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Interne Kommunikation : Netzwerke für Kollegen

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Kommunikation mit Kollegen: Selbst das soziale Netzwerk Facebook setzt in Seattle nicht allein darauf, dass die Mitarbeiter die hauseigene Plattform nutzen. Bild: AFP

Um mit den Kunden zu kommunizieren, nutzen immer mehr Unternehmen soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook. Doch die firmeninterne Kommunikation lässt sich hierüber nicht gesichert abwickeln. Die Marktlücke wollen Anbieter sozialer Unternehmensnetzwerke besetzen.

          Der schon oft beschworene Tod der E-Mail - in deutschen Unternehmen ist er noch lange nicht abzusehen. Laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Ipsos im Auftrag des Softwareherstellers Microsoft ist die elektronische Post in 93 Prozent der deutschen Unternehmen die erste Wahl, wenn es darum geht, mit den Kollegen zu kommunizieren. Firmeninterne Intranets oder spezielle Seiten für Arbeitsgruppen nutzen 45 Prozent. Videokonferenzen per Internet und Sofortnachrichten spielen in der internen Unternehmenskommunikation für 24 Prozent beziehungsweise 12 Prozent der Befragten eine Rolle. Auf spezielle soziale Netzwerke oder Plattformen zum Bloggen haben dagegen nur bis zu 6 Prozent der Befragten Zugriff.

          Nach außen stellt sich das Bild ganz anders dar: Laut dem IT-Branchenverband Bitkom setzen über 45 Prozent aller Unternehmen Social Media schon bei der externen Kommunikation ein. Deutlich geringer ist allerdings auch laut Bitkom die Quote beim Einsatz interner sozialer Netzwerke. Selbst in der innovationsfreudigen Gruppe der Unternehmen aus der Informationstechnikbranche liegt der Einsatz von speziellen Softwarepaketen für die soziale Kommunikation bei 30 Prozent.

          Dabei entgehen den Unternehmen nach Meinung von Experten mögliche Effizienzgewinne. „Erfolge werden vor allem beim Wissensmanagement und der Verbesserung der internen Kommunikation, aber auch bei der standort- und abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit wahrgenommen“, sagt Tobias Arns, Bereichsleiter Social Media & Mobile beim Bitkom. Und die Unternehmensberatung McKinsey schätzt die Effizienzsteigerung in der Gruppe der „Knowledge Worker“, der sogenannten Wissensarbeiter, durch den geschäftlichen Einsatz sozialer Medien auf 20 bis 25 Prozent. Vor allem die Bearbeitung der noch so beliebten E-Mails frisst derzeit viel Zeit, die Mitarbeiter sparen könnten. Würden wichtige und an viele gerichtete Nachrichten nicht in Postfächern verschwinden, sondern über offene Kommunikationskanäle verbreitet, käme dies auch der Informationsbeschaffung und der Zusammenarbeit zugute.

          Soziale Plattformen sind für die IT schwer zu kontrollieren

          Allerdings tun sich viele Unternehmen aus Sicherheitsgründen oft schwer damit, Diskussionen auf sozialen Plattformen für die Allgemeinheit stattfinden zu lassen, weil diese für die hauseigene IT-Abteilung schlecht kontrollierbar sind. Andererseits sind Intranet-Anwendungen, die in vielen Unternehmen schon vorhanden sind, oft nicht genügend akzeptiert. Sie setzen den Menschen als Akteur zu wenig in den Mittelpunkt. Stattdessen sind die internen Internetseiten der Unternehmen mit ihren Blogs und Diskussionsforen, Dokumentenmanagement und integrierten Geschäftsanwendungen zu sehr auf Inhalte fixiert und im kommunikativen Aufbau zu statisch.

          Doch immer mehr Internetunternehmen wollen diese Marktlücke nun besetzen. So hat etwa Microsoft vor einem Jahr das soziale Unternehmensnetzwerk Yammer für 1,2 Milliarden Dollar gekauft. Und auch andere Spieler tummeln sich auf dem Markt der professionellen Netzwerke, etwa der kalifornische Softwarehersteller Tibco. Mit seinem Dienst Tibbr will das Unternehmen ein soziales Netzwerk für den Arbeitsplatz sein. Seit dem Start im Januar 2011 sind nach Angaben von Tibco 1,5 Millionen Menschen in 104 Ländern Mitglied des Netzwerks geworden. Unter anderem nutzen der Bus- und Lastwagenhersteller Scania und die Unternehmensberatung KPMG das Netzwerk.

          Dabei sei der einfache und schnelle Austausch von Nachrichten nur ein Teilbereich der sozialen Firmennetze, sagt Ram Menon, der den Geschäftsbereich Social Computing bei Tibco leitet. Ebenso wichtig sei die Herausforderung, vorhandene Anwendungen und Unternehmensinfrastruktur in die neuen sozialen Firmennetze zu integrieren. Nach Angaben von Menon hat Tibbr dem Konkurrenten Yammer dabei schon einen Teil seiner Nutzer abjagen können. Rund drei Viertel aller Tibbr-Kunden seien ehemalige Yammer-Nutzer, sagt Menon.

          Auch auf dem Markt für soziale Unternehmensnetzwerke besteht mithin Konkurrenz- und Innovationsdruck. Tibco setzt dabei sogar teilweise darauf, sich den direkten Mitbewerbern zu öffnen. Wie das Unternehmen in der vergangenen Woche ankündigte, werde es in das Tibbr-Netzwerk nun auch unternehmensfremde, aber bei den Nutzern durchaus beliebte Videokonferenztechnik einbinden. So soll das Netzwerk nicht nur Googles Videoanwendung „Hangouts“ unterstützen, sondern sogar den inzwischen zu Microsoft gehörenden Internettelefoniedienst Skype einbinden. Gerade die Integrationsfähigkeit der verschiedenen Softwarequellen biete die Chance, in sozialen Unternehmensnetzwerken die Kommunikation produktiv zu gestalten, ist Menon überzeugt.

          Soziale Unternehmensnetzwerke wie Tibbr, Yammer oder Jive können dabei nicht nur zur aktuellen Information beitragen. Sie dienen auch dazu, Prozesse zu dokumentieren oder zu speichern, welche Überlegungen und Bedingungen die Arbeitsergebnisse beeinflusst haben. Das bleibt bei der reinen Speicherung von prozessrelevanten Dokumenten in Datenbanken oft unerwähnt. Solche Wortmeldungen, die einerseits als bekannt vorausgesetzt werden und andererseits ein eher emotionales Grundrauschen bilden, gehören in sozialen Netzwerken aber eben von Natur aus dazu.

          Der Rückgriff auf diese Informationen kann aber auch im professionellen Umfeld wichtig sein - etwa wenn in einem Unternehmen die Aufgaben neu verteilt oder neue Mitarbeiter eingestellt werden, aber gleichzeitig zum Beispiel die Kundenbetreuung kontinuierlich gestaltet werden soll. Auch hier unterscheiden sich professionelle Netzwerke von Konkurrenten aus dem Privatbereich: Damit Mitarbeiter effektiv mit den gespeicherten Daten arbeiten können, braucht es eine Ordnung, die darüber hinausgeht, einfach nur zu Kollegen Kontakt aufzunehmen oder ihnen zu folgen. Befreunden allein reicht nicht.

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