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Gute Neue Arbeit : Was Menschen besser können als Roboter

Wichtig seien unter anderem Anerkennung, Wertschätzung für das Geleistete, „nicht nach Schema F, sondern gesehen werden als Mensch“. Ein weiterer Punkt ist das Übertragen von Verantwortung und Weiterentwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter. Was Chefs unterschätzen, ist Transparenz, sie sollten erklären und begründen, warum was gemacht und wie gerecht verteilt wird. Das trage erheblich zu einem guten Betriebsklima bei. Matyssek legt ebenso den Fokus auf Belastungsreduzierung, Schlagwort Ressourcenauf- und Stressspitzenabbau.

Nicht nur glücklicher – auch gesünder

Das macht nicht nur glücklicher, sondern auch gesünder, sagt der Arbeits- und Sozialmediziner Andreas Weber. Was gutes Arbeiten ausmacht, sieht er von Berufs wegen zunächst ganz grundsätzlich. „Man weiß einen Wert erst zu schätzen, wenn man ihn verloren hat“, sagt der leitende Arzt vom Berufsförderungswerk Dortmund. Sehr wichtig sei den Menschen die Arbeitsplatzsicherheit, das ist das Ergebnis großangelegter skandinavischer und britischer Studien. Weber nimmt dabei ausdrücklich auch den Niedriglohnsektor in den Blick und all jene, die sich nur mit mehreren kräftezehrenden Tätigkeiten über Wasser halten können. „Lohn und Gehalt spielen natürlich eine Rolle, insbesondere in niedrigen Gehaltsstufen.“

Entscheidend für die Arbeitszufriedenheit seien daneben aber auch die konkreten Verhältnisse: Wie sehen Belastungen aus? Was kriege ich dafür? „Ganz wichtig: Die Arbeitszeit muss mit den persönlichen Vorstellungen übereinstimmen. Teilzeit ist hier ein großes Thema.“ Ein eher trübes Sonderkapitel, nicht nur aus Sicht der Arbeitsmedizin, seien die Herausforderungen von Schichtarbeit und „das Anarbeiten gegen den Biorhythmus“. Ebenfalls ausschlaggebend ist die jeweilige Persönlichkeit: „Bist du von Hause aus ein anspruchsvoller Mensch, dann erwartest du von deiner Arbeit andere Dinge – natürlich auch den Aspekt der Selbstverwirklichung.“

Dem Professor liegt daran, die Eigenverantwortung in den Blick zu nehmen, wohl wissend, „dass das viele nicht so gerne hören“. Selbstkritisch sagt er: „Früher habe ich das Verhalten von Führungskräften scharf kritisiert. Seit ich selbst eine wurde, sehe ich mehr, dass viele eine eierlegende Wollmilchsau erwarten. Ich sehe zum Beispiel die Schwierigkeiten in Sandwichpositionen, sehe, wie Personalfragen zermürben können. Fürs Betriebsklima ist bitte schön nicht nur der Chef verantwortlich!“ Nichtsdestotrotz findet der Arzt es spannend, was Arbeitspsychologen in ihren Fragebogen zur Zufriedenheitsdebatte herausfinden. Relevant ist, ganz besonders in anspruchsvollen, akademischen Berufen, eigene Fähigkeiten am Arbeitsplatz anwenden zu können.

Wichtig sind Aufstiegsmöglichkeiten und die Frage, was für die Förderung von Mitarbeitern getan wird. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt sei auch die Selbstbeobachtung: Wie reagiere ich auf meine Arbeit? Fern aller Wissenschaftlichkeit gelte die alte schwäbische Weisheit: „Wer schaffen will, muss fröhlich sein.“ Aber abseits von Einzelsituationen müsse man immer wieder hinterfragen: „Gehe ich gerne hin, oder kriege ich Pickel, wenn ich nur daran denke?“

Gegen die Pickel könnte übrigens genau die Entwicklung ein wenig helfen, die dafür sorgt, dass der Wohlfühlfaktor bei der Arbeit so wichtig geworden ist: die Digitalisierung. „Wir müssen auch froh und dankbar sein, dass uns Routinen abgenommen werden“, sagt Neurobiologe Hüther. Stupides Tippen, Fließbandarbeit und Co. sind nämlich auch nicht gut fürs mentale Glück.

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