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Gefragte Fachkräfte : Warum der Mangel an Ingenieuren doch nicht so groß ist

Ingenieure galten als Mangelware auf dem Arbeitsmarkt – in den vergangen Jahren hat sich Lage entspannt. Bild: dpa

Unternehmen mussten sich lange sorgen, ob sie ihre Stellen für Ingenieure besetzen können. Neue Zahlen der Arbeitsagentur zeigen: Einen Mangel an Ingenieuren gibt es nur noch in wenigen Disziplinen.

          Ingenieur werden – das galt lange Zeit als Berufswahl mit einer Art Stellengarantie. Seit Jahren plädieren besorgte Eltern für ein Ingenieurstudium, wenn es um die Pläne ihrer Kinder geht, denn die Disziplin sei ein exzellenter Schutz vor Arbeitslosigkeit, so die Fachleute. Mehr noch: Der Arbeitsmarkt für Ingenieure ist bekannt dafür, dass sich vor allem Arbeitgeber Sorgen machen müssen, ob sie ihre Stellen besetzt kriegen.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Doch mit Blick auf das Schreckgespenst Ingenieurmangel hat sich die Lage – zumindest ein bisschen – geändert, glaubt man neuesten Zahlen der Arbeitsagentur. In einer aktuellen Analyse, die sie in diesem Monat veröffentlicht hat, heißt es mit Blick auf das Tätigkeitsfeld: „Nach wie vor fällt die Arbeitslosigkeit so gering aus, dass man von Vollbeschäftigung sprechen kann.“ Gleichwohl fällt der Bericht nun schon im zweiten Jahr recht beruhigend für die Arbeitgeberseite aus: Längst nicht in allen Ingenieurdisziplinen gibt es einen Fachkräftemangel. Besetzungsschwierigkeiten traten dem Papier zufolge zum Beispiel in der Automatisierungstechnik zutage. „Einen Mangel gibt es außerdem in der Fahrzeugtechnik“, sagt Claudia Suttner, Mitautorin der aktuellen Auswertung. „Die hohe Nachfrage dort ist seit Jahren ein Trend.“

          Dagegen zeichnet sich eine deutliche Entspannung im Maschinenbau und in der Elektrotechnik ab. Elektroingenieure gehören demnach sogar zu den wenigen Ingenieur-Berufsgruppen, in denen die Beschäftigtenzahl langfristig rückläufig war und in den vergangenen Jahren nur unterproportional stieg. Ein Trend sei hier eine Verlagerung weg von der Elektrotechnik hin zur Informatik, glaubt Suttner. „Der Vormarsch von Industrie 4.0 und die Digitalisierung sind wichtige Gründe dafür“, sagt sie.

          In vielen Ingenieurdisziplinen trugen zuletzt hohe Studien-Absolventenzahlen spürbar zur Entspannung der Lage bei. Die Studienanfängerzahlen sind ebenfalls weiterhin hoch. Suttner glaubt aber nicht, dass ein Schweinezyklus droht: „Die Digitalisierung wird nicht nachlassen“, sagt sie. „Die Nachfrage nach technischem Knowhow wird daher auch in Zukunft hoch bleiben.“

          Ob ein Fachkräftemangel in einem Beruf herrscht – das lässt sich auch ganz gut dadurch bemessen, wie lange es dauert, bis eine offene Stelle wieder besetzt werden kann. Fachleute sprechen von der Vakanzzeit. Für Ingenieurstellen ist diese zwar im Schnitt noch immer recht lang, doch längst nicht mehr so dramatisch über dem Normalniveau, wie es noch in den Jahren 2012 und 2013 der Fall war.

          Besonders aufwendig gestaltete sich 2018 noch immer die Suche nach Ingenieuren für die Forschung und Entwicklung. Hier war eine Stelle im Durchschnitt 135 Tage unbesetzt, was einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr bedeutet und auch klar über dem allgemeinen Durchschnitt für alle Berufe lag, der bei einer Vakanzzeit von 115 Tagen liegt. Allerdings ist das noch immer kein Vergleich zum Spitzenwert aus dem Jahr 2012, als eine Stelle für einen Forschungs- und Entwicklungsingenieur noch durchschnittlich 152 Tage leer blieb, bis sie wieder besetzt werden konnte.

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