https://www.faz.net/-gyl-9mnf1

Ilo-Studie : Frauen arbeiten mehr als Männer

  • Aktualisiert am

Szene aus Istanbul: Arbeiter machen eine Pause auf der Kuppel einer im Bau befindlichen Moschee. Bild: dpa

Weltweit werden täglich 16,4 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit geleistet, heißt es in einer neuen Studie. Drei Viertel davon erledigen Frauen. Allerdings kommen Beschäftigte in der EU noch vergleichsweise gut weg.

          Vier Stunden und 29 Minuten: So viel Zeit verbringen Frauen in Deutschland jeden Tag im Schnitt mit unbezahlter Arbeit. Haushalt, Kümmern um Angehörige und Vereins- und Wohltätigkeitsarbeit gehören dazu. Mit diesen 269 Minuten liegen Frauen in Deutschland nach einer Studie fast genau im Durchschnitt von 41 untersuchten Ländern, wie die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen am Montag in Genf mitteilten.

          Wie es um die Männer in Deutschland bestellt ist, verrät die Studie nicht. Aber im Durchschnitt aller 41 Länder arbeiten Frauen 266 Minuten am Tag ohne Bezahlung, Männer gerade mal 108 Minuten. Wenn neben dem bezahlten Job auch Arbeitsstunden im Haushalt, bei der Pflege und bei gemeinnützigen Aktivitäten gezählt werden, sind Frauen deutlich stärker belastet: Sie arbeiten im Schnitt 55 Stunden pro Woche, Männer 49.

          Weltweit werden nach ILO-Angaben 16,4 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit pro Tag geleistet, drei Viertel davon von Frauen. Innerhalb der EU verbringen Frauen in Finnland am wenigsten Zeit damit: im Schnitt 211 Minuten am Tag. In Litauen sind es dagegen 308 Minuten.

          Etwa ein Drittel hat Angst, die Arbeit zu verlieren

          Beschäftigte haben es in der Europäischen Union besser als Kollegen in vielen anderen Ländern, wie aus der Studie weiter hervorgeht: 15 Prozent arbeiten in der EU im Durchschnitt pro Woche mehr als 48 Stunden. In den Vereinigten Staaten sind es 19 Prozent, in vielen Regionen Chinas 41 Prozent und in der Türkei sogar 57 Prozent.

          Während in der EU und in den Vereinigten Staaten rund drei Viertel der Beschäftigten sagen, sie lernten neue Fähigkeiten, sind es in der Türkei 57 Prozent und in Südkorea nur 30 Prozent. Rund ein Drittel aller Befragten arbeitet nach eigenen Angaben in Jobs ohne Perspektive für eine Karriere. Etwa ein Drittel hat Angst, die Arbeit zu verlieren. Das betrifft vor allem Beschäftigte in Teilzeit und mit befristeten Verträgen, wie ILO-Projektleiterin Manuela Tomei sagte.

          Telearbeit, also Arbeit außerhalb der Büros des Arbeitgebers, ist vor allem in Dänemark (37 Prozent), Schweden (33 Prozent) und den Niederlanden (30 Prozent) verbreitet. Deutschland liegt mit weniger als 20 Prozent im unteren Drittel der ILO-Statistik, neben Rumänien, Ungarn und Argentinien. Telearbeit habe Vor- und Nachteile, so die ILO: Beschäftigte sparten zwar den Arbeitsweg und könnten die Arbeit flexibler organisieren. Aber viele Menschen arbeiteten dadurch länger, und die Abgrenzung von Arbeit und Freizeit werde verwischt. Die Studie umfasst 1,2 Milliarden Arbeitende in 41 Ländern. Darunter waren die 28 EU-Länder sowie China, Südkorea, die Türkei, die Vereinigten Staaten und einige mittel- und südamerikanische Staaten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.

          An Scholz’ Seite : Manchmal liegt das Glück ganz nah

          Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter: Wofür die Kandidatin an Scholz’ Seite steht – und wieso der erfolgsverwöhnte Niedersachse Stephan Weil plötzlich beschädigt ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.