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Interimsmanager : Chef auf Abruf

Zwischenlösung oder Feuerwehrmann: Was ist reizvoll am Beruf des Interimsmanagers? Bild: dpa

Wenn eine Krise herrscht oder eine Lücke zu füllen ist, kommen oft Interimsmanager in Unternehmen – nicht immer ein dankbarer Weg an die Spitze.

          Sein erster Arbeitstag als Interimsmanager liegt jetzt fast 5 Jahre zurück. Tasso Enzweiler, damals 49 Jahre alt, übernahm im Winter 2014 ganz kurzfristig in einem Unternehmen für einige Monate den Posten eines Hauptabteilungsleiters. „Ich bin da reingerutscht“, sagt er heute: „Ein bisschen kam ich dazu wie die Jungfrau zum Kind.“ Enzweiler hatte sich damals gerade erst als Management-Berater selbständig gemacht: Ein Freund, der für einen Vermittler von Interimsmanagern arbeitete, suchte jemanden für einen großen Pharmahersteller. Der Zeitdruck war groß, das Unternehmen hatte sich gerade überraschend von einem Manager getrennt und brauchte dringend Ersatz. Eine Zwischenlösung sollte die Chefetage entlasten, damit in Ruhe der richtige und dauerhafte Nachfolger gefunden werden konnte.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als der Freund fragte, ob der Job für ein paar Monate nichts für ihn sei, überlegte Enzweiler kurz und sagte zu. Seine Neugier hatte gesiegt. Bis heute hat er den Sprung ins kalte Wasser nicht bereut. Im Gegenteil: Er hat Spaß an solchen Wagnissen gefunden. Inzwischen hat er schon vier weitere Male den Posten eines Interimsmanagers übernommen. Derzeit arbeitet er als Chef für eine Tochtergesellschaft des Verlagshauses Hoffmann und Campe; dort ist er noch bis Juni 2019 unter Vertrag. So wie Tasso Enzweiler geht es vielen. Sie rutschen irgendwie rein ins Interimsmanagement. Ein Traumberuf ist der Job für kaum einen Jugendlichen. Man kann den Beruf auch nur schwer gezielt ansteuern; in Frage kommen für den Posten nur Leute, die schon zuvor viele Jahre Führungserfahrung gesammelt haben. Die allermeisten sind älter als 40 Jahre, ehe sie mit dem Beruf beginnen. Mehr als 9000 Interimsmanager arbeiten nach Angaben des Branchenverbandes DDIM gegenwärtig in Deutschland. Für Stellen als Interimsmanager ist ein eigener Markt entstanden, der seit Jahren kontinuierlich wächst. Vor fünf Jahren waren es erst 6200. Allein in diesem Jahr, so schätzt der Verband, sind nochmals 500 neue hinzugekommen.

          Feuerwehrmänner im Management greifen oft härter durch

          Ein typischer Interimsmanager übernimmt einen Führungsposten für 6 bis 18 Monate, in Sanierungsfällen auch mal etwas länger. Die großen Personalberatungen halten sich aus dem Geschäft raus, sie konzentrieren sich auf die gründliche und oft zeitraubende Suche nach den dauerhaften Kandidaten. Die Suche nach Übergangskandidaten überlassen sie Spezialvermittlern wie Atreus, EIM, Robert Half, Ludwig Heuse, Management Angels und Aurum Interim.

          Gründe, warum Unternehmen Übergangskandidaten suchen, gibt es viele: Manchmal muss ein Unternehmen im Todesfall eines Managers schnell einen Ersatz suchen, um erst einmal Zeit zu gewinnen. In Krisenfällen sind Interimsmanager auch als eine Art Feuerwehrmänner gefragt: Oft sind externe Spezialisten nötig, die nicht stark im Unternehmen verankert sind und sich daher auch in heikler Mission leichter tun. Sie können mit harter Hand durchgreifen, weil sie niemandem im Unternehmen verpflichtet sind. So kann der richtige Nachfolger später unbelastet seinen Dienst beginnen. Wenn zum Beispiel ein Konzern eine Tochtergesellschaft abspaltet, werden viele der obersten Posten dort oft mit Übergangsmanagern besetzt. Oft zögern die ehrgeizigsten Manager des Mutterkonzerns, solche Posten zu übernehmen, weil sie lieber im Mutterhaus ihre Karriere fortsetzen wollen. Hinzu kommt, dass neue Investoren später auch ihre eigenen Manager installieren wollen, ohne hohe Abfindungen zahlen zu müssen.

          Viel geredet wird über Interimsmanager nicht – nur selten gelangen sie überhaupt in die Schlagzeilen. Das war in diesem Sommer bei Audi der Fall. Dort musste ganz oben an der Unternehmensspitze eilig ein Ersatzmann her, als der bisherige Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler wegen Verdunkelungsgefahr im Diesel-Skandal festgenommen wurde. Der als Zwischenlösung vorgesehene Bram Schot bleibt nun sogar dauerhaft – auch so etwas kommt manchmal vor.

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