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Kolumne „Nine to five“ : Oberingenieur wer?

  • -Aktualisiert am

Volker Kefer, Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure. Bild: VDI Verein Deutscher Ingenieure

Kennen Sie den neuen Präsidenten des Vereins Deutscher Ingenieure? Nein? Dann sind Sie bestimmt nicht allein. Denn Ingenieure müssen schon dicke Bretter bohren oder tiefe Gruben graben, um der Anonymität zu entrinnen.

          Wie bekannt sollte Volker Kefer sein? Anders formuliert: Muss man ihn kennen? Kommt darauf an. Wer die Debatte um Stuttgart 21 intensiv verfolgt hat, die umstrittenste Großbaustelle der Deutschen Bahn also, der könnte beim Namen Kefer stutzen. War er doch lange Vorstandsmitglied der Bahn und als solches in der ersten Reihe, wenn es darum ging, den Großtunnelbau mitten in der City zu verteidigen. Das ist wenige Jahre her. Seit wenigen Wochen nun ist Kefer so etwas wie der oberste Ingenieur des Landes, da sollten ihn schon ein paar Leute mehr kennen als die Befürworter oder Gegner eines schwäbischen Bauprojekts.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber der neue Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) dürfte es so schwer haben wie sein Stand insgesamt. Ingenieure müssen schon dicke Bretter bohren – oder in Kefers Fall: tiefe Gruben graben –, um der Anonymität mal zu entkommen. Oder erinnert sich noch jemand an Udo Ungeheuer, seinen Vorgänger? Auch der war jahrelang oberster Vertreter von rund 150.000 deutschen Ingenieuren und bekam zum letzten Mal einen Hauch von Aufmerksamkeit, als er seinen Posten beim VDI räumte. Ingenieursschicksal.

          Die stehen sich manchmal aber auch selbst im Weg. Motto: Stellt sich eine wichtige technische Frage, womöglich sogar eine, die das ganze Land umtreibt, dann stehen jede Menge Ingenieure bereit, um eine Antwort zu geben. Natürlich oft eine andere. Diese Vielstimmigkeit führt dann dazu, dass am Ende keiner mehr durchdringt. Ein Beispiel für eine solche Frage: Sollte der Dieselmotor eine Zukunft haben, oder ist das eine Technik von gestern? Das sieht der Ingenieur für Umwelttechnik womöglich anders als der Ingenieur für Fahrzeugtechnik. Und der Ingenieur mit Schwerpunkt Städtebau und Stadtplanung hätte vielleicht auch noch eine interessante Sicht beizutragen.

          Da brauchte man schon einen Ingenieur für Tontechnik oder Akustik, um aus so vielen Stimmen einen einheitlichen Ton zu filtern. Volker Kefer ist nun derjenige, der zur Stimme der deutschen Ingenieure werden soll, am besten sogar zu deren Gesicht. Eine anspruchsvollere Aufgabe gibt es hierzulande unter den vielen anspruchsvollen Aufgaben für Ingenieure vermutlich nicht. Oberingenieur Kefer ist Maschinenbauer, vorher hat er Elektrotechnik ausprobiert. Wäre also schon mal gut, wenn er in den wichtigen Fragen mit sich selbst einig wäre.

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