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Interview : „Der Dipl.-Ing. ist zeitlos“

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Heimlich freuen würde sich Jürgen Stamm, wenn bald auch indische Universitäten Diplomabschlüsse einführten. Bild: TU Dresden

In Sachsen gibt es weiterhin die Möglichkeit, das Studium als Diplomingenieur abzuschließen - dafür gibt es gute Gründe, sagt Jürgen Stamm, Studiendekan der der TU Dresden im F.A.Z.-Interview.

          Herr Stamm, an der TU Dresden bilden Sie immer noch den guten, alten Diplomingenieur aus. Wie lange noch?

          Ich bin stolz darauf, dass sich meine Fakultät erfolgreich für die Aufrechterhaltung des Diplomstudiengangs Bauingenieurwesen eingesetzt hat. Der Diplomingenieur ist ein deutschsprachiger Abschluss, aber auch eine international anerkannte starke Marke. Genau wie „Made in Germany“. Wir bieten auch Doppeldiplomabschlüsse mit den Universitäten ESTP Paris und Straßburg sowie der Universität Trento in Italien an. Der Titel ist gut, aber nicht alt. Ich würde ihn als zeitlos verstehen und überaus zukunftsfähig.

          Es wird ihn ewig geben?

          Es wird ihn noch sehr lange geben. Letztlich steht er ja für die Inhalte. Für die Bauingenieure kann ich Ihnen sagen, dass unsere Fakultät absolut nicht daran denkt, den Diplomstudiengang einzustellen. In diesem Studiengang werden erfolgreiche Studierende ausgebildet. Wieso sollten wir dies aufgeben?

          Wie haben Sie das hinbekommen trotz der Brüsseler Vorgaben, die Studiengänge zu modularisieren und auf Bachelor und Master zu vereinheitlichen?

          Die Brüsseler Vorgabe - zu modularisieren - ließ sich erfüllen, weil die Diplomstudiengänge schon sehr systematisch aufgebaut waren. Eine Vereinheitlichung im Sinne von Gleichschaltung der Abschlüsse an unterschiedlichen Hochschulen war gar nicht beabsichtigt. Wir haben den Diplomabschluss nur wenig neu gestaltet, da die Studieninhalte bereits früh modularisiert wurden und die Inhalte durch die Vergabe von Kreditpunkten schon international vergleichbar waren. Wichtig war für uns, die Betonung der Grundlagenmodule in den Bereichen des Konstruktiven Ingenieurbaus, des Verkehr- und Wasserbaus sowie des Baubetriebs beizubehalten. Im Freistaat Sachsen kann der Abschluss Diplomingenieur deswegen weiterhin vergeben werden, weil dieser auch in der Neufassung des Sächsischen Hochschulfreiheitsgesetzes verankert ist.

          Warum genau haben Sie so stur am „Dipl.-Ing.“ festgehalten?

          Es ist nicht Sturheit, sondern Überzeugung, die uns die Kraft gibt, uns für dieses Studienangebot einzusetzen. An der Universität bekommt man vermittelt, auch unbekannte und neue Probleme auf der Grundlage einer ordentlichen wissenschaftlichen Ausbildung lösen zu können. Diese Befähigung erreicht man unmöglich im Rahmen einer dreijährigen Ausbildung. Da der überwiegende Anteil der Firmen in der Bauindustrie kaum - wie im Maschinenbau - selbst über ein ausgeklügeltes System der internen beruflichen Weiterbildung verfügt, ist es notwendig, dass die Ausbildung an den Hochschulen vollständig erfolgt. Eine Aufteilung des zweistufigen Systems Bachelor und Master in vier plus einem Jahr macht den Anteil der Master-Ausbildung dann unsinnig, wenn man bedenkt, dass in einem Jahr im Wesentlichen nur ein Semester für weitere Wissensvermittlung übrig bliebe und das zweite Semester für die Master-Arbeit verwendet würde. Deshalb waren die Mitglieder der Fakultät ohne Einschränkung der Meinung, das Diplom beizubehalten.

          Gibt es auch immer noch Bewunderer für das deutsche Diplom im Ausland?

          Mittlerweile gehen erstklassige indische Universitäten wie die Indian Institutes of Science Education and Research und einige Technologieinstitute ähnlich vor und bieten ausschließlich sogenannte Dual-Degree-Programme an. Sie ähneln unserem Diplomstudium. Denn sie schließen dort direkt mit dem Mastergrad ab, und dieser beinhaltet dann gleich auch den Bachelor. Man sollte diesen Universitäten eigentlich empfehlen, diesen Abschluss Diplom zu nennen. Ich wäre auf das deutschsprachige Echo gespannt.

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