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Windkraft : Neuland auf hoher See

Stützen der Energiewende: Bauteile lagern auf dem Werftgelände in Rostock. Bild: Matthias Lüdecke / F.A.Z.

Für die Energiewende sollen Tausende Windräder in der Nordsee aufgestellt werden. Spezielle Schiffe bringen die Giganten zum Einsatzort. Die Entwicklung dieser Fahrzeuge erfordert eine Menge Fachwissen und viel Freiraum.

          Der Portalkran war die große Herausforderung“, sagt Matthias Linnemann. Technisch präzise erklärt er, warum es so schwierig ist, eine rund 90 Meter hohe Hebeanlage auf einem Schiff zu montieren. Denn der Kran, der wie ein umgedrehtes U aussieht, soll nicht nur Lasten von mehr als 1200 Tonnen wuchten, sondern dank eines Schienensystems auch noch auf Deck manövrieren können. Denn beim „Heavy Installer“ handelt es sich um ein sogenanntes Errichterschiff, das sowohl die Fundamente als auch die kompletten Aufbauten für Windkraftanlagen in der Nordsee an Ort und Stelle bringt. Für den Laien scheint der Schwerpunkt des Schiffes mit seinem imposanten Kran bedenklich hoch zu liegen, zumal die Fracht aus vier Windmasten mit ihren ausladenden Rotorenblättern besteht. Doch Linnemann winkt ab. Alles eine Frage der Physik. „Wir haben natürlich eine Seeganganalyse gemacht.“ Dabei wurde berechnet, wie hoch die Wellen sein dürfen, bevor die wertvolle Fracht Schaden zu nehmen droht. Heute weiß der 40 Jahre alte Ingenieur: Sind die Wellen höher als 2 Meter, läuft das Schiff besser nicht aus.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Noch steht Linnemann nur vor einem Modell des „Heavy Installers“. Das Schiff hat seine Praxistauglichkeit noch nicht unter Beweis stellen können. „Aber wir sind sicher, dass es funktioniert“, sagt Fred Wegener, Technikchef des Schiffbaukonzerns Nordic Yards mit Werften in Rostock und Wismar. Was da in der Glasvitrine auf seine Umsetzung wartet, soll einen wichtigen Beitrag für das Gelingen der deutschen Energie-Wende leisten - und dem Werftkonzern bald lukrative Aufträge einbringen, betragen doch die Kosten für ein solches Spezialschiff rund 200 Millionen Euro. Denn in den kommenden Jahren sollen rund 5000 Offshore-Windmühlen in der Nordsee plaziert werden. Bis zum Jahr 2030 sollen sie eine Gesamtleistung von rund 25 Gigawatt bringen. Zu ihnen kommen neue Leitungen und Konverterstationen auf See, die den erzeugten Wechsel- in Gleichstrom umwandeln, weil sich dieser besser an Land transportieren lässt. Daraus errechnet sich rasch ein Investitionsvolumen in zweistelliger Milliardenhöhe.

          Ständig neue Probleme

          Doch noch liegt vieles im Argen. Ständig tauchen neue Probleme mit den technischen Gerätschaften auf. Eine Schwierigkeit besteht zum Beispiel darin, die Windkraftanlagen rechtzeitig an den Zielort zu bringen. Die Nordsee ist rauh und gilt als schwieriges Gewässer für solche Manöver. Die Montage ist eigentlich nur während der Sommermonate möglich. Denn zunächst müssen die dreibeinigen Sockel, sogenannte Tripoden, mit überdimensionalen Stahlnägeln im Meeresgrund verankert werden. Anschließend kommen darauf noch die Masten samt Turbinen und Rotorblättern. Die Vorgaben sind eindeutig: So viel wie möglich an Land zusammenbauen, damit die Montagezeiten auf See möglichst kurz sind, was wiederum die Kosten senkt und die Projektdauer verkürzt.

          So ähnlich klangen vor rund zwei Jahren die Wünsche, die ein Kunde an Wegener und seine Kollegen herantrug. Nordic Yards ist ein Spezialschiffhersteller, bei dem es nichts von der Stange gibt. Weil die am Markt vorhandenen Errichterschiffe allesamt nicht den Vorstellungen entsprachen, war der Entschluss für ein eigenes Modell schnell gefasst. „Als Entwicklungsbüro mit angeschlossener Fertigung haben wir einen strategischen Vorteil“, sagt Wegener.

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