter gleichkommt. Deshalb hat UNFPA mobile Kliniken zur Geburtshilfe: Zelte, die zum Beispiel in Flüchtlingslagern aufgebaut werden.

          Kai Sülzle

          Und wenn der Südsudan nicht klappt? Wittenberg hat sich auch für einen Einsatz in Afghanistan beworben. Diesen Fall, räumt sie ein, sieht dann auch ihre Familie kritisch, die sie sonst sehr unterstützt. „Meine Schwester sagt, mir fehle die nötige Angst für einen solchen Einsatz.“ In den Südsudan oder nach Afghanistan können keine Mitarbeiter mit Familien gehen. „Das empfinde ich als die größte Entbehrung in meinem Beruf“, sagt Wittenberg. Die hohe Flexibilität und die mangelnde Planbarkeit lassen die Gründung einer eigenen Familie momentan einfach nicht zu. Noch entschädige sie ihre Arbeit jedoch reichlich für diese Entbehrungen: „Man bekommt unheimlich viel zurück.“

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