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Ingenieure : Finanziell die Krise überwunden

Auch ein Job für Ingenieure: Zwei Ferrari-Ingenieure enthüllen auf der IAA den neuen 458 Spider Bild: dapd

Die gute Konjunktur und Engpässe am Arbeitsmarkt haben den Ingenieuren spürbare Gehaltszuwächse gebracht. Die Aussichten für nächstes Jahr sind gut.

          Handelt es sich nun um eine Bedrohung des Wirtschaftsstandorts Deutschland oder um reine Propaganda? Seit Jahren warnen Arbeitgeber, Bundesagentur für Arbeit und der Verein Deutscher Ingenieure vor der stetig wachsenden Ingenieurlücke und der damit verbundenen Gefahr für Forschung und Produktion hierzulande. Wer so lange und laut trommelt, ruft auch Kritiker auf den Plan, die wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung keinen gravierenden Mangel erkennen, sondern vielmehr den Versuch, die Preise für die Spezialisten auf Dauer niedrig zu halten. Denn die Logik des Marktes besagt: Wird ein Gut knapp, steigt der Preis. Übertragen auf den Arbeitsmarkt, heißt das: Wenn Ingenieure wirklich rar sind, müssten sie das im Portemonnaie spüren.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Nun hatte der Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise zunächst dazu geführt, dass Ingenieure in der Industrie eher mit Kurzarbeit und Lohnverzicht konfrontiert wurden als mit satten Gehaltsaufschlägen. Mit verbesserter Konjunktur hat sich dies jedoch zuletzt geändert. Wie aus einer aktuellen Studie der Managementberatung Kienbaum hervorgeht, sind die Grundgehälter 2011 im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt um 2,9 Prozent gestiegen. Das entspreche etwa dem Steigerungsniveau von vor der Krise, heißt es. Führungskräfte durften sich sogar über eine um 3,3 Prozent höhere Grundvergütung freuen. Die Aussichten auf das kommende Jahr verheißen noch mehr Gutes: Dann erwarten die Unternehmen einen Gehaltszuwachs für ihre Ingenieure von 4,1 Prozent. Dies ergibt sich aus einer Auswertung von knapp 6000 Einzelpositionen in mehr als 700 Unternehmen. Weil es vielerorts wieder bessergeht, legte auch die erfolgsabhängige variable Vergütung zu. Im Durchschnitt erhielten Führungskräfte 16 Prozent und Fachkräfte 12 Prozent ihrer Vergütung als Bonus.

          Die Vergütung hängt wesentlich vom Standort ab

          Ein Ingenieur in leitender Funktion kommt laut Kienbaum derzeit im Durchschnitt auf rund 106.000 Euro im Jahr, 4 Prozent mehr als im Vorjahr. Am besten schneiden dabei Führungskräfte im Bereich Verkauf/Vertrieb ab mit 153.000 Euro. Es folgen Werkleiter (139.000 Euro) und die Verantwortlichen für Forschung und Entwicklung (121.000). Eine Fachkraft bezieht im Durchschnitt 63.000 Euro im Jahr, wobei der Produktmanager mit 81.000 Euro Jahresverdienst das Feld anführt, welches vom Sachbearbeiter Materialwirtschaft/Logistik mit 43.000 Euro abgeschlossen wird. Die Vergütung hängt jedoch wesentlich vom Standort eines Unternehmens ab. In Düsseldorf, München, Köln und Dortmund beziehen Führungskräfte Gehälter, die bis zu 14 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegen. München sowie das Rhein-Ruhr-Gebiet liegen zusammen mit Hannover bei den Fachkräften vorn, wogegen Kollegen in Dresden und Leipzig/Halle die niedrigsten Vergütungen beziehen. In Ostdeutschland werden generell nur 70 Prozent des Bundesniveaus erreicht.

          Ein besonderes Feld sind die IT-Ingenieure, da der Markt stark von Freiberuflern geprägt ist. Die Internet-Jobbörse Gulp wertet regelmäßig die Honorarforderungen ihrer registrierten Anbieter aus, derzeit sind dies rund 75 000. Nach Unternehmensangaben entspricht dies rund 75 Prozent des deutschen Freiberuflermarktes. Demnach betrug die durchschnittliche Stundensatzforderung im August 73 Euro, das waren 2 Euro mehr als ein Jahr zuvor. Im Fünfjahresvergleich ergibt sich ein Plus von 6 Euro. „Auf einem so hohen Niveau wie derzeit waren die Stundensätze schon seit Anfang 2002 nicht mehr“, heißt es in der Mitteilung. Damals hatte der Einbruch am Neuen Markt die Honorare deutlich gedrückt.

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