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Uni-Abschlüsse : Wo der Diplom-Ingenieur überlebt hat

  • -Aktualisiert am

Im Multimedia-Labor der TU Dresden Bild: ddp

Der Dipl.-Ing. gilt als Markenzeichen deutscher Ingenieurskunst. Aber er hat es schwer unter Tausenden neuen Master-Abschlüssen. Nur wenige Hochschulen halten ihm die Treue. Zu recht?

          Bei einem Jaguar sägen Sie auch nicht die Kühlerfigur ab und setzten stattdessen eine Gummiente drauf.“ Stefan Odenbach braucht nur diesen einen kurzen Satz, um klarzumachen, was er davon hält, dass der Diplom-Ingenieur zur bedrohten Spezies geworden ist. Der renommierte Abschluss, der weit über die Landesgrenzen hinaus einen exzellenten Ruf hat, musste seit der Bologna-Reform an den meisten Hochschulen einem Heer von Master-Abschlüssen weichen. Odenbach ist Professor an der Technischen Universität (TU) Dresden und Studiendekan für den Studiengang Maschinenbau. Und er bedauert zutiefst die Entwertung des „Dipl.-Ing.“. Denn zwar gilt er als Markenzeichen deutscher Ingenieurskunst, wird aber mittlerweile nur noch an wenigen Universitäten vergeben. Unter ihnen ist die TU Dresden mit ihren mehr als 30 000 Studenten ein Schwergewicht. „Wir sind glücklich, dass sich der Abschluss Diplom-Ingenieur im sächsischen Hochschulgesetz gehalten hat. Aber wir haben auch jahrelang dafür gekämpft“, sagt Odenbach. „Weil wir es für den richtigen Weg in der Ausbildung halten.“

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Natürlich ließe sich einwenden, dass die Umstellungen nach Bologna keinen sichtbaren Schaden hinterlassen haben. So ein Master of Engineering oder Master of Science muss ja kein schlechter Ingenieur sein. Zumal sich die Studiengänge schon wegen der Akkreditierungsverfahren stark ähneln. Außerdem sind Ingenieure, deren Wertschöpfung der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) auf mehr als 200 Milliarden Euro im Jahr veranschlagt, auch im Jahr 2017 unterdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit bedroht – neue Abschlüsse hin oder her. Die Arbeitslosenquote unter Ingenieuren liegt bei weniger als 3 Prozent, davon können Vertreter anderer Berufe nur träumen. Die unverändert hohe Nachfrage lässt vieles in einem sanften Licht erscheinen. Rund 90 000 Absolventen im Jahr, so wie zuletzt, sind da kein Problem, auch wenn sich diese Zahl in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt hat.

          Und doch sehen viele die Zersplitterung der Abschlüsse als ein Problem. Gab es vor zehn Jahren an deutschen Hochschulen etwa 2200 ingenieurwissenschaftliche Studiengänge, so sind es heute knapp 3500. Kritiker bemängeln, dass mancherorts Studiengänge regelrecht designt werden, um persönlichen Vorlieben von Professoren entgegenzukommen, nicht um der Nachfrage gerecht zu werden. Aber nicht einmal der Verband TU9 macht sich stark für eine Wiederbelebung des Diplom-Ingenieurs. Dabei ist dieser Zusammenschluss von neun technischen Hochschulen aus Aachen, Berlin, Braunschweig, Darmstadt, Dresden, Hannover, Karlsruhe, München und Stuttgart doch so etwas wie ein Gralshüter der deutschen Ingenieurwissenschaften. Und auch beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI) sorgt das Thema für keine Aufwallungen mehr. Die Haltung des Berufsverbandes ließe sich eher so zusammenfassen: Dass Diplom-Ingenieure selten geworden sind, ist zwar bedauerlich, aber da lässt sich nichts mehr machen.

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          Es sind eher Einzelkämpfer wie Odenbach, die dann und wann ihre Stimme erheben. Ihm gefällt, dass andernorts offenbar auch umgedacht wird. An der kleinen TU Illmenau südlich von Erfurt zum Beispiel werden seit kurzem wieder Diplom-Studiengänge angeboten. Und er ist sicher: „Falls auch renommierte Adressen wie die Technische Hochschule in Aachen nachziehen, dann wird sich dieser Prozess beschleunigen.“ Odenbach hat die Renaissance des Diplom-Ingenieurs keinesfalls abgeschrieben. Im Gegenteil: „Ich gehe davon aus, dass auch andere Länder nachziehen, so wie zuletzt Thüringen, und den Diplom-Ingenieur wieder in ihre Hochschulgesetze aufnehmen“, sagt er. „Es wäre im Sinne der Studenten.“

          Für ihn liegen die Vorteile auf der Hand – auch ganz abgesehen vom Renommee. Vor allem können die Studenten in Dresden ohne Unterbrechung studieren, sie sind also in der Regel früher fertig als Master-Absolventen. Denn der Bruch nach dem Bachelor entfällt, weil nicht erst nach dem passenden Master-Studiengang gesucht werden muss. Das Timing an dieser Schnittstelle des Studiums sei sehr schwierig, sagt Odenbach. Deshalb verlören viele Studenten hier gut und gerne ein halbes Jahr, bis sie weiter studieren.

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