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Mittelständler oder Konzern : Wenn die Stellenwahl zur Qual wird

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„Bei der ersten Position sollte nicht die Maximierung des Einkommens im Vordergrund stehen, sondern die Frage: Was lerne ich für die nächsten Jahre?“, sagt der Personalberater. Spätestens nach fünf bis sechs Jahren bestehe dann die „natürliche Anfälligkeit für einen Wechsel“. Denn wenn jemand sehr lange in einer Position sei und sich nicht bewege, senke das seine Attraktivität. Andersherum wirken sich auch extrem viele Jobwechsel, ein unsteter Lebenslauf oder unerklärliche berufliche Wendungen negativ auf die Attraktivität von Arbeitnehmern aus, sagt Weber. Oftmals würden die jungen Menschen auf das falsche Pferd setzen, wenn sie sich nur vom Verdienst und den sozialen Komponenten locken lassen, anstelle langfristig an ihre Karriere zu denken.

Flache Hierarchien, kurze Wege

Für ein kleineres Unternehmen spricht nach Ansicht von VDI-Fachmann Funk oftmals auch der Umstand, dass dort der Weg zum Chef kürzer ist. Bei einem Großteil der Firmen gebe es deutlich flachere Hierarchien als im Großkonzern. Dieses Argument hat bei Florian Fritz eine Rolle gespielt, als er sich für den Mittelständler Schmalz entschied. Das Unternehmen für Vakuumtechnik hat 950 Mitarbeiter und sitzt in Glatten im Schwarzwald. Es ist darauf spezialisiert, Sauggreifer, Hebe- und Haltevorrichtungen herzustellen, die mittels Unterdruck Teile bewegen oder fixieren können.

Florian Fritz ging zum Mittelständler Schmalz, weil der 30-Jährige das Klima dort innovativ und unbürokratisch findet.

Ingenieur Fritz kam schon während seiner Doktorarbeit mit Schmalz in Berührung. Heute ist der Ingenieur mit dem Schwerpunkt Automatisierungstechnik Leiter der dortigen Versuchsabteilung und mit für die Geschäftsfeldentwicklung zuständig. Er habe eine klare Karriereperspektive bekommen, und außerdem seien die Wege in dem Unternehmen kurz. „Hier werden einem keine Steine in den Weg gelegt, wenn man Eigeninitiative zeigt“, sagt der Berufseinsteiger, der auch schon Erfahrungen im Großunternehmen gesammelt hatte. Dabei ist ihm aufgefallen, dass es dort eher mal einen unfairen Wettbewerb zwischen Kollegen gebe als beim Mittelständler. Bei den kleineren Betrieben seien die Wege auch nicht immer vorgegeben. „Man verliert sich nicht in der Bürokratie.“

Der Ingenieur, der beinahe täglich zur Arbeit aus Tübingen in den Schwarzwald pendelt, schätzt auch das Angebot im Umfeld des Unternehmens. Denn junge, karrierehungrige Studienabgänger und Auszubildende verirren sich selten in das Örtchen. Aber zum Ausgleich gibt es ein Beachvolleyball-Feld und viele andere sportliche Aktivitäten, die von dem Maschinenbauer gestellt werden. Oder auch das Angebot für eine Massage. „Das sind schon Sachen, die einen positiv beeinflussen“, berichtet Fritz.

Die Frage nach dem Gehalt habe für ihn nicht die ausschlaggebende Rolle bei der Wahl des Arbeitgebers gespielt, versichert er. Vielmehr, dass sein Arbeitgeber im Wettbewerb gegen die Großkonzerne stark auf den Erfindergeist seiner Mitarbeiter setzt. Dem Familienunternehmen ist bewusst, dass es nur dann für junge Leute interessant wird, wenn es Innovationen produziert, für die sich Techniker auf der ganzen Welt interessieren. Das sieht auch Florian Fritz so: Der technologische Aspekt sei für ihn ein ganz wichtiger Punkt gewesen, sich für Schmalz zu entscheiden.

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