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Virtuelle Realität : Besser die VR-Brille aufsetzen, wenn es mal ernst wird

Raumhaft: Erst mit der Bewegung des ganzen Körpers wird Virtuelle Realität wirklich erfahrbar. Bild: Wolfgang Eilmes

Mit Hilfe neuer Technologie können sich Menschen in Sekundenschnelle auf dem Meer, im Dschungel oder auf einem fremden Planeten wähnen. Aber der Einsatz im beruflichen Kontext birgt die meisten Chancen.

          Die Virtuelle Realität kann so einfach sein. Es gibt einen Raum, den Menschen ohne jegliche technische Ausrüstung betreten können, um sich in eine andere Welt zu begeben. Die Auswahl ist enorm: Der Besucher kann in Sekundenschnelle auf das Meer, in den Dschungel oder zu einem fremden Planeten wechseln. Alles ist so realistisch, dass der dort stehende virtuelle Wein getrunken werden kann und die projizierten Regentropfen die Haare wirklich nass machen. Diesen Raum gibt es schon seit vielen Jahren. Er heißt „Holodeck“, befindet sich an Bord der „Enterprise“ und wurde vom Drehbuchautor für die Serie „Star Trek“ erfunden.

          Das Holodeck ist einerseits nur eine Fiktion. Andererseits sollte es die Referenz sein, wenn es um die technische Umsetzung der Virtuellen Realität geht. Doch so einen Raum wird kein Ingenieur der Welt jemals umsetzen können, auch wenn das, was es aktuell gibt, schon ziemlich gut ist. Menschen lassen sich beim ersten Kontakt mit neuen Medien schnell täuschen. Es bedarf manchmal nur einfacher Mittel, um ihnen eine vermeintlich realistische Situation vorzugaukeln. Das zeigen die Erfahrungen aus den Anfangszeiten des Kinos. Als der Stummfilm „L’arrivée d’un train à La Ciotat“ von Auguste und Louis Lumière 1896 Premiere feierte, verließen einige Zuschauer fluchtartig ihre Sitze, weil sie glaubten, dass dieser einfahrende Zug auf der Leinwand tatsächlich auf sie zurollt. Sie konnten in dem Moment nicht zwischen virtueller und wirklicher Realität unterscheiden.

          Doch schon beim nächsten Kinobesuch wussten die Ängstlichen, dass der Zug vor ihnen nicht in den Saal, sondern auf der Leinwand fährt. Die Wahrnehmung lässt sich auf diese Art nicht täuschen, auch nicht mit 3D-Filmen. Man weiß, dass diese Welt nicht die eigene ist. Sowohl der Zugang zur 3D-Welt als auch zur Virtuellen Realität erfordert heutzutage und auch die nächsten Jahre eine Brille. Sie sitzt auf der Nase, drückt ein bisschen, die Ränder befinden sich im Sichtfeld. VR-Brillen sind ein Fremdkörper: Unter ihnen schwitzt die Haut, an ihnen hängen immer noch Kabel, die je nach Position leicht am Kopf ziehen, ihre Auflösung ist selbst bei den besten Modellen immer noch pixelig, und das Scharfstellen funktioniert nur bedingt. Bis die Hersteller all diese Probleme technisch gelöst haben, wird es noch Jahre dauern.

          Vermischung der Welten

          Ingenieure müssen neben technischen Fragen auch strukturelle beantworten. Soll der Weltenwechsel vollständig oder in die Realität integriert sein? Sowohl am Beispiel des Holodecks als auch an dem des Stummfilms fällt auf, dass sich die Realität mit den fiktiven Elementen vermengt. Ähnliches gilt für das Holodeck: Wer es betritt, der nimmt sich selbst mit. Das Subjekt ist bezüglich Charakter, Aussehen und Verhalten das gleiche, wie in der Welt, die es gerade verlassen hat. Im Kino wird aus der Leinwand ein Fenster zu einer virtuellen Welt, die reale bleibt sichtbar. Es handelt sich also in all diesen Fällen um eine erweiterte Realität (Augmented Reality). Für diese Art der Anwendung hat sich Microsoft früh entschieden.

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