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Ingenieur-Arbeitsmarkt : Das Rennen um den Motor der Zukunft

Ähnliches berichtet der Ingolstädter Autohersteller Audi, der auch zum Volkswagen-Konzern gehört. Das Unternehmen stelle derzeit ganz gezielt zahlreiche Fachleute für Elektromobilität ein, sagt eine Sprecherin. Zusätzlich bilde Audi seine schon angestellten Ingenieure weiter und biete zum Beispiel Antriebsentwicklern zusammen mit der Technischen Hochschule in Ingolstadt eine „Weiterbildung Elektromobilität“ an. Im vergangenen Jahr habe Audi die Zahl seiner Elektroentwickler verdoppelt, sagte der Audi-Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler auf der Jahrespressekonferenz im März. Bis Mitte des nächsten Jahrzehnts solle der Mitarbeiterstab für die Entwicklung elektrifizierter Antriebe – also reiner Elektromotoren oder Hybridantriebe – deutlich weiter wachsen, heißt es vom Unternehmen.

Zugleich ergeben sich durch die Transformation neue Arbeitsfelder bei vielen Autoherstellern. Der Volkswagen-Manager Zöller berichtet zum Beispiel davon, dass sein Unternehmen Spezialisten für Datenmanagement oder IT-Sicherheit suche. Audi hält nach eigenen Angaben ebenfalls Ausschau nach Fachleuten aus den Feldern Nachrichtentechnik oder Elektrotechnik sowie aus der Informationstechnik. Kenntnisse über maschinelles Lernen, Cloud Computing und Datenanalyse seien sehr gefragt, heißt es. Zudem will der Premiumhersteller auch seine Produktion weiter digitalisieren und sucht dafür Ingenieure, die vernetzte Fabriken aufbauen, „Smart Factories“, wie Audi das nennt.

Nicht das Kerngeschäft vernachlässigen

Trotz der neuen Themen Digitalisierung und Elektromobilität kann es sich aber kein Autohersteller erlauben, das Kerngeschäft zu vernachlässigen. Immer wieder betonen Konzernvorstände wie Dieter Zetsche von Daimler oder Herbert Diess, der neue Volkswagen-Chef, dass der Verbrennungsmotor kein Auslaufmodell sei – Diesel-Debatte und Elektromobilität hin oder her. „Auch in den kommenden Jahrzehnten werden wir weiter Verbrennungsmotoren entwickeln und fertigen – und einen langen, sukzessiven Übergang zur Elektromobilität erleben“, heißt es von Audi. „Der Hauptbedarf besteht derzeit bei den Elektroantrieben, aber auch in der Entwicklung von konventionellen Motoren haben wir für Top-Fachkräfte hochinteressante Aufgaben“, sagt Susanne Scholtyssek, Personalleiterin Technische Entwicklung bei Volkswagen. „Konventionelle Antriebe sind ja nicht von gestern, sie sind Hightech. Auch da haben wir wichtige Zukunftsarbeitsplätze.“

Gleichwohl könnte für die Arbeitsplätze aus der vermeintlich alten Autowelt bald ein Fachkräftemangel entstehen. Von einem dramatischen Wandel der Studierendenzahlen, spricht zum Beispiel Georg Wachtmeister, Inhaber des Lehrstuhls für Verbrennungskraftmaschinen an der Technischen Universität München. Die Zahl der Hörer von Wachtmeisters Vorlesungen wie „Motorthermodynamik und Brennverfahren“ oder „Motormechanik“ habe sich innerhalb der vergangenen zwei Jahre ungefähr halbiert.

Wachtmeister macht dafür weniger den Betrugsskandal um die Dieselmotoren des Volkswagen-Konzerns oder die andauernde Debatte um den Selbstzünderantrieb verantwortlich. Vielmehr sei es so, dass der propagierte Wandel zur Elektromobilität die Studenten davor zurückschrecken lasse, sich heute auf Verbrennungsmotoren zu spezialisieren.

Der Professor kann es den Studierenden nicht verdenken. Gleichwohl sagt er: „Man müsste genau jetzt anfangen, sich als Ingenieur auf Verbrennungsmotoren zu spezialisieren. Denn wir werden diese Motoren noch sehr lange brauchen.“ Das zeigen Wachtmeister zufolge auch immer wieder Anfragen aus der Autobranche. „Uns rufen sehr häufig Autohersteller an und fragen, ob wir ihnen nicht Absolventen empfehlen könnten.“

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