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IW-Studie : Mehr Mütter nehmen Elternzeit – und gehen früher wieder arbeiten

  • Aktualisiert am

Knapp 60 Prozent aller Mütter haben im Jahr 2014 Elternzeit genommen. Bild: dpa

Deutlich mehr Mütter gehen in Elternzeit als vor zehn Jahren. Sie kehren auch früher in den Arbeitsmarkt zurück. Arbeitgeber und Gewerkschaften sehen aber weiter Probleme.

          Immer mehr Mütter nehmen Elternzeit – kehren danach aber deutlich früher in den Beruf zurück als das früher der Fall war. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln). Die Aktivität der Mütter am Arbeitsmarkt im ersten Lebensjahr des Kindes sei seit der Einführung des Elterngelds deutlich gesunken. Waren 2006 noch 22,5 Prozent der Mütter mit Kindern im Alter unter einem Jahr erwerbstätig, ohne in Mutterschutz oder Elternzeit mit null Arbeitsstunden zu sein, traf dies 2014 nur noch auf 8,5 Prozent der Mütter zu. „Der Schonraum zeigt also Wirkung“, schreibt das IW.

          Im zweiten Lebensjahr des Kindes - also zwischen erstem und zweitem Geburtstag - waren hingegen viel mehr Mütter als früher berufstätig: Es arbeiteten rund 43 statt zuvor 35 Prozent. Auch im dritten Lebensjahr nahm der Anteil berufstätiger Mütter zu.

          Die Zahlen zeigen allerdings auch, dass die Rückkehr der Frauen in Teilzeit der Normalfall geblieben ist. Bei gut ausgebildeten Frauen hat es allerdings eine Änderung gegeben, wie aus einer anderen Studie bekannt ist: Die Teilzeit umfasst bei ihnen seit Einführung des Elterngeldes häufiger mehr Stunden, haben Forscher des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) herausgefunden. Bei Akademikerinnen gilt: Die Wahrscheinlichkeit, dass sie zwei Jahre nach der Babypause in einer sogenannten „großen Teilzeit“ von 23 bis 32 Wochenstunden arbeiten, ist nach Einführung des Elterngeldes deutlich gestiegen.

          Arbeitgeber und Gewerkschaften begrüßen die Entwicklung

          Vor zehn Jahren, zum 1. Januar 2007, war das Elterngeld eingeführt worden. Das IW wies jedoch darauf hin, dass nicht abschließend geklärt werden kann, ob die staatliche Leistung für die Entwicklung verantwortlich ist. Dennoch lasse sich sagen, „dass Mütter heute deutlich früher wieder in den Arbeitsmarkt zurückkehren“.

          Arbeitgeber und Gewerkschaften begrüßten die Zahlen gleichermaßen. Der Arbeitgeberverband BDA verwies jedoch darauf, dass es für Unternehmen schwieriger geworden sei, für Mütter geeignete Vertretungen zu finden, wenn sie nach der Geburt kürzer aussetzten. „Gerade für kleinere Firmen können sich so personelle Engpässe ergeben“, sagte ein Sprecher. Befristete Arbeitsverträge und Minijobs dürften zum Ausgleich dessen nicht „diffamiert werden“.

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          Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) teilte hingegen mit, Mütter und Väter hätten weiterhin Schwierigkeiten, ihren Wünschen entsprechend in den Beruf zurückzukehren. Aus der Rechtsberatung der Gewerkschaften seien viele Fälle bekannt, in denen Arbeitgeber die Rückkehr von Müttern in Teil- oder später Vollzeit zu verzögern versuchten. „Flexibilität im Sinne der Beschäftigten“ werde vielerorts vermisst. Die Arbeitgeber seien dafür verantwortlich, flexible Lösungen zu schaffen - und etwa von einer „Präsenzkultur“ im Job abzurücken.

          Deutlicher Effekt auch für die Väter

          Die Studie des IW zeigt weiterhin, dass trotz Elterngelds rund 30 Prozent aller Mütter von Kleinkindern unter vier Jahren gar nicht erwerbstätig sind (Zahlen von 2014). Diese Zahl bezeichnete der Arbeitgebersprecher als „eindeutig zu hoch“. Den Grund dafür sah er in falschen Anreizen bei Steuern und Sozialabgaben. Etwa die beitragsfreie Mitversicherung von Partnern in der Krankenkasse und das Ehegatten-Splitting begünstigten Alleinverdiener-Familien.

          Übrigens ist auch bei den Vätern ein deutlicher Effekt der Einführung des Elterngeldes zu beobachten. Der Anteil der Väter, die sich im ersten Lebensjahr des Kindes in Elternzeit befinden ist von 0,5 Prozent im Jahr 2006 auf 3,9 Prozent 2014 angestiegen, schreibt das IW. Im zweiten Lebensjahr des Kindes war der Anteil auch 2014 mit 1,4 Prozent aber sehr gering. Viele Männer gehen der Studie zufolge weiterhin nur für einige Monate in Elternzeit (meistens die zwei Monate, die für einen längeren Elterngeldbezug nötig sind). Sie wurden deshalb von den Forschern nur entsprechend des Anteils der Elternzeit am Gesamtjahr erfasst.

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