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FAZ.NET-Fotoaktion : Weiblich, zierlich, Ingenieurin

  • -Aktualisiert am

Isis Wenger auf dem Plakat, das die Twitter-Aktion ins Rollen brachte. Bild: (c) Steve Rhodes/Demotix/Corbis

Wie sehen Ingenieure aus? Männlich und weiß, sagt das Vorurteil. Auf Twitter beweisen Tausende Frauen das Gegenteil. Aber warum machen kaum deutsche Ingenieurinnen mit? Mit unserer FAZ.NET-Fotoaktion wollen wir das ändern.

          Isis Wenger trägt ihre langen braunen Haare offen und in sanften Wellen. Ihr Blick ist herausfordernd, ihr Kinn reckt sie leicht nach vorne, sie lächelt nicht, nicht auf diesem Foto. Sie hält sich ein Schild vor die Brust, auf das sie in großen Lettern geschrieben hat: „I help build Enterprise Software“ - ich helfe, Firmensoftware zu entwickeln. Dahinter steht ein Twitter-Hashtag: #iLookLikeAnEngineer. Sie verbreitet das Foto Anfang August über Twitter. Und tritt damit eine Lawine los. Innerhalb kürzester Zeit tauchen in den sozialen Medien unter dem von ihr initiierten Hashtag Tausende von Tweets und Posts auf, in denen sich Frauen, aber auch etliche Männer, in ähnlicher Pose abgelichtet haben. Ihre Botschaft: Ein Ingenieur muss nicht männlich, muss nicht weiß sein, Menschen jedes Geschlechts und jeder Hautfarbe arbeiten in technischen Berufen. Und prangern gleichzeitig Sexismus und stereotype Denkweisen an, die ihnen zufolge in der Technologiebranche in Amerika immer noch anzutreffen sind.

          Die 22 Jahre alte Softwareingenieurin Wenger hatte mit ihrem Tweet auf die Kritik an einer Werbekampagne ihres Arbeitgebers reagiert. Dieser hatte mit Plakaten, auf denen sie und drei weitere Mitarbeiter gezeigt wurden, für eine bunte Belegschaft geworben. In den sozialen Netzwerken hinterließen daraufhin vor allem männliche Nutzer speziell auf Wenger abzielende Kommentare wie „zu sexy“ oder „völlig untypisch“. Einige mutmaßten sogar, sie sei gar keine Ingenieurin, sondern nur ein für die Kampagne gecastetes Model.

          Während Wengers Aktion in den Vereinigten Staaten im Nu ein riesiges Echo erfuhr, verhallte sie in Deutschland fast unbemerkt. Auch Kira Kastell hat von der Kampagne nur am Rande erfahren, dabei ist sie immerhin die Vorsitzende des Bereichs Frauen im Ingenieurberuf des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). „Ich nutze Twitter nicht“, erklärt die Übertragungstechnik-Professorin der FH Frankfurt am Main lapidar. Warum auch andere Ingenieurinnen in Deutschland bei der Aktion nicht mitgemacht haben? Sind sie zu schüchtern? Oder so selbstbewusst, dass sie es nicht nötig finden? Kira Kastell kann nur mutmaßen. Zum einen glaubt sie, dass viele im August, als die Kampagne in den Staaten initiiert wurde, „schlicht und ergreifend im Urlaub waren“ und deshalb die Medien kaum verfolgt hätten. Die Medien wiederum, findet Kastell, hätten nur wenig über die Kampagne berichtet.

          Deutsche Variante der Wengerschen Fotoaktion

          Franziska Heppner ist 29 Jahre alt, Maschinenbauingenieurin und ein schönes Beispiel dafür, dass es in Deutschland durchaus Menschen gibt, die für eine Beteiligung an #iLookLikeAnEngineer in Frage gekommen wären. Doch wie Kastell nutzt auch Heppner Twitter nicht, las aber im Intranet ihres Arbeitgebers von der Kampagne - allerdings „erst recht spät“. In einer ersten Reaktion hatte sie Vorbehalte mitzumachen. Sie glaubte, dass das Thema sie persönlich gar nicht betraf: „Weder im Studium noch im Berufsleben hatte ich jemals das Gefühl, benachteiligt zu werden, im Gegenteil“, sagt Heppner. Sie fühlt sich selbstbewusst - und sehr wohl in ihrer Rolle. Auf den zweiten Blick möchte sie aber genau dieses Selbstbewusstsein dem künftigen Nachwuchs vermitteln. Deshalb stellt die 29 Jahre alte Maschinenbauingenieurin, die beim Fahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN am Standort Augsburg arbeitet, nun ihr Porträt zur Verfügung, um eine deutsche Variante der Wengerschen Foto-Aktion auf FAZ.NET zu starten: Unter dem Stichwort „#ichsehwieeineingenieurinaus“ fordern wir die weiblichen Ingenieurinnen unter unseren Lesern auf, uns ihre Selfies zu schicken - die wir anschließend auf FAZ.NET in einer Bilderstrecke veröffentlichen wollen (bitte per Mail an berufundchance@faz.de).

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