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Einst McKinsey-Partner, heute Chef der Deutschen Post: Frank Appel Bild: Reuters

Manager-Lebensläufe : Jeder fünfte Dax-Chef begann seine Karriere als Unternehmensberater

Wie haben sich deutsche Spitzenmanger nach oben gearbeitet? Eine Studie hat die Lebensläufe von 170 Vorstandschefs genauer untersucht.

          Der Beruf des Unternehmensberaters gilt seit langem auch als Sprungbrett für spätere Konzern-Karrieren. Wie viele Vorstandschefs tatsächlich ihre Karriere als Unternehmensberater begonnen haben, zeigt eine neue Studie: Fast 20 Prozent aller Vorstandschefs der 170 größten an der Deutschen Börse gelisteten Unternehmen – also Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax – arbeiteten zum Berufseinstieg bei einem Beratungsunternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Personalberatung Korn Ferry, die dafür die Lebensläufe von 170 Vorstandsvorsitzenden der Dax-Unternehmen ausgewertet hat. Allein im Dax-30 haben vier Vorstandschefs ihre Karriere bei McKinsey begonnen: Oliver Bäte (Allianz), Theodor Weimer (Deutsche Börse), Frank Appel (Deutsche Post) und Stephan Sturm (Fresenius).

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Boom der Unternehmensberater in den vergangenen Jahrzehnten hätte zu dieser Entwicklung geführt, sagt Studienleiter Marcus Schneider. Dass es aber so viele seien, habe ihn dennoch „überrascht“. Im Tec-Dax seien sogar 26 Prozent der heutigen Unternehmenslenker nach dem Studium zunächst ins Beratungsgeschäft eingestiegen. „Die Mär, Berater hätten nur gute Tipps parat und könnten keine eigenen Entscheidungen treffen, ist schon lange überholt“, sagt Schneider. Erfolgreiche Berater seien sehr gute und gefragte Analytiker.

          Die Untersuchung der Lebensläufe zeigt auch, welche Studienfächer Spitzenmanager einst gewählt haben und welche Ressorts im Vorstand als Sprungbrett zum obersten Chefposten gelten. Bei den Studienfächern dominieren mit Abstand die Wirtschaftswissenschaften. 46 Prozent aller 170 Vorstandschefs haben entweder BWL oder VWL studiert. Die Ingenieurswissenschaften folgen mit 28 Prozent auf dem zweiten Rang, Naturwissenschaftler mit rund 10 Prozent auf dem dritten. Weit abgeschlagen, rangieren inzwischen die Juristen mit rund 5 Prozent nur noch auf dem fünften Platz. Im Dax 30 sitzen nur noch zwei Juristen auf dem Chefsessel: Johannes Teyssen bei Eon und Bernd Scheiffele bei Heidelberg Cement. Anfang der neunziger Jahre war noch fast jeder dritte Vorstandschef der größten deutschen Unternehmen Jurist. Dahinter wird es exotisch. Der einzige Politologe, der es an die Spitze eines Industriekonzerns geschafft hat, ist Airbus-Chef Tom Enders.

          Airbus-Chef Tom Enders

          Erstaunlich weit verbreitet bleibt der Doktorhut in den Chefetagen im obersten deutschen Börsensegment. Zwar tragen unter den Dax-30-Vorständen nur noch rund 36 Prozent einen Doktortitel, unter den Dax-Vorstandschefs sind es aber noch über 46 Prozent. Unter den Tec-Dax-Chefs sogar mehr als 48 Prozent.

          Wer einen Chefposten eines Dax-30-Unternehmens erklimmen will, muss vorher schon Vorstandsrang erreicht haben. „Sonst kommen Kandidaten schlicht nicht in Betracht“, sagt Schneider. Nur ein einziger Dax-30-Chef war kein Vorstand, bevor er in seiner Karriere zum Chef ernannt worden ist. Die besten Chancen, einmal Vorstandschef zu werden, haben laut der Studie die Manager, die vor ihrer Krönung schon Vorstandsposten mit operativer Verantwortung getragen haben – also entweder für bestimmte Länder oder für bestimmte Produkte verantwortlich waren. Aufsichtsräte würden solche Erfahrungen bei der Auswahl sehr hoch einschätzen, weil sie damit sicher seien, Kandidaten zu bekommen, die „selbst schon einmal im Feuer gestanden“ hätten, sagt Studienautor Schneider. Weniger Chancen haben hingegen Manager in Stabsfunktionen – mit Ausnahme der Finanzvorstände.

          Die Finanzchefs gelten schon lange als aussichtsreiche Kronprinzen in den großen Aktiengesellschaften. Tatsächlich waren auch fast 27 Prozent aller heutigen Dax-Chefs zuvor Finanzvorstand. Allerdings hat der Posten im längerfristigen Zeitvergleich etwas an Bedeutung verloren. In den achtziger Jahren war noch jeder zweite Dax-Chef zuvor Finanzvorstand gewesen. Die operativen Posten haben seither im Gegenzug an Bedeutung gewonnen. Wenig Chancen haben die Vorstände für Recht und Compliance und Personal, die in der internen – meist unausgesprochenen – Ressorthierarchie meist unten rangieren. Auch die Stellvertreter des Vorstandsvorsitzenden steigen eher selten auf den obersten Chefposten auf. Nur 10 Prozent der heutigen Chefs waren vor ihrer Berufung Stellvertreter.

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          Die Analyse der Lebensläufe zeigt auch, dass altmodische Eigenschaften wie „Stallgeruch“ im deutschen Spitzenmanagement noch immer von großer Bedeutung sind. Die große Mehrheit der amtierenden Dax-30-Chefs hat den Großteil ihres Berufslebens im eigenen Unternehmen verbracht. Fast die Hälfte der Dax-30-Chefs arbeiten seit mehr als 20 Jahren im Konzern, den sie führen. Sechs Dax-Chefs sind sogar seit mehr als 30 Jahren im Konzern. Eine Studie der Personalberatung Odgers Berndtson zeigt zudem, dass die Zahl der Eigengewächse in den Vorstandsetagen in den vergangenen Jahren sogar wieder gestiegen ist.

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